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Hells Angels in Frankfurt: Rocker-Gangs kämpfen um Vorherrschaft

Von Nach der Hells-Angels-Schießerei im Bankenviertel haben die Rocker ihren für Samstag angekündigten Motorradkorso abgesagt. Hintergrund des blutigen Streits am Mittwochabend soll eine Fehde zwischen Frankfurter Höllenengeln und einem ehemaligen Mitstreiter gewesen sein.
Der Motorradkorso der Hells Angels wurde abgesagt. Foto: dpa Der Motorradkorso der Hells Angels wurde abgesagt. Foto: dpa
Frankfurt. 

Bei ihrem „8. City Run“ wollten Rocker der Hells Angels heute eigentlich auf schweren Maschinen durch Frankfurt donnern und gegen das Verbot von Motorradclubs demonstrieren. Am Donnerstagabend haben die Höllenengel ihren für 500 Teilnehmer angemeldeten Korso und das anschließende Grillfest in Fechenheim aber mit einer E-Mail an das Frankfurter Ordnungsamt abgesagt.

Damit kamen die Rocker dem Veranstaltungsverbot zuvor, das Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) nach der Schießerei zwischen Hells Angels aus Frankfurt und Gießen angekündigt hatte. Anwalt Michael Karthal, der die Rocker in verwaltungsrechtlichen Angelegenheiten vertritt, nannte die Absage einen diplomatisch richtigen Schritt. Aus Sicherheitskreisen war zu hören, dass die Polizei heute trotzdem zusätzliche Beamte vorhalten wird, um ein Aufeinandertreffen verfeindeter Rocker zu verhindern.

Grund für die Absage des „City Run“ dürfte nicht die Scheu vor einer juristischen Auseinandersetzung mit der Stadt, sondern die blutige Auseinandersetzung mit fünf Verletzten am Mittwochabend gewesen sein. Wie berichtet, waren dabei mehrere Schüsse abgegeben und vier Menschen von je einer Kugel verletzt worden. Einer von ihnen: der Gießener Aygün M. Das Landeskriminalamt hat inzwischen die Einsatz- und Ermittlungsführung übernommen.

Die „Bild“-Zeitung will erfahren haben, dass Aygün M., ein ehemaliges Mitglied des einst mächtigen Hells-Angels-Charters Westend, am Mittwoch einen Anschlag auf dessen Chef Walter B. verüben wollte. B., der auch „Schnitzel-Walter“ genannt wird, habe M. verboten, ein eigenes Charter, also einen eigenen Club in Gießen zu gründen. Nachdem der Türke M. eine Runde deutscher Hells-Angels-Bosse beschimpft habe, seien seiner Firma die Überwachungsaufträge für mehrere Bordelle gekündigt worden. Deshalb sei er mit seinen Unterstützern nach Frankfurt gekommen, um Rache zu nehmen.

Verstoßenes Mitglied

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft wollte diese Darstellung unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen weder bestätigen noch dementieren. Aus Rockerkreisen hieß es jedoch, dass die „Bild“-Informationen weitgehend stimmen. Von einem „Überfall“ auf Walter B. könne zwar keine Rede sein, weil dieser überhaupt nicht am Tatort gewesen sei. Dass Aygün M. und seine Leute im Bankenviertel „nicht sprechen, sondern ein Exempel statuieren“ wollten, liege aber auf der Hand.

Mit Aygün M. wolle man in Frankfurt nichts mehr zu schaffen haben. „Er hat Dinge getan, die man nicht tut. Jetzt müssen wir wohl damit leben, dass wir eine falsche Person aufgenommen haben.“ Die Eskalation im Bankenviertel ärgere viele Hells Angels des 2011 verbotenen Charters Westend. Die wegen des Verbots eingelegte Verfassungsbeschwerde habe nun wahrscheinlich keine Aussicht auf Erfolg mehr. „Jetzt werden wir wohl verboten bleiben.“

Aus Sicherheitskreisen hieß es gestern, dass die Hells Angels um Aygün M. versuchen, ihren Einfluss auszudehnen. Während „Schnitzel-Walter“ für das traditionelle, deutsche Lager der Rockergruppe stehe, repräsentiere der Türke das aufstrebende, migrantische Lager. Der Kampf um die Vorherrschaft spiele über Hessens Grenzen hinaus eine Rolle. Viele Hells Angels türkischer Abstammung orientierten sich nicht mehr an den deutschen Hierarchien, sondern an denen in der Türkei.

In Polizeikreisen wurde Sorge über das Ausmaß der Gewalt im Bankenviertel geäußert. Handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen Rockern seien keine Seltenheit, dass gleich eine Schusswaffe gezogen werde, spreche aber für einen sehr heftigen Konflikt. Derzeit sei davon auszugehen, dass die Kugeln vor allem oder ausschließlich aus dem Kreis der Frankfurter Rocker abgegeben wurden. Die Schussverletzten gehörten nämlich zum anderen Lager.

Bewachte Uniklinik

Inzwischen sind auch die Sicherheitsvorkehrungen an der Uniklinik erhöht worden. Dort liegt Aygün M. Auch in der Nacht zum Freitag war dort ein größeres Polizeiaufgebot stationiert. Dem Vernehmen nach wird mit einer baldigen Entlassung des Türken gerechnet.

Die Hells Angels werden immer wieder mit Straftaten wie Schutzgelderpressung, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel in Verbindung gebracht. Im Frankfurter Rotlichtviertel sind Mitglieder der Gruppe unter anderem als Bordellbetreiber, Wirtschafter oder Türsteher tätig.

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