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Wohltätigkeit: Rotlicht-Bar hilft kranken Kindern

Rocker, Rechtsanwälte, Hoteliers und Party-Schönheiten drängen sich mitten im Bahnhofsviertel um einen Sektkübel voller rosa Lose. „Redlight goes Charity“ heißt die Veranstaltung in der Rotlicht-Bar „My Way“ zugunsten krebskranker Kinder.
Bar-Betreiber Richard Böhlig versteigert ein privates Kunstwerk. Bar-Betreiber Richard Böhlig versteigert ein privates Kunstwerk.
Frankfurt. 

Durch Lautsprecher dröhnt der Song „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang. Strahler werfen bunte Lichter an die Wände. Richard Böhlig (53) betrachtet amüsiert seine Gäste. „Eintracht-Präsident Peter Fischer hat mir vorhin noch persönlich einen signierten Fußball vorbeigebracht“, sagt der Betreiber der Rotlichtbar „My Way“ in der Taunusstraße stolz. Wie auf einem Altar liegen Hunderte sorgsam eingepackte Päckchen und Pakete, Umschläge und Klamotten – jedes mit einer Schleife dekoriert. Freunde und Bekannte des Etablissements haben für die Tombola zugunsten des Vereins Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt gespendet.

Zum fünften Mal lädt Böhlig zur Charity. „Die Eigenschaft habe ich von meiner Mutter. Sie hat sich ein Leben lang um Leute gekümmert und auch ein Altersheim betrieben. Bisher haben wir für Obdachlose gesammelt, davor drei Jahre lang für das Diakoniezentrum Weser 5. Es gibt in Deutschland viele Hilfsbedürftige und ich möchte etwas für sie tun“, so Böhlig. Er lächelt darüber, dass die Allgemeinheit das Rotlicht-Milieu nicht unbedingt mit Wohltätigkeitsveranstaltungen in Verbindung bringt. „Auch im Bahnhofsviertel kann man Gutes tun“, sagt er und deutet mit dem Kopf auf die lange Schlange Besucher, die für Lose ansteht.

Fünf Euro pro Los

Fünf Euro kostet ein Los. Porsche-Regenschirme, ein von der Deutschen Fußball-Nationalelf signiertes Emre Can Trikot, Kosmetika, Restaurant-Gutscheine aus dem Viertel, Hotel-Gutscheine für das Wyndham Grand, Mercure, Novotel, Sofitel, Ibis, Ramada und Pullmann warten neben Grüner Soße der legendären Marktfrau Gisela Paul, DVDs, Büchern, Wein und Kalendern auf Gewinner. Auch Frisör- und Tattoo-Gutscheine sind dabei. Ulrich Mattner, Buchautor und Fotograf hat Pech. „Ich habe mein eigenes Buch gewonnen“, sagt er lachend. Die Lose von Promi-Coach und Personal Trainer Nunzio Esposito bescheren ihm ein Böhse Onkelz Sweatshirt und ein schwarzes bodenlanges Abendkleid. Er lacht laut und zeigt es den feixenden Gästen. Zwischen Cocktails, Bier und Buffet drängen sich Rocker, Rechtsanwälte, Türsteher, Gastronomen, Hoteliers und schöne Frauen in High Heels.

Ein riesiges, aus Edelstahl gelasertes Eintracht-Emblem mit Adler, das von ihm selbst pulverbeschichtet wurde, hat Partybesucher Mirko Ferenczy aus seinem Privatbesitz mitgebracht. „Das versteigern wir“, sagt er aufgeregt. Es wird ganz still im Raum, als Böhlig auf eine schwarze Lederbank steigt. Er hält den Adler hoch und legt den Startpreis bei 100 Euro fest. Nach ein paar Minuten wechselt er für 500 Euro den Besitzer. „Toll, der Mann hat Herz“, so Ferenczy, der wie Böhlig ein schwarzes T-Shirt mit roter Rückenaufschrift in altdeutschen Lettern trägt. „Redlight goes Charity“, also „Rotlicht wird wohltätig“, steht darauf.

Erfreuliche Bilanz

Ferenczy freut sich über die Summe, die sein privates Kunstwerk eingebracht hat, während ihm Kumpels in schweren Lederjacken auf die Schulter klopfen. Männer mit Stiernacken, Tattoos und muskelbepackt. Der Größte misst 2,05 Meter. Sie feiern und lachen, während Böhlig für Nachschub am Buffet sorgt, während der DJ „All Night Long“ von Lionel Richie auflegt. Bis in die frühen Morgenstunden wird gefeiert.

Böhlig ist zufrieden: „4840 Euro mehr als im letzten Jahr“, stellt er fest. Es sind dieses Jahr 8540 Euro durch Spenden, Tombola und Versteigerung zusammengekommen.“

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