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Am Frankfurter Flughafen: Rentner schmuggelte Kokain

Von Weil ein 72-jähriger Rentner rund zehn Kilogramm Kokain vom brasilianischen São Paulo ins chinesische Peking schmuggeln wollte und am Frankfurter Flughafen aufflog, hat ihn das Landgericht Frankfurt zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Die Richter berücksichtigten das Alter des Mannes und dessen Gesundheitszustand.
Kokain (Symbolbild) Kokain (Symbolbild)
Frankurt. 

Der Rentner war im Oktober vergangenen Jahres auf dem Frankfurter Flughafen gelandet und wollte mit seinem Gepäck weiter nach China reisen. Die Zollbeamten aber nahmen den Koffer erst einmal genauer unter die Lupe – sind doch Gepäckstücke aus Süd- und Mittelamerika bei den Fahndern besonders „beliebt“. Und auch bei diesem älteren Mann mit den langen, schlohweißen Haaren war die Kontrolle von Erfolg beschieden. In den unterschiedlichsten Tütchen und Töpfchen fanden sich insgesamt rund zwölf Kilogramm Kokaingemisch, also rund zehn Kilogramm reines Rauschgift – ein solcher Fund ist selten.

Unglaubwürdige Story

Der Rentner kam in Untersuchungshaft, weil er eine äußerst unglaubwürdige Geschichte erzählte. Ein Mann namens „Coffie“ aus Ghana (Afrika) habe ihm den Koffer übergeben, darin befänden sich Chemikalien zur Reinigung verschmutzter Dollarnoten. Und weil die Scheine nach dieser Behandlung wieder im Zahlungsverkehr eingesetzt werden könnten, könne er fürstliche fünf Millionen Dollar als Honorar für den Transport einstreichen. Vom Kokain habe er nichts gewusst. Während der Gepäckkontrolle sei er dann auch aus allen Wolken gefallen...

Zumindest teilweise hielten dies die Richter des Landgerichts für durchaus möglich. Doch selbst wenn der Senior tatsächlich davon ausgegangen sei, dass sich im anvertrauten Gepäck lediglich Chemikalien befänden, hätte er doch im tiefsten Innersten Zweifel an den Angaben seines Auftraggebers haben müssen und damit einen „bedingten Tatvorsatz“ gehabt, so Vorsitzender Richter Klaus Drescher. Er befasste sich seit Ende September mit dem Fall.

Milde Strafe wegen Alters

Wie aber soll man nun einen offensichtlich gesundheitlich angegriffenen, betagten Angeklagten verurteilen? Dass bereits aufgrund der sehr großen Menge geschmuggelten Rauschgifts eine fühlbare Strafe herauskommen musste, war dem Gericht und der Staatsanwaltschaft klar. In vergleichbaren Fällen mit jüngeren und gesünderen Angeklagten hatte man auch schon einmal Verurteilungen zu acht oder neun Jahren Haft erlebt. Dann aber hätte ein kranker Mann von derzeit 72 Jahren wohl kaum eine Chance, seinen Lebensabend noch in Freiheit zu erleben. Gerade darauf aber kam es dem Bundesverfassungsgericht in einem Grundsatzurteil an, mit dem Gerichte bei der Strafzumessung bei älteren oder kranken Angeklagten auf diesen Aspekt hingewiesen wurden.

Der Rentner jedenfalls, der sich bereits im Sommer wegen dieser Tat vor Gericht verantworten musste, damals jedoch noch einmal genauer begutachtet wurde, profitierte jetzt mit einer milden Haftstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Dies sei unter Berücksichtigung der besonderen Umstände „tat- und schuldangemessen“, hieß es. Auch die Staatsanwaltschaft hatte in diesem Sinne plädiert.

Noch nicht rechtskräftig

Ob das Urteil jedoch tatsächlich rechtskräftig wird, ist derzeit noch unklar: Die Verteidigung, die sich gegen eine Verurteilung ihres Mandanten gestemmt hatte, wird voraussichtlich Rechtsmittel beim Bundesgerichtshof einlegen.

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