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Bahn nimmt neuen Abzweig: Regionaltangente nicht zum Nordwestzentrum - sondern nach Bad Soden

Von Für die seit Jahrzehnten geplante Regionaltangente West ist eine veränderte Linienführung vorgesehen. Ein neuer Endpunkt der Schienenverbindung soll in Bad Soden liegen. Innerhalb Frankfurts bleibt die Verlängerung der Strecke zum Nordwestzentrum weiter eine Option.
Frankfurt. 

Lange schien der Verlauf der beiden im Halbstundentakt verkehrenden Linien der Regionaltangente West (RTW) klar zu sein: Von Neu-Isenburg und Dreieich-Buchschlag im Süden sollten die Züge über den Flughafen, Höchst und Eschborn zum Nordwestzentrum in Frankfurt und nach Bad Homburg fahren. Das Nordwestzentrum ist schon vor geraumer Zeit als Endpunkt ausgeschieden, da für diese Trassenführung ein teurer Tunnel unter der Europäischen Schule gebaut werden müsste. Die Züge sollen deshalb im Praunheimer Gewerbegebiet enden.

Weitere Änderungen

Das ist aber nicht die einzige Änderung an den Plänen, wenn im kommenden Jahr das Planfeststellungsverfahren für die drei Teilabschnitte eingeleitet wird. Als zusätzlicher Endpunkt ist Bad Soden vorgesehen. Diese Idee geht auf Klaus Oesterling zurück, der sie vor gut zwei Jahren als verkehrspolitischer Sprecher der SPD im Römer ins Gespräch gebracht hatte. Heute ist er Verkehrsdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender der RTW-Planungsgesellschaft – und hat damit mehr Möglichkeiten, seine Vorstellungen durchzusetzen.

Tangente für 380 Millionen Euro

Die Regionaltangente West wurde als erste Schnellbahnverbindung im Raum Frankfurt konzipiert, die nicht durch die Innenstadt führt.

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Im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte Oesterling seine Überlegungen: Da die RTW nicht wie ursprünglich bis zum stark frequentierten Nordwestzentrum fährt, sei zu erwarten, dass dieser Linienast weniger stark ausgelastet ist als der nach Bad Homburg. Deshalb habe man sich überlegt, die zweiteiligen Triebwagen in Sossenheim zu trennen: Ein Zugteil fährt zum Gewerbegebiet Praunheim, der andere auf der bestehenden Bahnstrecke nach Bad Soden. Diese ist seit 1979 elektrifiziert und war bis 1997 Bestandteil des S-Bahn-Netzes, wird heute aber nur von Dieselzügen des Hessischen Landesbahn befahren. Durch die Integration in die RTW entsteht eine direkte Verbindung von Bad Soden zum Flughafen im Halbstundentakt. „Das ist ein Riesengewinn für Bad Soden“, ist der Frankfurter Verkehrsdezernent überzeugt.

Vorübergehende Lösung

Der andere Endpunkt im Praunheimer Gewerbegebiet ist laut Oesterling nur eine vorübergehende Lösung. Damit die Fahrgäste aber auf jeden Fall Anschluss haben in Richtung Innenstadt, wurde die Verlängerung der U 6 von der Heerstraße bis zur RTW-Station in das Planfeststellungsverfahren aufgenommen. „Für sich genommen wäre das Projekt nicht rentabel“, sagte er.

Oesterling hofft, dass die Verlängerung zum Nordwestzentrum später doch noch realisiert werden kann. Dafür gebe es auch eine Mehrheit in der schwarz-rot-grünen Koalition. „Möglicherweise gibt es eine andere Lösung für die Europäische Schule.“ Von der zwischenzeitlich diskutierten Variante, die RTW entlang der Autobahn bis nach Niederursel zu führen und dort enden zu lassen, hält der Verkehrsdezernent nichts. Denn dann müssten die Fahrgäste, die ins Nordwestzentrum wollen, umsteigen. Allerdings hält es Oesterling für möglich, dass sich in einigen Jahren die Situation noch einmal ändere. Etwa, wenn westlich der A 5 in Richtung Steinbach ein neues Baugebiet entstehen sollte. Dann könnte auch eine vor Jahren schon zu den Akten gelegte Verlängerung der U 6 in die Nachbarstadt wieder interessant werden.

Auch am anderen Ende der RTW in Neu-Isenburg könnte es noch zu Veränderungen kommen. Eine Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass Isenburg-Zentrum, die bisher vorgesehene Endstation, nicht der Schluss sein muss. Eine Verlängerung bis ins Gewerbegebiet Ost wäre durchaus möglich.

Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Oesterling rechnet damit, dass das Planfeststellungsverfahren zwei bis drei Jahre dauern wird.

Das heißt: Baubeginn ist frühestens 2021/22. Für den Verkehrsdezernenten wäre das ein günstiges Zeitfenster: „Bis dahin sind andere große Projekte wie der Ausbau der S-Bahn nach Bad Vilbel und die U-Bahn ins Europaviertel abgeschlossen.“ Offen ist allerdings, wie hoch dann die Investitionskosten sein werden. Die letzte Schätzung liegt bei etwa 380 Millionen Euro und ist schon ein paar Jahre alt. Billiger wird’s seitdem kaum geworden sein. Oesterling ist dennoch zuversichtlich: „Es sah noch nie so gut aus wie heute.“ Das liege auch daran, dass alle beteiligten Städte und Kreise an einem Strang ziehen.

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