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Anwohner verärgert: Rätselraten um Namenspatron in Niederrad: Welcher Adolf ist gemeint?

Von 103 Jahre lang hieß die Adolfstraße einfach Adolfstraße. 2003 beschloss der Ortsbeirat 5, sie dem Chemiker Dr. Adolf Frank zu widmen, damit niemand auf die Idee komme, es könnte womöglich ein anderer Adolf gemeint sein. Ein „Schild-Bürgerstreich“, findet ein Nachbar.
Kuriosität um die Adolfstraße: Nach welchem Adolf ist die Straße anno 1900 ursprünglich benannt worden? Denn das Zusatzschild mit Infos zu Dr. Adolf Frank wurde erst im Jahr 2003 auf Antrag des Ortsbeirates 5 angebracht. Das lässt Anwohner Hans-Joachim Thedens grübeln. Foto: Michael Faust Kuriosität um die Adolfstraße: Nach welchem Adolf ist die Straße anno 1900 ursprünglich benannt worden? Denn das Zusatzschild mit Infos zu Dr. Adolf Frank wurde erst im Jahr 2003 auf Antrag des Ortsbeirates 5 angebracht. Das lässt Anwohner Hans-Joachim Thedens grübeln.
Niederrad. 

„Ich gehe täglich daran vorbei und ärgere mich“, sagt Hans-Joachim Thedens. Gemeint ist die Adolfstraße, genauer: ein kleines Zusatzschild, das am Straßenende hängt und an Dr. Adolf Frank (1834–1916) erinnert. Die Leistungen des Chemikers in allen Ehren, aber mit Niederrad hatte er herzlich wenig zu schaffen. Dass ihm der Ortsbeirat 2003 die Straße ohne größere Not widmete, kann Thedens bis heute nicht verstehen. Mehr noch: Er vermutet, dass die Straße ursprünglich an einen bedeutenderen Adolf erinnern sollte. Belege dafür gibt es, bisher zumindest, aber nicht.

Nicht nachvollziehbar

Die Geschichte beginnt 1900, als Niederrad eingemeindet wurde. Bis dahin hieß die Adolfstraße Hermannstraße, doch gab es in Frankfurt bereits eine solche. „Die Magistratsbeschlüsse vom 27. Juli und 23. Oktober 1900 enthalten allerdings keinen Hinweis darauf, nach welcher Person die Adolfstraße benannt wurde“, berichtet das für Straßenbenennungen zuständige Stadtvermessungsamt. Es lässt sich nicht mehr nachvollziehen, wen die Straße damals ehren sollte, und ob überhaupt ein bestimmter Adolf gemeint war.

Ein sensibles Thema

Immer wieder führen Straßennamen zu Diskussionen oder gar heftigem Protest. Dabei muss es nicht unbedingt um Hochpolitisches gehen: So beschwerten sich einst 16 Bürger, nicht weit entfernt von der

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Thedens hält dies für möglich, sei doch die benachbarte Güntherstraße beispielsweise nach dem in Frankfurt gestorbenen Günther XXI., Graf von Schwarzburg-Blankenburg, benannt. Denkbar sind weitere Namen: König Adolf von Nassau (um 1250–1298), wie Thedens vermutet? Herzog Adolf von Nassau (1817–1905), wie es Internetquellen nahelegen? Niederrad war jedoch nie nassauisch. König Gustav II. Adolf von Schweden (1594–1632)? Eine Weile habe ein anonym-handschriftlicher Text an einem Maschendrahtzaun auf ihn hingewiesen, so Thedens. Aber warum ausgerechnet er? Und Adolf Hitler? Eher nicht, er war zum Zeitpunkt der Umbenennung doch erst elf Jahre alt.

Chemiker „entdeckt“

2003 beantragte die CDU im Ortsbeirat 5, die Straße Dr. Adolf Frank zu widmen. Begründet wurde das mit Befürchtungen von Bürgern, der Name gehe auf die Zeit des NS-Regimes zurück. Dem sollte vorgebeugt und ein „verdienter deutscher Chemiker“ geehrt werden. Frank fand unter anderem heraus, dass man mit Kalisalzen Düngung betreiben kann, er gilt damit als Begründer der deutschen Kali-Industrie. Mindestens ebenso bedeutsam ist, dass er die Braunfärbung von Bierflaschen als Lichtschutz einführte.

Aus dem Leitfaden

„Straßennamen sind insbesondere von historischen Gewannbezeichnungen, von lokalen historischen Gegebenheiten, bedeutsamen Ereignissen oder von um das Gemeinwohl verdienten Persönlichkeiten

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Aus Kostengründen sollte der Straßenname erhalten und durch ein Widmungsschild ergänzt werden. Davon waren aber nur CDU und BFF überzeugt. Die Grünen stimmten dagegen, SPD und FDP enthielten sich. „Ich sehe bei diesem Lebenslauf beim besten Willen keinen Bezug zu Niederrad“, sagte Uwe Schulz (FDP) damals.

Der Antragsteller hatte den Namen einer Liste des Stadtvermessungsamtes entnommen, auf der alle Vorschläge von Bürgern für Straßenbenennungen gesammelt werden. Neben Adolf Frank standen seinerzeit auch Erasmus von Rotterdam oder Mahatma Gandhi darauf. Es besteht einiges an Spielraum: So gibt es in Frankfurt einen Baroda-Pfad, benannt nach der letzten Elefantendame im örtlichen Zoo.

Einschätzung bekräftigt

Aus Sicht des Magistrats ist Dr. Adolf Frank ein würdiger Namenspate, wie er 2004 in einer Stellungnahme mitteilte. Eine Einschätzung, die Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) Thedens gegenüber schriftlich bekräftigte. Der Niederräder Anwohner Thedens hat die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben, einen Adolf zu finden, der nicht nur eines Straßennamens würdig ist – sondern auch einen Bezug zum Stadtteil Niederrad und der Stadt Frankfurt am Main hatte.

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