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Psychiatrie oder Höchststrafe

Psychiatrie statt Gefängnis - so der Antrag des Verteidigers jenes Mannes, der seiner Frau mit einem Beil schwere Verletzungen zugefügt hat.
Griesheim. 

Er fügte seiner getrennt lebenden Ehefrau eine Vielzahl schwerster Verletzungen mit einem Beil zu - jetzt soll der 48 Jahre alte Bauarbeiter aus Griesheim dauerhaft in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, ansonsten aber nicht weiter strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. So lautet der Strafantrag, den Verteidiger Nikolaus Krebsbach gestern vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts nach knapp einstündigem Plädoyer stellte. Den Ausführungen des Rechtsanwaltes zufolge leidet sein Mandant seit vielen Jahren an einer "paranoiden Psychose", zu deutsch einem ausgeprägten Verfolgungswahn, der sich bei ihm in "krankhaftem Eifersuchtswahn" ausdrücke. Deshalb sei der Türke auch nicht in der Lage, das Unrecht seiner Taten zu begreifen. Die Schuldunfähigkeit sei die Folge, der Freispruch vom Anklagevorwurf des Mordversuches die logische juristische Konsequenz. Weil er jedoch krank sei und jederzeit wieder rückfällig werden könne, müsse er in einer Klinik entsprechend behandelt und therapiert werden, sagte der Rechtsanwalt.

Opfer leidet bis heute

Seit gut sechs Monaten hatte sich die von Richterin Bärbel Stock geleitete Schwurgerichtskammer mit dem aufsehenerregenden Fall aus dem Griesheimer Schwarzerlenweg zu befassen. Dort hatte der Angeklagte am frühen Morgen des 28. Dezember 2011 seiner Frau vor der Haustüre aufgelauert, als sie gerade zur Arbeit gehen wollte. Er hieb wahllos mit dem Beil auf den Körper des schreienden Opfers ein und verletzte sie vielfältig - unter anderem verlor sie mehrere Finger, von denen einer später nicht wieder angenäht werden konnte. Die psychischen Folgen für die Frau, die seit Jahren unter der Eifersucht des Mannes schwer zu leiden hatte, sind enorm. Ihre gerichtliche Vernehmung sowie die Befragung der 20 Jahre alten Tochter fanden hinter verschlossenen Türen statt und riefen - so die Staatsanwältin - starke emotionale Reaktionen hervor. Während der Angeklagte die Beil-Attacke vor Gericht zugab, stritt er die beiden anderen Anklagepunkt ab. Einige Zeit vorher soll er die Frau, nachdem sie sich ihm verweigert hatte, zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Im Laufe einer weiteren familiären Auseinandersetzung hielt er der Tochter laut Anklage ein Brotmesser an den Hals und drohte mit weiterer Gewalt. Motiv für diese Tat soll der Umstand gewesen sein, dass sich die Tochter auf die Seite der Mutter begeben hatte. Diese beiden Übergriffe - von der Staatsanwaltschaft als Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung gewertet - thematisierte der Verteidiger in seinem Schlussvortrag aber nicht weiter.

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Vor dem Plädoyer des Verteidigers hatte der Rechtsanwalt der Frau, die als Nebenklägerin in dem Prozess vertreten ist, das Wort. Er erinnerte noch einmal an das schwere psychische und körperliche Leid, das der Angeklagte mit seinen Taten über die gesamte Familie gebracht habe und forderte die Höchststrafe von 15 Jahren, also noch ein Jahr mehr, als Staatsanwältin Sandra Dittmann in der vergangenen Woche beantragt hatte. Ausdrücklich bezog er auch die Vergewaltigung und die körperliche Misshandlung der Tochter mit ein. Von dem Mann waren in den vergangenen fast zwanzig Jahren zahlreiche Überwachungsaktivitäten ausgegangen. Weil er überall Nebenbuhler wähnte, hatte er die Frau quasi niemals in Ruhe gelassen. Selbst auf der Arbeitsstelle klingelte ständig das Mobiltelefon. Ging sie nicht dran, gab es Abends in der Wohnung böse Auseinandersetzungen, in die auch die Töchter des Ehepaares einbezogen wurde.

"Ich möchte mich bei allen Betroffenen entschuldigen für das, was ich getan habe", sagte der Angeklagte in seinem letzten Wort. Die Opfer hatten sich, wie schon zuvor, von der Verhandlung ferngehalten. Die Schwurgerichtskammer will nun am kommenden Freitag das Urteil verkünden. ge

(Matthias Gerhart)
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