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Initiativen in Rödelheim: Rassismus keine Chance geben

Von Rödelheim ist ein internationaler Stadtteil, der sich seit Jahren lautstark gegen Rassismus starkmacht. Dass das so bleibt, dafür sorgen gerade in Zeiten, in denen hier die Flüchtlingszahl wächst, Organisationen wie „Stadtteil gegen Rassismus“ oder „Willkommen in Rödelheim“.
Am Rödelheimer Ortseingang von Sossenheim kommend hängt seit kurzem auch eines der Schilder des Zusammenschlusses „Stadtteil gegen Rassismus“. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Am Rödelheimer Ortseingang von Sossenheim kommend hängt seit kurzem auch eines der Schilder des Zusammenschlusses „Stadtteil gegen Rassismus“.
Rödelheim. 

An das erste Schild, das er an einem Ortseingang des Stadtteils aufgehängt hat, erinnert sich Claus David gut: „Das war im Jahr 2012 am Hausener Weg.“ Seit vergangenem Herbst sind es ganze vier Schilder – eins in jeder Himmelsrichtung – die Rödelheim als „Stadtteil ohne Rassismus“ markieren und die Gruppierungen, die sich dafür einsetzen, dass diesem Titel Rechnung getragen wird, sind mehr geworden und eng vernetzt.

Mitglieder des Netzwerks

Zu dem Netzwerk gehören das Flüchtlingshilfenetzwerk „Willkommen in Rödelheim“ (WIR) sowie der Zusammenschluss „Stadtteil gegen Rassismus“. Letzterer setzt sich zusammen aus Vertretern des 1990 gegründeten Vereins „Courage gegen Rassismus“, der Cyriakusgemeinde, dem Förderverein der Stadtteilbibliothek (Förster) sowie Vertretern der „Farbechten“-Gruppierung, die auch David 15 Jahre im Ortsbeirat lange Zeit vertrat.

„Gerade bei den derzeitigen Entwicklungen hier im Stadtteil finde ich es auch wichtig, dass wir uns immer wieder Gehör verschaffen“, sagt Helga Dieter, Vorsitzende von „Courage“. Nach Informationen der Stadt leben derzeit sowohl unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge im Stadtteil, in einem ehemaligen Hotel sind zudem rund 120 Erwachsene untergebracht. Aktuell entsteht In der Au eine weitere Unterkunft, die rund 400 Menschen Platz bieten soll.

Dass dies nicht zum Problem im Stadtteil wird, darum wollen sich auch Vertreter von WIR kümmern: „In solchen Verhältnissen zu leben, wie sie in einer solchen Notsituation nötig sind, kann zu Problemen führen“, sehen Till Landzettel und Torsten Schulte vom Organisationsteam der Initiative ein. Darum forderte WIR in einem Schreiben an Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), die geplante Anzahl an Bewohnern von 500 zu verringern, notwendige Privatsphäre für die Bewohner sowie Gemeinschaftsräume und ausreichende Hygieneeinrichtungen zu schaffen und das Gelände mit WLAN zu versorgen. Derzeit sieht es so aus, als würden die Vorschläge vom Sozialdezernat auch tatsächlich umgesetzt.

Die Gruppe, die auch im Mai ein Willkommensfest für die neu eingezogenen Flüchtlinge feiern will, trifft sich regelmäßig mit den zahlreichen Ehrenamtlichen, die immer wieder helfen. „Wir bieten in Kooperation mit den Teachers on the Road Sprachkurse an, vermitteln Patenschaften, die beim Start in den Alltag helfen, sammeln und reparieren alte Fahrräder“, sagt Landzettel. „Und obwohl wir schon gut aufgestellt sind – auch durch die Unterstützung der Stadtteilinitiative – freuen wir uns über jeden Helfer, der noch dazukommt.“

Die Wahl macht Mut

„Was uns gerade besonderen Mut macht, sind auch die Wahlergebnisse aus Rödelheim, die entgegen anderen Trends in der Stadt eine klare Tendenz gegen rechts zeigen“, betont Dieter: „Die Befürchtung, dass gerade hier die Ergebnisse von AFD, BFF und Republikanern hoch werden würden, war da.“ Stattdessen erhielten die Farbechten und Linken fast 16 Prozent der Stimmen und wurden vor den Grünen drittstärkste Kraft. Auf die Republikaner fielen in der Ortsbeiratswahl fünf Prozent der Stimmen ab“, sagt David. Gerade in einem Stadtteil, in dem viele Flüchtlinge leben, beweise dies, dass die Worte, die an den Ortseingängen hängen, nicht nur leere Hüllen sind.

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