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Hygieneskandal in Frankfurt: Ratten-Bäckerei: Mayer-Filialen öffnen wieder

Von Die Bäckerei Mayer ist zu - und bleibt es vorläufig auch, nachdem Lebensmittelkontrolleure dort gravierende Hygieneverstöße feststellen mussten. Die Filialen hingegen ließ die vorläufige Insolvenzverwalterin Ulrike Hoge-Peters wieder öffnen.
Eine Ratte ist auf einem der Fotos zu sehen, die die Lebensmittelkontrolleure in der Bäckerei Mayer geschossen haben. Bilder > Foto: Ordnungsamt Frankfurt (Ordnungsamt Frankfurt) Eine Ratte ist auf einem der Fotos zu sehen, die die Lebensmittelkontrolleure in der Bäckerei Mayer geschossen haben.
Frankfurt. 

Eins ist klar: Wer in einer der 15 Filialen oder Franchise-Unternehmen der Frankfurter Großbäckerei Mayer Brot oder Brötchen kauft, erhält nichts aus den Backöfen Mayers in Rödelheim. Denn diese Öfen bleiben vorerst kalt. Am Montag hatte, wie berichtet, das Ordnungsamt die vorläufige Schließung der Bäckerei verhängt und die Backwaren vernichten lassen.

„Beanstandungen in den Filialen erfolgten nicht“, teilte die vorläufige Insolvenzverwalterin Ulrike Hoge-Peters mit. Schon gestern sollen die ersten Filialen wieder geöffnet haben – „in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt bei Fremdbelieferung“, so Hoge-Peters. Es gebe einige Interessenten für das angeschlagene Unternehmen, darunter auch Bäckereiunternehmen aus der Region Frankfurt. „Sie haben ein Interesse daran, dass der Filialbetrieb weitergeht“, sagte die Anwältin. Mehrere Filialen werden derzeit von der Bäckerei Schaan beliefert.

Studentenwerk war Kunde

Auch die Caféterien des Studentenwerks haben gestern wieder normalen Betrieb gehabt – bei leicht veränderten Angeboten. Das Studentenwerk war Kunde von Mayer. „Etwa 17 000 Stück Backwaren pro Woche“, sagte Katrin Wenzel, Sprecherin des Studentenwerks, „haben wir bezogen“ – bis Montag, als die Lieferung ausblieb. „Wir haben uns sofort mit Bäckereien in Verbindung gesetzt, um beliefert zu werden.“ Dies funktioniere inzwischen. Wenzel betont: „Wir werden nicht mehr bei Mayer kaufen.“ Beschwerden in der Vergangenheit über die Qualität der Backwaren seien ihr nicht zu Ohren gekommen.

 

Hausverbot für Kontrolleurin

 

Oliver Mayer, der Geschäftsführer der Bäckerei, hat am 9. April bereits selbst Insolvenz beantragt. „Ich habe einer bösartigen Dame vom Ordnungsamt Hausverbot erteilt und werde schikaniert“, sagte er. Die Fotos, die das Amt an die Presse weitergegeben habe, seien gar nicht alle in seiner Bäckerei entstanden. Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU), Jörg Bannach, der Leiter des Ordnungsamts, und Dr. Detlef Thiele, Leiter des Veterinärwesens, wiesen diesen Vorwurf in ihrer Pressekonferenz zurück, die sie gestern angesichts des Medienechos einberufen hatten. Erst am Montagabend habe Mayer auch einer Kontrolleurin Hausverbot erteilt. Jörg Bannach betonte: „Wir führen keinen Kleinkrieg und wir gehen auch nicht alleine rein. Es gibt Zeugen.“ Bei der fraglichen Kontrolle am Montag war sogar die vorgesetzte Behörde, das Regierungspräsidium, in Form einer Task Force dabei, die den Mitarbeitern der städtischen Lebensmittelkontrolle zur Hand gingen.

Ratten seien ohne Scheu vor Menschen in der Bäckerei herumgelaufen, zudem haben sich Insekten, deren Kot und Schimmel in der Bäckerei befunden. Die Ratten scheinen durch ein Loch in der Außenwand in die Backstube gelangen zu können, kritisierten die Vertreter der Stadt.

Insolvenzverwalterin Hoge-Peters, deren Aufgabe es ist, das Unternehmen mit seinen 130 Arbeitnehmern am Leben zu halten, sagte, sie warte auf die Mängelliste des Ordnungsamts, um dann jeden Punkt abzuarbeiten. Schädlingsbekämpfung und Grundreinigung, durch das Ordnungsamt bei der Verdachtskontrolle angeordnet, seien noch in der Nacht zu Dienstag beziehungsweise am Dienstag erfolgt. Markus Frank erkennt an: „Die Insolvenzverwalterin hat mich gleich am Montag angerufen. Das war hochanständig.“

 

Fünf Jahre auffällig

 

Ulrike Hoge-Peters hatte nach eigenen Aussagen keine Kenntnis davon, dass die Bäckerei Mayer bei den städtischen Lebensmittelkontrolleuren eine Art Dauerpatient ist und auch schon ein vierstelliges Bußgeld hat bezahlen müssen. Auch war das Unternehmen schon einmal im Jahr 2012 wegen Hygienemängeln geschlossen worden. Jörg Bannach sagte, die Firma sei seit mindestens fünf Jahren auffällig. Solche Betriebe werden mitunter monatlich von der städtischen Lebensmittelkontrolle aufgesucht.

„Die Branche ist in Aufruhr und unter Druck“, sagte Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten Rhein-Main (NGG). Seit Aldi und Lidl ebenfalls frische Backwaren anböten, habe sich der Wettbewerb unter den Bäckereien drastisch verschärft. Hygienemängel stellten sich laut Cox bei Unternehmen ein, die den Überblick verloren haben. „Es ist ein Zeichen, dass das Management überfordert ist“, erklärte Cox. Großbäckereien hätten teilweise im Kampf um die besten Plätze für ihre Filialen zu hohe Mieten bezahlt. Mayer hatte 2012 eine erste Insolvenz überstanden und Ende 2013 seine Anteile an der Kette „Maison du Pain“ an Bernd Steiner verkauft. Wenige Wochen später kaufte er die Traditionsbäckerei Geishecker.

Steiner, Geschäftsführer von „Maison Du Pain“, distanziert sich von den Missständen, die jetzt in der Bäckerei Mayer aufgedeckt wurden. „Unmittelbar nach der Übernahme wurden sämtliche Geschäftsbeziehungen zur damaligen Eigentümerin und Betreiberin Bäckerei Mayer eingestellt. Laut Steiner stammten die im MMaison du Pain angebotenen Waren von einem regionalen Lieferanten.

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