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Protestler pfeifen Petra Roth aus

Von Christian Scheh Während in der Paulskirche die Lobreden auf OB Petra Roth gehalten wurden, machten Fluglärm-Gegner und linke Aktivisten auf dem Paulsplatz Rabatz – laut, aber friedlich. Als die Polizei die Aktivisten hinter die Absperrung drängte, wurde es kurz ungemütlich. Bilder > Als die Polizei die Aktivisten hinter die Absperrung drängte, wurde es kurz ungemütlich.

Frankfurt. 

Als Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) um 15.30 Uhr in Sicht kommt, schwillt der Krach hinter den Polizeiabsperrungen ins Ohrenbetäubende an. Wer Pfeifen und Tröten dabeihat, pfeift und trötet. Wer Trommeln und Ratschen dabeihat, trommelt und ratscht. Und wer zur Minderheit derer gehört, die über kein lärmendes Werkzeug verfügen, buht ganz einfach, so laut er kann.

"Sie haben uns verraten und verkauft!", brüllt ein Fluglärm-Gegner in sein Megafon. Die OB schenkt den etwa 600 Demonstranten kaum Beachtung. Sie nähert sich gemessenen Schrittes der Paulskirche, wo gleich ihre Abschiedsfeier beginnt. Eine Protestlerin zeigt sich empört: "Sehen Sie doch her!", ruft sie und schlägt mit einem Holzlöffel auf einen leeren Plastikkanister.

Die Fluglärm-Gegner haben sich das Recht, parallel zur Abschiedszeremonie auf dem Paulsplatz zu protestieren, vor Gericht erstritten. Die 25. Montagsdemo ist die erste, die nicht im Terminal 1, sondern in der Innenstadt über die Bühne geht. Die Forderungen sind dieselben: Still-

legung der Nordwest-Landebahn oder wenigstens ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr.

Die Sicherheitsvorkehrungen rings um die Paulskirche sind hoch, auch wegen der benachbarten Kundgebung linker Aktivisten (siehe unten). Die Polizei hat das traditionsreiche Gebäude mit Zäunen abgesperrt, die 900 geladenen Gäste, zu denen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zählt, ziehen außer Wurfweite in Richtung des Haupteingangs.

Plakate zum Anlass

Viele Fluglärm-Gegner haben Plakate passend zum Anlass gemalt: "Kein Pöstchen bei Fraport, Frau Roth?", spekuliert ein Protestler über die berufliche Zukunft der OB. Seine Mitstreiterin macht deutlich, dass sie ganz andere Pläne hat: "Merkel und Roth, ab nach Flörsheim bei trocken Brot."

Elisabeth Schick ist aus Hochheim angereist, um ihrem Ärger über Petra Roths Flughafen-Politik Luft zu machen: "Ehemalige CDU-Wähler grüßen zum Abschied", steht auf einem ihrer Schilder. "Frau Roth trägt Verantwortung dafür, dass unsere Lebensqualität gesunken ist", sagt die 50-Jährige. Sie hofft inständig, dass der Lärm durch die Mauern der Paulskirche dringt.

Festgelegte Lärmgrenze

Die Stadt hat den Protestlern die Auflage gemacht, dass sie nicht lauter als 80 Dezibel sein dürfen; die Einhaltung wird mit Messungen an zwei Stellen überprüft. "Vorhin hatten wir kurz 100 Dezibel", sagt ein Ordnungshüter am Rande der Veranstaltung. Anlass zum Einschreiten sieht er aber nicht. "In der Paulskirche ist so gut wie nichts zu hören."

Die Fluglärm-Gegner fühlen sich durch die Lärmauflage schikaniert: "80 Dezibel ist genau die Lautstärke, mit der die Schmerzklinik in Mainz überflogen wird", betont Michael Wilk vom Arbeitskreis Umwelt zu Beginn seiner Rede. Die Protestler beschließen per Handzeichen, gegen die Auflage zu verstoßen und die Verstärkeranlage lauter als 80 Dezibel einzustellen – damit die Reden überall zu hören sind.

Wilk bezeichnet die Politiker in der Paulskirche als "Heuchler", deren "perverse Ideologie des Wachstums" auf Kosten der Menschen gehe. In die kämpferischen Worte gegen die Nordwest-Landebahn mischt sich immer wieder Kritik an den jüngsten Demonstrationsverboten in Frankfurt.

"Die Leute werden immer wütender", betont ein Mann aus Oberrad, der mit seiner Frau auf den Paulsplatz gekommen ist. Er hat nach 20 Jahren im Frankfurter Süden vor dem Fluglärm kapituliert: Der Umzug nach Darmstadt ist schon in Vorbereitung.

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