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Baustelle in Frankfurt: Riederwaldtunnel: Noch kein Plan für Lärmschutz

Von Wenn die Bauarbeiten für den Riederwaldtunnel beginnen, wirds laut für die Nachbarn. Diese fordern seit Monaten ein Lärmschutzkonzept. Hessen Mobil hat allerdings noch keines vorgelegt.
Bei den Arbeiten nahe der künftigen Tunnelbaustelle kommt schweres Gerät zum Einsatz. Foto: Heike Lyding Bei den Arbeiten nahe der künftigen Tunnelbaustelle kommt schweres Gerät zum Einsatz.
Frankfurt. 

Als im Herbst 2013 die ersten Proberammungen für den Bau des Riederwaldtunnels begannen, flammte im Quartier heftiger Protest auf. Mit Lärmmessungen wies die Bürgerinitiative (BI) Riederwald nach: Die gesetzlichen Grenzwerte werden in der Nachbarschaft der künftigen Baustelle erheblich überschritten. Bis auf mehr als 90 Dezibel kletterte das Messgerät. Sogar der Krach eines Presslufthammers wurde überschritten. Ein Schutzkonzept für die Anwohner müsse her, betonte die BI seitdem immer wieder.

Für Hessen Mobil, die Straßenbaubehörde des Landes, ist der Baulärm bei der Planung des 320-Millionen-Euro-Projekts allerdings nur einer von vielen Aspekten. Das hebt Bauleiter Jürgen Semmler hervor. Erst im Sommer werde den Riederwäldern ein Lärmschutzkonzept präsentiert, sagt er, denn. „Wir müssen den Lärm im Gesamtkontext der Baustelle betrachten. Wir können nicht einfach ein Messgerät an eine Maschine halten und dann sagen: Es ist zu laut.“

Semmler leitet das Dezernat Riederwald, das bei Hessen Mobil extra für das Großprojekt geschaffen wurde. Nach Jahrzehnten der Planung – die Idee, die von Wiesbaden nach Fulda führende A 66 am Riederwald vorbei zu bauen, entstand schon Mitte der 1950er Jahre – rollen seit Januar 2013 die Bagger. Zunächst wurden Leitungen und Kanäle umgelegt.

Am Untermain wartet man auf den Tunnel

Der geplante Riederwaldtunnel wäre für die Pendler aus dem Untermaingebiet eine große Hilfe. Wie die Kollegen der Tageszeitung „Bote vom Untermain“, einer Regionalausgabe des „Main-Echo“,

clearing

Seit Dezember 2013 entsteht das Autobahndreieck Erlenbruch, das die A 661 an den Riederwaldtunnel anbinden soll. Der Tunnel wird ab 2016 gebaut, in drei großen Abschnitten bis 2022. Es entstehen 3,64 Kilometer neuer Autobahn, davon 1,1 Kilometer im Tunnel. 1,1 Millionen Kubikmeter Erde sollen bewegt, 43 000 Tonnen Stahl und mehr als 300 000 Kubikmeter Beton verbaut werden.

„Zurzeit bereiten wir die Tunnelbaustelle vor“, berichtet Semmler. Im Hinblick auf den Baulärm sei viel zu beachten. Etwa der Lärm der Maschinen, die auf der Baustelle eingesetzt werden – Lastwagen, Kreissägen, Bagger und so weiter. „Und es wird ja nicht immer an derselben Stelle gearbeitet. Mal ist während der langen Bauzeit der Lärm für ein Haus ganz nah, mal weiter weg.“

Aber auch das Verfahren, mit dem die 22 Meter tiefen Baugruben vor dem Einsturz gesichert werden, sei Gegenstand der Vorbereitungen. Unter anderem sollen Spundwände in den Boden gerammt werden.

 

„Ungenügende Maßnahmen“

 

Die BI Riederwald kritisierte schon mehrfach, dass sich Hessen Mobil mit Blick auf das lärmintensive Verfahren viel zu wenig Mühe gebe. Zwar lobte Rainer Fray, Sprecher der BI, dass die Landesbehörde Feldversuche gemacht habe. Die erprobten Maßnahmen zur Lärmminderung seien aber ungenügend. Es gebe bessere Maßnahmen, hatte Hinrich Rottmann, Tunnelbauexperte der BI, bereits 2013 betont. Es könnten einerseits bessere und höhere Lärmschutzwände eingesetzt werden, andererseits aber auch leisere und besser gedämmte Maschinen.

 

Verschiedene Aspekte

 

Solche Kritik weist Semmler zurück. „Während die BI sich auf den Baulärm konzentrieren kann, müssen wir beim Erstellen der Baugrube verschiedene Aspekte berücksichtigen.“ Zunächst sei der Untergrund von Geologen untersucht worden. Außer der Bodenbeschaffenheit hätten diese auch die Grundwasserflüsse und -pegel in den Blick genommen. „Wir müssen sicherstellen, dass wir die Gruben so einrichten, dass sie auch halten.“

Das Grundwasser drücke zum Beispiel auf die Spundwände, die die Baugruben vor dem Einsturz bewahren sollen, erklärt Heiko Schmitt, Leiter des Planungsteams. „Das Wasser versucht auch, in die Gruben einzudringen. Dabei dürfen die Spundwände nicht nachgeben.“ Dem werde mit Hilfe statischer Berechnungen vorgebeugt. Wie die Wände beschaffen seien und wie tief sie in den Boden eingebracht würden, hänge vom Untergrund ab. Ebenso das Verfahren, mit dem die Spundwände in den Boden eingebracht werden.

Hessen Mobil prüfe mehr Verfahren, als im Riederwald ausprobiert wurden, erklärt Schmitt. „Unlängst waren wir etwa auf einer Baustelle bei Düsseldorf, um uns eine neue Technik anzuschauen.“ Die für Hessen Mobil maßgebliche Vorschrift, die Allgemeine Verwaltungsvorschrift (AVV) Baulärm, schreibe vor, dass nach dem aktuellen Stand der Technik zu planen sei. Dort seien auch die einzuhaltenden Richtwerte festgelegt.

 

Beste Lösung

 

Als Bauherr im Auftrag des Bundes sei Hessen Mobil verpflichtet, gesetzliche Vorgaben zum Baulärm einzuhalten, sagt Semmler. „Das werden wir auch tun, die Anwohner haben darauf ein Recht.“ Außer Aspekten wie dem Lärm, der Standsicherheit der Baugrube oder dem Grundwasser müssten aber auch die Kosten der eingesetzten Verfahren berücksichtigt werden, sagt Semmler. „Wir brauchen eine Schnittmenge, die aus allen Faktoren die beste Lösung ergibt.“

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