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Unternehmer bringt Obdachlose in Frankfurt unter: Rumänen von der Weißfrauenkirche ziehen in Wohnungen

Von Das Lager der wohnsitzlosen Rumänen an der Weißfrauenkirche ist vorerst Vergangenheit. Der Immobilienunternehmer Novak Petrovic hat die meisten Mitglieder der Roma-Sippe in Privatwohnungen untergebracht. Doch wie geht es jetzt weiter?
Novak Petrovic mit drei Roma-Frauen, die er in einer leerstehenden Wohnung im Allerheiligenviertel untergebracht hat. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Novak Petrovic mit drei Roma-Frauen, die er in einer leerstehenden Wohnung im Allerheiligenviertel untergebracht hat.
Frankfurt. 

Ein nächtliches Rumänenlager an der Weißfrauenkirche, Kot, Urin und Abfall in der Umgebung. Nach monatelangen Beschwerden ist es mit alledem vorerst vorbei. Die Hauseigentümer und Anwohner aus der Nachbarschaft haben das allerdings weniger der Diakonie und Stadt, sondern vielmehr dem Immobilienunternehmer Novak Petrovic zu verdanken. Der städtische Plan, die knapp 25 wohnsitzlosen Rumänen mit einem Bauzaun fernzuhalten und zur „Winterübernachtung“ in die B-Ebene der Hauptwache zu locken, war am Montag wie berichtet gescheitert. Zwar brachte der selbsterklärte „Roma-Freund“ Petrovic insgesamt elf der Südosteuropäer in zwei Privatwohnungen im Allerheiligenviertel unter, alle anderen blieben aber an der Weißfrauenkirche.

Nachdem Petrovic gestern Morgen zwei zusätzliche Wohnungen im Allerheiligenviertel und der Innenstadt organisiert hatte, verließen gegen Mittag jedoch noch acht weitere Rumänen ihren Lagerplatz. Zwei Roma sind nach Petrovics Angaben nach Duisburg gefahren, zwei weitere in ihre Heimat.

Dankbare Gäste

Drei Frauen um die 60 Jahre, die nun in der Allerheiligenstraße leben, zeigten sich am Abend dankbar für Petrovics Gastfreundschaft. In „ihrer“ Wohnung haben sie eine Küche, ein Bad und viel Platz. Die schmutzigen Schlafunterlagen von der Weißfrauenkirche hat Petrovic entsorgt und durch frische ersetzt.

Die Frage, wie lange seine Gäste in den Wohnungen bleiben dürfen, lässt Petrovic offen. Er sagt aber, dass die Rumänen an ihren jeweiligen Adressen gemeldet werden sollen. So erhöht sich seiner Einschätzung nach die Chance der Roma auf einen Minijob in der Region.

Der 61 Jahre alte Unternehmer Petrovic handelt nach eigenen Angaben mit Immobilien. Bekanntheit erlangte er unter anderem als Aktivist der bankenkritischen Occupy-Bewegung. Schon als deren Lager in der Taunusanlage geräumt wurde, nahm er Rumänen in leerstehenden Wohnungen auf. Petrovic hatte am Montag gesagt, dass die Roma eine Übernachtung in der B-Ebene wegen der angeblich schlechten Situation dort ablehnen.

Bilderstrecke Frankfurt: Rumänen wollen vor der Weißfrauenkirche bleiben
Die wohnsitzlosen Rumänen, die nachts vor der Weißfrauenkirche lagern, wollen nicht in die B-Ebene der Hauptwache umziehen. Obwohl die Stadt die Station am 17. Oktober 2016 für die „Winterübernachtung“ freigab, blieben die meisten Südosteuropäer an der Kirche im Bahnhofsviertel.Frankfurt am Main 17.10.2016, Innenstadt, Gutleutstrasse,  vor der Weissfrauengemeinde, obdachlose Rumänen.Frankfurt am Main 17.10.2016, Innenstadt, Gutleutstrasse,  vor der Weissfrauengemeinde, obdachlose Rumänen.

Christine Heinrichs vom „Frankfurter Verein für soziale Heimstätten“, der das Übernachtungsangebot an der Hauptwache organisiert, kann die Argumente der Rumänen gegen die B-Ebene nicht nachvollziehen: Zur „Winterübernachtung“ kämen regelmäßig Roma-Frauen, die offenbar keinerlei Probleme damit hätten, mit fremden Männern in einer Sammelunterkunft zu schlafen. In der B-Ebene gebe es auch ausreichend Platz für Gruppen, die sich „eine eigene Ecke“ suchen und unter sich sein wollen. Am meisten ärgert sich Heinrichs über die Aussage der Rumänen, es sei ihnen in der Hauptwache zu schmutzig. Sie betont, dass die Übernachtungsflächen immer vor dem Einlass um 22 Uhr nass gereinigt würden. Für die Toiletten sei nachts eine Putzkraft da. Sauberer als in der B-Ebene hätten es die Bedürftigen an der Weißfrauenkirche, wo es gar keine sanitären Einrichtungen gebe, jedenfalls nicht.

Manuela Skotnik, Referentin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), sagte auf Nachfrage, dass die Stadt pro Monat 48 000 Euro in die „Winterübernachtung“ stecke. Diese sei 2001 vom damaligen Sozialdezernenten Franz Frey (SPD) ins Leben gerufen worden. Im vergangenen Winter habe das Angebot 116 Nächte umfasst. In besonders kalten Nächten seien bis zu 200 Menschen gekommen, etwa 75 Prozent von ihnen seien osteuropäischer Herkunft gewesen.

Skotnik wollte die private Unterbringung der Rumänen durch den Immobilienunternehmer Petrovic nicht kommentieren. „Wir wissen ja nichts über die Umstände und die Dauer der Unterbringung.“ Letztlich sei diese „eine Privatangelegenheit“. Was die beruflichen Aussichten der Roma angeht, zeigte sich Christine Heinrichs skeptisch: Diese seien „eine arbeitsmarktferne Gruppe“. „Es muss ja erst einmal ein Arbeitgeber her, der sie einstellt. Die Perspektiven dafür sind meiner Einschätzung nach aber vergleichsweise gering.“

Nächtlicher Alarm

Übrigens gab es bei der ersten B-Ebenen-Übernachtung des Jahres am Dienstag einen Alarm: Die Schlafenden mussten gegen 3.50 Uhr geweckt werden und die Station verlassen. Die Feuerwehr rückte an. Wie die Einsatzkräfte feststellten, bestand aber keine Gefahr. Es handelte sich um einen Fehlalarm. Nach Informationen der Branddirektion könnte dieser durch eine leichte Rauchentwicklung am Stromabnehmer einer Oberleitung ausgelöst worden sein. Zu löschen gab es nichts.

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