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Stadtteil-Serie (Teil 21): Rödelheim, ein Ort mit Geschichte

In unserer Stadtteil-Serie haben wir in dieser Woche Rödelheim unter die Lupe genommen. Die einstige eigenständige Stadt wurde im Jahr 1910 eingemeindet. Eine Fotoreportage.
Petrihaus Foto: Ben Kilb Petrihaus
Rödelheim. 

Rund 18 000 Menschen leben in Rödelheim – viele davon müssen zur Arbeit nicht weit pendeln, sie haben direkt im Stadtteil eine Beschäftigung gefunden. Denn vor allem der Westen Rödelheims ist geprägt von großindustriellen Betrieben. Neben der 136 Jahre alten Apfelweinkelterei Possmann haben dort der Autoteilehersteller Continental Teves und der Druckmaterialhersteller Flint Produktionsstätten. Doch es gibt auch Orte der Ruhe wie den Brentanopark und den Solmspark. Mit der Radilostraße gibt es sogar eine belebte Einkaufsmeile, deren Manko allerdings eine etwas monotone Ladenstruktur ist.

Im Stadion am Brentanobad – welches eines der beliebtesten Freibäder in Frankfurt ist – kicken die Spielgemeinschaft Rot-Weiß Frankfurt sowie der Frauenfußballverein 1. FFC Frankfurt. Einst war Rödelheim eine eigenständige Stadt – allerdings nur ein Vierteljahrhundert. Denn mit der Eingemeindung im Jahr 1910 war der 1885 verliehene Status hinfällig. Seinen Namen verdankt der Ort übrigens dem Bauern Radilo, der während der ersten urkundlichen Erwähnung Rödelheims im Lorscher Kodex im Jahr 788 dort gelebt und Ackerbau betrieben haben soll.

Zwischen 1792 und 1800 tobten die Koalitionskriege, doch wenn Frankfurts berühmtester Sohn sich in Rödelheim niederließ, herrschte Frieden: Johann Wolfgang von Goethe stattete dem Ort mehrere Besuche ab und kam dabei im Petrihaus im Brentanopark unter, den der Stadtteil dem Großunternehmer Georg Brentano verdankt. Seine Name ist noch heute allgegenwärtig. Ob solche Würden auch Moses Pelham und Sabrina Setlur zu Teil werden, bleibt abzuwarten. Die Rapper machten den Stadtteil in den 90er-Jahren in der ganzen Republik bekannt. Aufmerksamkeit erregt auch das von Autonomen seit 1983 besetzte Haus in der Au – das am längsten besetzte Haus in Deutschland.Ein Dauerthema im Stadtteil ist der Umbau des Bahnhofs und der angrenzenden Plätze sowie der Bau von Wohnhäusern. Hier sind die Rödelheimer seit Jahren in ihrer Mobilität eingeschränkt. FNP-Reporter Ben Kilb hat sich im Stadtteil umgeschaut.

Besetzte Villa

Was von außen wirkt wie ein Spukschloss, ist das am längsten besetzte Haus in Deutschland. Seit 34 Jahren ist die „Au“ in der gleichnamigen Straße ein linksautonomes Wohnprojekt.

Das Haus im Rödelheimer Westen gehörte ursprünglich der Deutschen Bibliothek, stand in den achtziger Jahren aber leer. Dann besetzten Linksalternative die Villa. 1988 kaufte die Stadt Frankfurt das Haus für 4,3 Millionen Mark und duldet seitdem mehr oder weniger die Autonomen.

Baustelle Bahnhof

Im Mai dieses Jahres hat der Bau der Bushaltestelle und des neuen Arthur-Stern-Platzes begonnen. Der neue Stadtplatz an der Unterführung in Richtung Bahnhof-Ostseite wird barrierefrei ausgebaut und soll künftig Aushängeschild und Entree für Rödelheim-West sein.

Deutschland, Frankfurt-Rödelheim, 16. November:Seit vergangenem Mai laufen die Arbeiten an der Bushaltestelle und dem neuen Arthur-Stern-Platz am Bahnhof in Rödelheim. Der neue Stadtplatz an der Unterführung in Richtung Ostseite des Bahnhofs wird dabei barrierefrei ausgebaut und soll künftig Aushängeschild und Entree für Rödelheim-West sein. An der Breitlacherstraße entstehen vier Taxiplätze und drei „Kiss & Ride“-Plätze. Die Bauzeit wird insgesamt auf anderthalb bis zwei Jahre geschätzt. Die Kosten liegen bei 1,6 Millionen Euro.Schmuckstück wird einer neuer Busbahnhof sein.

An der Breitlacherstraße entstehen vier Taxiplätze und drei „Kiss & Ride“-Plätze. Die Bauzeit beträgt anderthalb bis zwei Jahre. Die Kosten liegen bei 1,6 Millionen Euro. Schmuckstück wird einer neuer Busbahnhof.

Ein Kulturdenkmal

Das Petrihaus wurde 1720 als Fachwerkhaus am Nidda-Ufer gebaut und liegt heute gegenüber dem Brentanopark. 1819 kaufte es der Kaufmann Georg Brentano von Bäckermeister Johannes Petri und baute es in ein romantisch-klassizistisches Schweizerhaus um.

Die Dichterin Bettina von Arnim traf sich hier mit Freunden und Schriftstellern, darunter Johann Wolfgang von Goethe. Das Petrihaus ist heute Heimat des Fördervereins Petrihaus und betreibt darin ein kleines Museum und ein Café.

Ein Wahrzeichen

Der alte Rödelheimer Wasserturm ist eines der Wahrzeichen des Stadtteils. Er wurde im Jahr 1895 errichtet – damals wurde die Wasserversorgung in den wachsenden Städten von Hausbrunnen auf Rohrnetze, die Frischwasser in jede Wohnung leiteten, umgestellt.

Heute werden der Turm und seine Räumlichkeiten von Unternehmen genutzt, die sich rund um den Wasserturm niedergelassen haben. Der Wasserturm erinnert auch daran, dass Rödelheim zwischen 1885 und 1910 eine eigene Stadt war. Er wurde in diesen Jahren gebaut. Im Jahr 1910 wurde Rödelheim zu Frankfurt eingemeindet.

Zerstörtes Schloss

Der fünf Hektar große Solmspark ist ein beliebter Treffpunkt für die Rödelheimer. Angelegt wurde er 1879 rund um das Rödelheimer Schloss der Grafen von Solms.

Der Grundriss des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes ist noch im Park zu finden, ebenso wie dessen Nachbildung aus Metall.

Ein Stadion für Spitzensport

Das Stadion am Brentanobad ist in Frankfurt nach dem Volksbank-Stadion und der Commerzbank-Arena zwar nur die Nummer drei. Dafür wird dort seit einigen Jahren international gespielt, denn die Damen des 1. FFC Frankfurt tragen in dem Stadion ihre Champions League-Partien aus.

Auch der ESV Blau-Gold Frankfurt und Rot-Weiß Frankfurt spielen hier. Das ursprüngliche Stadion wurde 1940 eingeweiht. Neu erbaut im Jahr 1992 wurde es von 2013 bis 2015 für rund elf Millionen Euro renoviert. Seitdem bietet die Sportstätte 5650 Plätze, davon alleine 1500 Sitzplätze.

In riesigen Holzfässern reift der Ebbelwei

Riesige Holzfässer stehen im Keller der Kelterei Possmann. Zwischen zehn und zwölf Millionen Liter Apfelwein, -secco oder -saft werden hier Jahr für Jahr produziert.

Die Kelterei wurde im Jahr 1881 gegründet und zählt schon lange zu den Marktführern bei der Ebbelwei-Produktion und hat ihren Sitz in der Eschborner Landstraße. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Produktionsanlagen der Kelterei bei Bombenangriffen vollständig zerstört, danach aber wieder aufgebaut.

Mindestens einmal im Jahr feiern die Rödelheimer ihren "Blauen Steg"

Um von der Marquardstraße aus in den Solmspark zu gelangen, überquert man den „Blauen Steg“, der über die Nidda führt. Gebaut wurde die Brücke 2004. Diese ersetzte die marode Holzbrücke, die vor ihrem Abriss gesperrt worden war.

Weil die Rödelheimer durch die Sperre enorm in ihrer Mobilität eingeschränkt waren und deshalb froh über den Neubau waren, feiern sie seit 2009 mindestens einmal im Jahr das Brückenfest. Organisiert wird es von engagierten Rödelheimern und dem Nachbarschaftsbüro. Erst bei den Feierlichkeiten erhielt die Brücken ihren Spitznamen.

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