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Wohnsitzlose von der Weißfrauenkirche: Rumänen sträuben sich gegen Umzug in die B-Ebene der Hauptwache

Von Die wohnsitzlosen Rumänen, die nachts vor der Weißfrauenkirche lagern, wollen nicht in die B-Ebene der Hauptwache umziehen. Obwohl die Stadt die Station gestern für die „Winterübernachtung“ freigab, blieben die meisten Südosteuropäer an der Kirche im Bahnhofsviertel.
Ihren Verschlag an der Weißfrauenkirche mussten die Roma  gestern räumen, trotzdem blieben die meisten von ihnen an dem Gotteshaus. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Ihren Verschlag an der Weißfrauenkirche mussten die Roma gestern räumen, trotzdem blieben die meisten von ihnen an dem Gotteshaus.
Frankfurt. 

Gestern sollte Schluss sein mit dem Lager der wohnsitzlosen Rumänen vor der Weißfrauenkirche. Die Diakonie, die in dem Bau einen Tagestreff für Bedürftige betreibt, ließ um den Platz, wo zuletzt zwischen 20 und 25 Menschen schliefen, wegen Fassadenarbeiten einen Bauzaun errichten. Am späten Abend gab die Stadt dann die B-Ebene der Hauptwache für die jährliche „Winterübernachtung“ frei. Die Hoffnung, dass die Roma die Schlafstätte für Wohnsitzlose nutzen, die extra ihretwegen zwei Wochen früher öffnete, erfüllte sich aber nicht.

„Die Roma von der Weißfrauenkirche wollen auf gar keinen Fall in der B-Ebene schlafen“, sagte der Immobilienunternehmer und selbst erklärte „Roma-Freund“ Novak Petrovic gestern nach intensiven Gesprächen mit der Gruppe. Die Weigerung habe vor allem kulturelle Gründe: Die Roma, die alle zu einer Sippe gehörten und aus einem Dorf stammten, wollten unter sich sein; für die Frauen sei es außerdem „undenkbar“, zusammen mit fremden Männern zu übernachten. Nicht zuletzt wollten die Roma nicht in die B-Ebene, weil sie dort Alkoholiker und Drogenabhängige vermuten.

Bilderstrecke Frankfurt: Rumänen wollen vor der Weißfrauenkirche bleiben
Die wohnsitzlosen Rumänen, die nachts vor der Weißfrauenkirche lagern, wollen nicht in die B-Ebene der Hauptwache umziehen. Obwohl die Stadt die Station am 17. Oktober 2016 für die „Winterübernachtung“ freigab, blieben die meisten Südosteuropäer an der Kirche im Bahnhofsviertel.Frankfurt am Main 17.10.2016, Innenstadt, Gutleutstrasse,  vor der Weissfrauengemeinde, obdachlose Rumänen.Frankfurt am Main 17.10.2016, Innenstadt, Gutleutstrasse,  vor der Weissfrauengemeinde, obdachlose Rumänen.

Petrovic, der im Jahr 2012 schon Rumänen aus dem Occupy-Camp untergebracht hatte, ließ elf der Roma von der Weißfrauenkirche in zwei Wohnungen im Allerheiligenviertel schlafen. Der Rest der Gruppe blieb an der Weißfrauenkirche, wegen des neuen Bauzauns aber am Kirchturm, etwas abseits des ursprünglichen Platzes. Petrovic kündigte an, dass er sich um weitere Unterbringungen für Mitglieder der Gruppe bemühen werde.

Komentar: In der Bredouille

Das Lager der Rumänen vor der Weißfrauenkirche hat den Ordnungsdezernenten Markus Frank und die Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld in die Bredouille gebracht.

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Ungeachtet dieser Entwicklungen eröffnete die Stadt gestern um 22 Uhr die „Winterübernachtung“ in der B-Ebene der Hauptwache. Träger des Angebots ist der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Bis zum Frühjahr können Bedürftige immer von 22 bis 6 Uhr in einer markierten Zone der Station schlafen. Zwei Mitarbeiter des Frankfurter Vereins übernehmen die soziale Betreuung der Schlafgäste, geben zum Beispiel eine Isomatte und eine Decke aus. Außerdem gibt es zwei Sicherheitsleute und eine Reinigungskraft, die die Toiletten sauber hält. Direkt bei Einlass in die betreute Übernachtungszone fanden sich gestern Abend etwa 20 Wohnsitzlose ein.

Wie es mit den Rumänen an der Weißfrauenkirche weitergeht, ist unklar. Die Stadt hatte zusammen mit der Diakonie auf eine Auflösung des Lagers hingewirkt, weil aus der Nachbarschaft heftige Beschwerden über Kot und Abfall in der Umgebung laut geworden waren. „Unsere Hoffnung war, dass alle Rumänen die Weißfrauenkirche verlassen“, sagte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gestern am späteren Abend. Denen, die geblieben seien, müsse man „offensichtlich noch mal die Spielregeln in unserer Stadt erklären“. Auf jeden Fall werde mit ihnen noch einmal Kontakt aufgenommen – in der Hoffnung, dass sie ein Einsehen haben und doch noch in die „Winterübernachtung“ an der Hauptwache wechseln.

Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), hatte bereits am Nachmittag betont, dass Rumänen, die in Deutschland noch nicht gearbeitet haben, in aller Regel keinen Anspruch auf Sozialleistungen hätten. Es sei gesetzlich nicht vorgesehen, sie längerfristig in einer Einrichtung der Wohnsitzlosenhilfe oder gar in einer Sozialwohnung unterzubringen. Jürgen Mühlfeld, Leiter der evangelischen Einrichtung in der Weißfrauenkirche, macht keinen Hehl daraus, dass er das Übernachtungsangebot in der B-Ebene für unzureichend hält: „Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht.“

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