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Gefahr für Radfahrer: Radfahrbüro zieht die Notbremse

Von Für Radfahrer ist die Verkehrssituation entlang der neu errichteten U-Bahn-Haltestelle „Hauptfriedhof“ sehr gefährlich. Jetzt wird gegengesteuert.
Weil die derzeitigen Markierungen (weiße Linien) in der Eckenheimer Landstraße nicht angemessen sind, werden die Linien komplett neu gezogen. Die magentafarbenen Markierungen zeigen den künftigen Verlauf der jeweiligen Fahrspuren. Fahrbahn und Radfahrstreifen werden breiter. Damit reagiert das Radfahrbüro auf Beschwerden.	Ansicht: Radfahrbüro Foto: Jan Weil die derzeitigen Markierungen (weiße Linien) in der Eckenheimer Landstraße nicht angemessen sind, werden die Linien komplett neu gezogen. Die magentafarbenen Markierungen zeigen den künftigen Verlauf der jeweiligen Fahrspuren. Fahrbahn und Radfahrstreifen werden breiter. Damit reagiert das Radfahrbüro auf Beschwerden. Ansicht: Radfahrbüro
Nordend. 

Zwischen Theorie und Praxis ist manchmal ein himmelweiter Unterschied. Das wurde jetzt den Planern bewusst, die die Verkehrsführung in der Eckenheimer Landstraße entlang der neu gebauten Hochbahnsteige der Haltestelle „Hauptfriedhof“ konzipiert haben. Leidtragende sind Radfahrer, denen in Fahrtrichtung Innenstadt die Autofahrer oft viel zu nahe kommen und in arge Bedrängnis bringen.

„Die Markierungen entsprechen den gängigen Normen. Die Situation ist aber falsch eingeschätzt worden, doch aus Fehlern lernt man“, erklärte Joachim Hochstein, Leiter des Radfahrbüros im Straßenverkehrsamt, in der jüngsten Sitzung des Ortseirates 3 (Nordend). Er kündigte an, dass alle Linien entfernt und Fahrspur, Radstreifen sowie Parkstreifen breiter markiert werden. „Radfahrer benötigen hier einen besseren Schutz“, begründete Hochstein die Maßnahme. Stadtauswärts gibt es keine diesbezüglichen Probleme.

Deutlich breiter

Künftig misst die Fahrbahn 2,95 Meter statt wie bisher 2,20 Meter, der Fahrradweg verbreitert sich um zehn Zentimeter auf 1,60 Meter und der Sicherheitsstreifen zwischen Radweg und Parkbuchten misst künftig 70 Zentimeter. Außerdem rücken die Parkplätze zwischen den Baumstandorten weiter nach links in Richtung Gehweg.

Nach seinen Angaben waren der Entscheidung massive Beschwerden von Bürgern, dem Ortsbeirat und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) vorausgegangen. Daraufhin habe er eine Zwölf-Stunden-Videoanalyse in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse teils erschreckend gewesen seien. Weil Autofahrer Respekt vor der 80 Zentimeter hohen, massiven Mauer des Hochbahnsteiges hätten, hielten sie einen Sicherheitsabstand und drängten deshalb Radfahrer bis an den äußersten Rand des Sicherheitsstreifens, so dass brenzliche Situationen mit Sturzgefahr eher die Regel als die Ausnahme seien.

Ein Eingriff in die Verkehrsführung war an dieser Stelle nötig, weil durch den Bau des Hochbahnsteiges der Straßenquerschnitt der Eckenheimer Landstraße schrumpfte. Deshalb wurde die Zahl der Fahrspuren für Autofahrer auch von zwei auf eine reduziert, der Radweg wurde auf der Fahrbahn markiert und der frühere, zwei Meter breite Radstreifen dient seit der Freigabe der Straße nach den Bauarbeiten als Parkplatz. „Man wollte die Autos aus den Zwischenräumen der Baumstandorte raus haben. Doch der Radweg als Parkstand reicht nicht aus, da wurde über das Ziel hinausgeschossen“, erklärte Hochstein. Das Beispiel Eckenheimer Landstraße sei ein Warnschuss, denn die Maße, mit denen man in der Regel unterwegs seien, würden eben nicht immer stimmen.

Rainer Krug (CDU) kritisierte grundsätzlich das Prozedere der Planung. Es sei ohne taugliches Konzept gebaut worden – nach dem Motto: „Erst bauen, dann denken.“ Vor allem aber stört ihn, dass der Ortsbeirat zum wiederholten Male nicht konsultiert und um seine Meinung gefragt worden sei. Lob gab es hingegen von Manfred Zieran (ÖkoLinX_ARL): „Was da jetzt entsteht, ist vorbildlich. Ich finde es toll, dass ein Amt auch mal so schnell reagiert.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch (SPD) gab dem Leiter des Fahrradbüros mit auf den Weg, das Parken direkt vor den Baumstandorten auf dem ehemaligen Fahrradstreifen zu unterbinden. Poller seien eine Möglichkeit, damit sich beispielsweise ein Smart reindränge. Stella Stillgenbauer (SPD) regte Schilder an, die anzeigen, wie künftig an der Stelle geparkt werden soll.

In Radwege investieren

„Mit kleinen Maßnahmen werden wir nicht zur Modellstadt“, sagte Grünen-Sprecher Michael Mirsch mit Blick auf die Gesamtsituation für den Fahrradverkehr. Zu viele Radwege sind seiner Meinung nach in schlechtem Zustand. Man müsse Geld in die Hand nehmen, um etwas zu ändern, führte Zieran aus. Er und Bernhard Maier (Grüne) würden sich mehrere Radwege nach dem Vorbild in der Rothschildallee wünschen. Dort gibt es auf einem Teilstück parallel nebeneinander einen auf der Fahrbahn markierten Streifen und den erhöhten Radweg neben dem Gehweg. „Das ermöglicht flotten Radfahrern schnelles Fortkommen, denn auf Radwegen ist Überholen normal nicht möglich“, sagte Maier. Allerdings dämpfte Hochstein die Hoffnungen. Allein schon aus Platzgründen seien in Frankfurt solche Angebote ausgeschlossen. Die Straßenquerschnitt seien zu schmal.

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