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Reichlich Lesestoff für Luppe-Schüler

Die Hermann-Luppe-Schüler freuen sich über neuen Lesestoff: Der Verein "Bildungspaten" hat ihnen 100 Bücher geschenkt – frisch von der Buchmesse.
Sind begeistert von den neuen Büchern: Cathy, Justine, Nicole, Leon und Kiyan (v. l.) haben es sich in der Bibliothek bequem gemacht.	Foto: Kaiser Sind begeistert von den neuen Büchern: Cathy, Justine, Nicole, Leon und Kiyan (v. l.) haben es sich in der Bibliothek bequem gemacht. Foto: Kaiser
Praunheim. 

Kiyan ist in seinem Buch versunken. Still sitzt der Zehnjährige auf dem orangefarbenen Teppichboden der Bücherei in der Hermann-Luppe-Schule, vor sich ein großes Tierlexikon. Die Augen hinter seinen schmalen Brillengläsern huschen über die Textblöcke, bleiben an den Zeichnungen hängen. "Das ist schon jetzt mein Lieblingsbuch", verkündet er. Eine schnelle Entscheidung angesichts der Auswahl, über die sich die Kinder seit gestern freuen können: Der Verein "Bildungspaten" hat der Schulbibliothek 100 nagelneue Bücher geschenkt – alles Neuerscheinungen.

350 Medien

In fünf großen Kartons haben Tim Barkow und Jan Pfefferle vom Vereinsvorstand die kostbare Lesefracht herangekarrt. "Die Bücher sind Spenden von Verlagen, die auf der Buchmesse ausgestellt haben", erläutert Barkow und beobachtet lächelnd, wie Kiyan und seine Mitschüler es sich mit einer Lektüren in den bunten Sitzsäcken gemütlich machen. "Wir und unsere Helfer sprechen die Standbetreiber an und bitten darum, die Ausstellungsstücke mitnehmen zu dürfen, um sie an Schulen zu verteilen. Auf dieser Weise haben wir in sieben Jahren 20 000 Bücher zusammenbekommen."

Bibliotheksleiterin Antje Ließmann ist begeistert von der Aufstockung: "Jetzt haben wir 350 Medien", freut sie sich und betrachtet den Bücherstapel. "Es sind viele Sachbücher dabei – die fragen unsere Schüler am meisten nach." Auch ein paar Werke, die sich vor allem an Mädchen richten, steckten in den Kartons. Eine gute Nachricht für Cathy und Nicole: Die beiden Zehnjährigen sind die einzigen Mädchen auf der kleinen Schule. "Deswegen hat es sich bisher kaum gelohnt, entsprechende Lektüre zu bestellen", sagt Ließmann.

Die Hermann-Luppe-Schule ist keine gewöhnliche Einrichtung. Nur 60 Kinder lernen hier, viele von ihnen sind verhaltensauffällig, schwer erziehbar, haben Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich. In kleinen Gruppen versuchen die Lehrer, sie wieder an einen normalen Unterricht zu gewöhnen. "Wir haben keine Lobby wie etwa Schulen, die sich um behinderte Kinder kümmern", gibt Schulleiter Klaus Petersen zu bedenken. "Deswegen sind wir froh über Spenden."

Ort der Ruhe

Vor einem Jahr wurde die Schulbibliothek eröffnet. Gemütlich ist es hier: Buchholzregale, Bilder an den Wänden. Wer hinein will, muss seine Straßenschuhe ausziehen. "Es ist ein Ort der Ruhe, den viele Kinder sehr gern nutzen", sagt Ließmann. "Wir haben zehn bis 15 Ausleihen in der Woche. Das ist angesichts der niedrigen Schülerzahl recht viel."

Leseförderung haben sich auch die "Bildungspaten" auf die Fahne geschrieben, betont Tim Barkow. Vor acht Jahren wurde der Verein gegründet, um Kindern das Lernen zu erleichtern. "Nach einer Studie bekommen Kinder aus bildungsnahen Schichten in den ersten sechs Jahren durchschnittlich 1800 Stunden vorgelesen. Eltern aus bildungsfernen Schichten nehmen sich dafür nur 60 Stunden Zeit. Wir möchten dazu beitragen, dass alle Kinder öfter zum Buch greifen."jro

(jro)
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