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Ran an die Instrumente

Seit fünf Jahren fährt das Musikmobil der Musikschule Frankfurt durch die Stadt. Nun dürfen auch die Kleinsten die Instrumente testen.
Theodor von Ösen (6) spielt Gitarre. 	F.: Hamerski Bilder > Theodor von Ösen (6) spielt Gitarre. F.: Hamerski
Innenstadt. 

Der Kontrabass ist größer als der kleine Josua (6). Zum Glück stützt Ulrike Winter den Sechsjährigen. Das Instrument ist Teil der Ausrüstung des Musikmobils. Eine Woche lang stand das mobile Musikzimmer, ein Projekt der Musikschule Frankfurt e.V., auf dem Opernplatz – heute zum letzten Mal.

Aus dem Laderaum des fast achtzehn Meter langen Lasters kann seitlich ein Container auf Stelzen ausgezogen werden, so dass sich der quietschgelbe Laster in ein Klassenzimmer voller Instrumente verwandelt. „Unser Ziel ist es, Kindern Lust aufs Musizieren zu machen. Bei uns können sie alle wichtigen Musikinstrumente selbst ausprobieren“, sagt Winter. Von der Bratsche bis zur Querflöte befinden sich in dem Truck neuwertige Instrumente im Wert von 100 000 Euro.

 

Zum ersten Mal Kitas

 

Gestern durften erstmals Kindergartenkinder die wertvollen Instrumente ausprobieren. Das ist ab sofort neu. Denn in den fünf Jahren zuvor richtete sich das Angebot nur an Kinder ab dem Grundschulalter. Christoph Hornbach, Direktor der Musikschule Frankfurt, erläutert: „Auch Kindergartenkinder sind ab vier Jahren fähig, Instrumente selbst zu erfahren. Bei jüngeren Kindern müssten wir die Eltern mit einladen.“

 

Musik macht Spaß

 

Die sechs Mädchen und Jungen, zwei Erzieherinnen und zwei Pädogogen vom Kindergarten Eckenheim 303, die das Angebot gestern testeten, haben ihren Spaß. Auch wenn es eng zugeht im Bau des Lastwagens. Im Stuhlkreis sitzend hören sie aufmerksam den gestenreichen Erklärungen von Ulrike Winter zu. Dann darf Lena (6) als erste eine Geige spielen. Ihr Blick folgt fasziniert ihrer Hand, die Winter führt. Dann lässt die Pädagogin behutsam los, und Lena produziert die ersten eigenen melodischen Töne. „Das macht total Spaß“, ruft sie mit strahlenden Augen. Winter nickt der Erzieherin zu und sagt: „Unbedingt den Eltern Bescheid geben, sie hat Talent.“ Als nächstes ist Theodor von Ösen (6) an der Reihe. Bei seinem Versuch kratzt es deutlich öfter. Deshalb reicht ihm die 50 Jahre alte Musiklehrerin eine Gitarre. Nun zupft Teo deutlich glücklicher an den Seiten.

„Hochbegabungen haben wir zwar in der kurzen Zeit noch nicht entdeckt, aber ich kann immer sagen, welches Instrument dem Kind am Besten liegt“, sagt Winter. Tatsächlich berufen sich viele Kinder bei der Anmeldung an der Musikschule auf das Musikmobil. Ein weiterführender Unterricht kostet ungefähr so viel wie eine Mitgliedschaft im Sportverein. Der zweite Pädagoge Symeon Rizopoulos (32) aus dem Ostend liebt seine Arbeit mit den Kindern: „Die erste Begegnung der Kinder mit einem Instrument ist immer was ganz Besonderes. Diesen Moment vergisst ein Musiker sein ganzes Leben lang nicht.“

 

Auch in Offenbach

 

Seit vergangenem Jahr ist das Musikmobil auch in Offenbach unterwegs. Ungeachtet der großen Nachfrage wird das musikalische Projekt aber nicht weiter expandieren. „Trotz unserer zahlreichen Kooperationspartner wäre das Projekt ohne die Dr. Marschner Stiftung nicht möglich. In einem Jahr läuft allerdings die Finanzierung der Marschner Stiftung aus. Wie es dann weitergeht, ist noch unklar.“

Das stört Josua im Moment jedenfalls noch nicht. „Ich will noch Mal“, ruft er, nachdem er den Kontrabass spielen durfte. Damit dies weiterhin möglich ist, sind aber Spenden nötig.

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