Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C
1 Kommentar

Der Rote Faden, Folge 220: Rupert von Plottnitz - Der Bürgerrechtler

"Plotte" nannten ihn seine Genossen, so nennen ihn auch seine Freunde. Links, adelig, grün. Eine kühne Mischung. Er war der erste grüne Justizminister Deutschlands, er war, sogar zwei Mal, stellvertretender Ministerpräsident des Landes Hessen: Rupert von Plottnitz. Er hat in Stuttgart-Stammheim vor Gericht gestanden als Verteidiger. Er hat sich sein Leben lang engagiert. Auch auf dem Tennisplatz. Ihm ist die Folge 220 unserer Serie "Der Rote Faden" gewidmet, in der wir jede Woche Menschen vorstellen, die Besonderes für Frankfurt leisten.
Einst als Bürgerschreck verschrien, dabei durchaus staatstragend: Der Rechtsanwalt und Minister a.D. Rupert von Plottnitz in seiner Kanzlei in Frankfurt am Main. Foto: Salome Roessler Einst als Bürgerschreck verschrien, dabei durchaus staatstragend: Der Rechtsanwalt und Minister a.D. Rupert von Plottnitz in seiner Kanzlei in Frankfurt am Main.

Seit einigen Jahren wohnt Rupert von Plottnitz im Frankfurter Nordend. An sich eine kleine, eher verkehrsarme, auch ruhige Straße, wären da nicht, wie in dieser Gegend üblich, permanente Renovierungs-, Um- und Ausbaubau-Arbeiten, die den Anwohnern schon am frühen Morgen verkünden, dass Morgenstund’ nicht nur Gold im Mund, sondern auch einen beträchtlichen Lärm für die Ohren hat. Neue Balkone, ausgebaute Dächer, Gerüste, die auf- und abgebaut, Fahrstühle die angebaut, Fassaden, die renoviert werden. Es sind schöne Häuser, aber eben auch alte. Immer gibt es was zu tun.

Plottnitz wohnt in solch einem schönen, renovierten Altbau. Er wohnt hier zusammen mit seiner zweiten Frau Beate Gottschall, einst eine der renommiertesten Cutterinnen beim Fernsehen des Hessischen Rundfunks. In einem Haus, in dem, wie am Seiteneingang eine stattliche Bronzetafel verkündet, von 1918 bis 1930 der Journalist und Schriftsteller, Soziologe und berühmte Filmtheoretiker Siegfried Kracauer gewohnt hat, und zwar nicht nur in dem Haus, sondern sogar in der gleichen Wohnung.

Der Rote Faden - 
Frankfurter im Porträt,
Societäts-Verlag 2015,
208 Seiten, Bildband,
€ 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), 
ISBN: 978-3-95542-147-2 Bild-Zoom
Der Rote Faden - Frankfurter im Porträt, Societäts-Verlag 2015, 208 Seiten, Bildband, € 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), ISBN: 978-3-95542-147-2
Er sei, hat er einmal, leicht kokett, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestanden, viel zu eitel, um eitel zu sein. So tritt er, wo immer möglich, auf: Rupert von Plottnitz, Rechtsanwalt. Basta. Aber, das sagt ihm jede Behörde, das geht so nicht. Es muss seinen richtigen, das heißt vollen Namen angeben. Damit bringen sich die Behörden, schön paradox, selbst in Schwierigkeiten. Ihre Formulare sind für so lange Namen nicht ausgelegt. Der (linke) Jurist und frühere hessische Umwelt- und Justizminister und vormalige RAF-Anwalt in dem Stammheimer Prozess gegen Baader, Meinhof und andere, der auch heute noch arbeitet, heißt nämlich korrekterweise, wie auf allen amtlichen Urkunden vermerkt ist: Franz-Joseph Rupert Ottomar von Plottnitz-Stockhausen.

Das klingt schon anders als Max Meier. Die Adelskundigen können möglicherweise allein durch den Namen etwas von der keineswegs astreinen Herkunft erschließen. Es spielen dabei sowohl die Wittelsbacher, wahrlich kein unbedeutendes Geschlecht, wie auch ein Prinz von Preußen eine Rolle. Eine gerade sechzehnjährige Lilly, ebenso blaublütig wie offenbar leichtfertig, gebar unverheiratet einen Sohn und gab ihn, in diesen Kreisen üblich und auch aufgrund ihres Alters nicht ungewöhnlich, zur Adoption frei. Das heißt: so ganz frei nicht, „man“, wer immer das auch war, kümmerte sich. Das Kind wurde in einer Familie, bald schon in einem Schweizer Internat untergebracht und dort standesgemäß erzogen.

<span></span>
Der rote Faden Das rote Band der Sympathie

Der Societäts-Verlag hat eine Porträtreihe aus der Frankfurter Neuen Presse aufgenommen: „Der rote Faden“ vereint 40 Frankfurter, die Großes geleistet haben.

clearing

Da man in der Familie nicht weiter über solche Herkunftsfragen sprach, erschien es dem jungen von Plottnitz noch lange so, als sei der väterliche Teil seiner Familie nachgerade vom Himmel gefallen. Überhaupt scheint er nur wenig Kontakte zu dieser blaublütigen Verwandtschaft zu pflegen. Mit der Anrede „Plotte“ kommt er weit besser zurecht als mit den untertänigen Ehrbeugungen, die seinem Adel geschuldet sind. Selbst zu dem Vetter, dem er großen „Respekt vor seiner Lebensuntauglichkeit“ zollt, sind die Beziehungen eingeschlafen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Altes Adelsgeschlecht

1 2 3
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse