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Gastro-Kolumne: Ramen – eine Nudel muss die Welt erobern

Von
Geschäftsführer Hiroyuki Kurosu und Meister Jun. Foto: Christian Christes Geschäftsführer Hiroyuki Kurosu und Meister Jun.
Frankfurt. 

Schlürfen erlaubt. Im Ramen Jun Frankfurt können die Gäste ihr Essen geräuschvoll verspeisen. Schließlich hat sich das neue Lokal auf das gleichnamige japanische Nationalgericht spezialisiert. Dazu gehören erstens eine große Schale, zweitens eine kräftige Brühe und drittens sehr viele und sehr lange Nudeln. Wer sich diese mit Hilfe zweier Stäbchen einverleiben möchte, benötigt nicht nur etwas Geschick, sondern darf – wie gesagt – auch schlürfen.

Dass sich die japanischen Gäste dabei selten bekleckern, verlangt mir einen gewissen Respekt ab. Allerdings konnten sie auch häufig üben. In ihrer Heimat steht die Nudelsuppe nämlich zwei- bis dreimal wöchentlich auf dem Speiseplan. Das zumindest erzählt mir Hiroyuki Kurosu, Geschäftsführer der Neueröffnung, und fügt ergänzend hinzu: „Wir Japaner sind ganz verrückt danach, würden für gute Ramen zwei Stunden lang fahren.“ Doch das müssen sie gar nicht, weil es allein in Tokio mehr als 5000 Läden geben soll, die hauptsächlich Nudelsuppen servieren. Zu den besten Adressen zählen einem lokalen Journalisten zufolge auch die Filialen von Ramen Jun.

Das 1992 gegründete Unternehmen verfügt über 15 Läden in Japan – und seit Kurzem über einen in Frankfurt. Ich frage Kurosu, warum die Wahl ausgerechnet auf die Mainmetropole gefallen ist. Er antwortet spontan, „weil Frankfurt zum einen als weltoffene Stadt gilt und weil hier zum anderen Menschen leben, die gute Dinge und gutes Essen zu schätzen wissen“. Um den Standort für das erste Ramen Jun außerhalb der japanischen Grenzen habe es lange Diskussionen gegeben. Berlin sei ebenfalls in der engeren Wahl gewesen. Dort ließen sich Räume in guter Lage aber schwer finden. Das Ramen Jun Frankfurt hat zwar in einer Seitenstraße eröffnet, liegt jedoch in Laufnähe zur Messe, was besonders gegen Mittag viele Gäste bringen dürfte.

Allerdings braucht es nicht nur einen clever gewählten Standort, um sich erfolgreich zu etablieren. Was dem Geschäftsführer auch deshalb wichtig ist, weil weitere Filialen in Frankfurt und anderen Städten geplant sind. „Wir betrachten es als unsere Mission, authentische Ramen in der Welt zu verbreiten“, betont er. Ich überlege, ob dieser Vorsatz schon bei der Einrichtung des kleinen Lokals beginnt. Obwohl es nach japanischen Maßstäben so klein gar nicht sein soll. „Die Läden in meiner Heimat haben manchmal nur eine Theke mit 15 Plätzen, und trotzdem verkaufen sie 200 bis 300 Portionen täglich“, erzählt Kurosu. Was vor allem daran liegt, dass seine Landsleute die Nudelsuppe als Fast Food verspeisen. Doch zurück zum Ambiente: Es ist reduziert, fast minimalistisch, besteht aus einfachen Holzmöbeln zwischen schwarz, weiß und rot gestrichenen Wänden. Als dekorative Elemente fungieren lediglich drei farblich passende Lampen und das mit japanischen Schriftzeichen verzierte Schild über der Theke, das der Großvater von Matsumoto Jun angefertigt hat. Womit ich beim Namens- und Konzeptgeber wäre. Jun-san oder Meister Jun hat außerdem die Rezepte entwickelt und legt den Qualitätsstandard fest. „Er ist ein sehr guter Koch und genießt in Japan großen Respekt“, sagt der Geschäftsführer in diesem Zusammenhang. Und das glaube ich ihm auch, denn die als Vorspeise bestellten Teigtaschen samt einer Füllung aus Schweinefleisch und Gemüse sind optisch und geschmacklich einwandfrei (fünf Stück für 4,80 Euro). Auf demselben Niveau präsentieren sich die gerösteten Tomaten mit Knoblauchsauce und Avocado in einer mit Wasabi verfeinerten Sauce. Sämtliche Aromen kommen zur Geltung, allerdings ist der Preis von 6,50 Euro zu hoch angesetzt. Die Nudelsuppen aus Nippon kosten zwischen 9 und 16,50 Euro, was absolut gerechtfertigt ist. Zumal ich eine große Schale mit herzhafter Schweinefleischbrühe erhalte, dazu frisches und eingelegtes Gemüse, vier Scheiben zartes Schweinefleisch sowie ein in Soja-Sauce und Gewürzen eingelegtes Ei. Darunter stoße ich auf eine große Portion hausgemachter Nudeln, die ich weich, mittel oder hart bestellen kann. Neben den Schweinefleischsuppen in verschiedenen Varianten gibt es vegetarische Ramen mit einer kräftig schmeckenden Brühe auf Basis von Seetang und Sojamilch (12,50 Euro). Daraus lassen sich die langen, schmalen Nudeln dann genauso schön schlürfen.

 

Ramen Jun Frankfurt
Westend, Wilhelm-Hauff-Straße 10, Tel. 069 26918414, www.ramen-jun.de, Mo–So 11.30–15.30 + 18–23.30 Uhr, Sitzplätze: 34 innen, Küche: japanisch

 

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