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Innenstadt: Richtfest: Hunderte wollen Frankfurts neue Altstadt sehen

Von Begleitet von einem großen Interesse der Öffentlichkeit wurde am Wochenende das Richtfest für die neue Altstadt gefeiert. Erstmals konnten sich Bürger ein Bild davon machen, wie die Gassen zwischen Dom und Römerberg wirken.
Vor zahlreichen geladenen Gästen wurde der Richtkranz an einem Kran nach oben gezogen. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (.) Vor zahlreichen geladenen Gästen wurde der Richtkranz an einem Kran nach oben gezogen.
Frankfurt. 

Der Andrang ist enorm. An der Schirn hat sich am Samstagmittag eine Lange Schlange von Menschen gebildet, die alle zum Richtfest für die neue Altstadt wollen. Wer keine Einladung hat, muss draußen bleiben – Sicherheitsauflage der Polizei. Pech hat deshalb auch der ehemalige Frankfurter, der am Morgen extra mit dem Flugzeug aus Berlin angereist ist. Er hatte in einer Hauptstadt-Zeitung vom Richtfest gelesen – und spontan entschieden, sich selbst ein Bild davon zu machen, wie sich die Stadt verändert hat.

Für die breite Öffentlichkeit wird der Krönungsweg, auf dem einst die frisch gewählten Kaiser vom Römer in den Dom zogen, erst am Nachmittag geöffnet. Eine Besichtigung ist allerdings nur mit Führung möglich, und auch dafür ist der Andrang größer als erwartet. Mehr als 800 Interessierte haben sich bei der städtischen Dom-Römer GmbH angemeldet. Deshalb wird entschieden, das Führungsprogramm auf den Sonntag auszuweiten.

Petra Roth zieht ein

Zum offiziellen Teil sind Planer und Politiker geladen, aber auch die künftigen Bewohner der Altstadt. Zu ihnen zählt das Ehepaar Warnecke aus Oberursel-Oberstedten. Die beiden haben eine geräumige Wohnung im Haus Schildknecht direkt am Hühnermarkt gekauft. Dort wollen sie in zehn Jahren einziehen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. „Wir wollen zentral wohnen, das bekommt man sonst nirgends“, sagt Ilka Warnecke. Die Wohnung im obersten Stockwerk sei auch schön hell – von dunkler Altstadt keine Spur. Die Gastronomie am Hühnermarkt stört die beiden nicht. „Dafür haben wir keinen Straßenlärm.“

Bilderstrecke Großer Andrang beim Richtfest für die neue Altstadt
Richtfest der "neuen" Altstadt durch Oberbürgermeister Peter Feldmann, aufgenommen am Samstag (15.10.2016) in Frankfurt am Main. HIER IM BILD: Vor dem Richtkranz zu sehen sind Uwe Becker, Petra Roth, Mike Josef  und Peter Feldmann (v.l.).Viele neugierige Besucher strömten zum Richtfest für die neue Frankfurter Altstadt am 15. Oktober 2016.Viele neugierige Besucher strömten zum Richtfest für die neue Frankfurter Altstadt am 15. Oktober 2016.

Auch Prominente werden in die neue Altstadt ziehen. Eine von ihnen ist die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Sie hat sich eine 70 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung im Haus „Klein Nürnberg“ in der Gasse „Hinter dem Lämmchen“ gekauft. Von den sieben Fenstern aus sehe sie den Dom, schwärmt sie. Das Haus wird zwar so aussehen wie der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Vorgängerbau, verfügt aber über modernen Komfort wie einen Aufzug und ist damit auch altersgerecht.

Ganz originalgetreu ist der Nachbau deshalb nicht. „Leider können wir nicht wie unserer Vorfahren bauen“, sagt der Architekt DW Dreysse, der für zwei Rekonstruktionen verantwortlich ist. Knarrende Dielenböden werde es nicht geben, und Sandstein dürfe nicht als tragendes Bauelement eingesetzt werden. Wie nah am Original die insgesamt 15 Rekonstruktionen sind, darüber gehen die Meinungen unter Fachleuten auseinander. Viele Details sind beim Richtfest nicht zu sehen, die meisten Häuser sind noch eingerüstet, das Fachwerk größtenteils verputzt.

„Kein Disneyland“

Einer, der sich von Anfang an für eine größtmögliche historische Genauigkeit eingesetzt hat, ist der Offenbacher Bauingenieur Dominik Mangelmann. Er hat den Architekten zahlreiche Hinweise zur Holzkonstruktion zugegeben – Planungsdezernent Mike Josef (SPD) würdigt in seiner Rede zum Richtfest dieses Engagement ausdrücklich.

Josef stellt aber auch die Einmaligkeit des Dom-Römer-Projekts heraus und weist Forderungen zurück, jetzt weitere Gebäude zu rekonstruieren. Damit, so sein Argument, würde das Besondere der Altstadt letztlich nur entwertet. Dass hier ein authentisches Quartier entstehe, betont Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH: „Das hat nichts mit Fake oder Disneyland zu tun.“ 2018 wird man sich davon überzeugen können. Dann wird die Altstadt mit einem Bürgerfest eingeweiht.

Das Areal in Zahlen

Rund 7000 Quadratmeter groß ist das Grundstück zwischen Dom und Römerberg, das mit insgesamt 35 Häusern bebaut wird. 15 davon werden nach historischem Vorbild rekonstruiert, für 20 gibt es einen zeitgenössischen Architekten-Entwurf. In 80 Wohnungen werden bis zu 200 Menschen ein Zuhause finden. In den Erdgeschossen gibt es rund 30 Flächen für Gastronomie und Einzelhandel. Fest steht zum Beispiel, dass es eine Apotheke oder eine Niederlassung der Höchster Porzellanmanufaktur geben wird. Drei Museen werden in Altstadthäuser ziehen: Das Struwwelpeter-Museum belegt zwei rekonstruierte Häuser, das Historische Museum zeigt in der „Goldenen Waage“ eine typische Bürgerwohnung des 17. Jahrhunderts. Dort findet auch das Stoltze-Museum eine neue Heimat. Über eine Ausstellungsfläche für Dom- und Ikonenmuseum im Stadthaus über dem Archäologischen Garten wird noch diskutiert. Insgesamt kostet das Projekt rund 186 Millionen Euro. mu

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