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Der Rote Fanden, Folge 244: Sabine und Daniel Röder - Die Pulsgeber

Eines Tages hat es Sabine und Daniel Röder gereicht. Sie sahen Europa in Gefahr und wollten für Europa auf die Straße gehen. Ein Jahr später ist ihre Initiative "Pulse of Europe" zu einer kontinentalen Bewegung geworden. Dem Ehepaar widmen wir die Folge 244 unserer Serie "Der rote Faden", in der wir jede Woche Menschen vorstellen, die Besonderes für Frankfurt leisten.
Halten die Europafahne hoch: Sabine und Daniel Röder. Foto: Salome Roessler Halten die Europafahne hoch: Sabine und Daniel Röder.

Erst war da ein Schock, und als der halbwegs verdaut war, kam noch ein Schock. So hat alles begonnen. Die Briten hatten sich für den Brexit entschieden, die US-Amerikaner Monate später Donald Trump zum Präsidenten gewählt. Und in einem Haus in Frankfurt saß damals, in der Nacht vom 8. auf den 9. November 2016, das Ehepaar Röder, beide Juristen, beide auch als Mediatoren selbstständig, und verstand die Welt nicht mehr. „Wir waren ernsthaft besorgt“, sagt Sabine Röder. „Wir mussten etwas machen“, sagt Daniel Röder. Noch während die Welt sich einen Reim auf Donald Trump zu machen suchte, setzte sich Daniel Röder an seinen Laptop und schrieb Mails an Freunde und Bekannte. Die Röders sahen Europa in Gefahr. Das war der Anfang von „Pulse of Europe“.

Heute, ein Jahr später, sind die Röders bekannt im ganzen Land. Vielleicht kennen immer noch viele ihren Namen nicht, vielleicht können viele immer noch nicht auf Anhieb Daniel Röders Gesicht dieser Bewegung und ihrer Geschichte zuordnen, obwohl er zig Fernseh- und Zeitungsinterviews gegeben hat. Sich selbst nicht in den Vordergrund zu stellen, das gehört gleichermaßen zur „Pulse“-Strategie und zur Wesensart der Röders. Bloß keinen Personenkult. Es sagt schon viel über die Röders und ihre engsten Mitstreiter, dass ihnen auch das gut gelingt – trotz ihres Erfolgs. Was im Dezember 2016 mit Freunden und Bekannten auf dem Goetheplatz als Happening begann, entwickelte sich wie ein Schneeballsystem.

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Der rote Faden Das rote Band der Sympathie

Der Societäts-Verlag hat eine Porträtreihe aus der Frankfurter Neuen Presse aufgenommen: „Der rote Faden“ vereint 40 Frankfurter, die Großes geleistet haben.

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Bereits im Frühjahr dieses Jahres besuchten gut 6000 Teilnehmer die Kundgebungen der pro-europäischen Bewegung in der Innenstadt, immer wieder sonntags. In mehr als 30 weiteren Städten, in Paris und Amsterdam, in Warschau und Wien, taten es Tausende Menschen ihnen gleich, schwenkten Europafahnen, ließen blaue Luftballons steigen, nahmen sich bei den Händen zu Beethovens Ode an die Freude, der Europahymne. Mittlerweile gibt es „Pulse of Europe“-Aktivisten in 134 Städten in 20 Ländern. „Europa sucht nach einem Narrativ“, sagt Daniel Röder gleich zu Beginn des Gesprächs. Will heißen: Europa braucht eine große Erzählung.

Vom ewigen Buhmann

Griechenlandkrise, Euro-Krise, Flüchtlingsdebatte, dichte Grenzen, Rechtspopulismus: Die Gegenwart der Europäischen Union taugt ja eher zum Drama. „Und wer sind andererseits die Promotoren der EU?“, fragt Daniel Röder und gibt sich die Antwort selbst: Gurken-Verordnung, ein Vorstoß aus Dänemark und Deutschland. Glühbirnen-Verordnung, ein Vorstoß aus Deutschland. „So wird die EU zum Gesetzgeber-Buhmann“, sagt Daniel Röder. „Pulse of Europe“ steht für die großen Themen: „Den Frieden wieder stärker ins Bewusstsein rücken“, sagt Sabine Röder. „Die Vertiefung der Zivilgesellschaft“, sagt Daniel Röder. Einfacher ausgedrückt klingt es so: „Was machen die anderen?“, fragt Sabine Röder. „Wie geht es den anderen?“, fragt Daniel Röder. Selbst in den Bankentürmen Frankfurts höre er ja zunehmend, man solle die Griechen nicht länger durchfüttern und sich vor den Flüchtlingen abschotten.

Der Rote Faden - 
Frankfurter im Porträt,
Societäts-Verlag 2015,
208 Seiten, Bildband,
€ 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), 
ISBN: 978-3-95542-147-2 Bild-Zoom
Der Rote Faden - Frankfurter im Porträt, Societäts-Verlag 2015, 208 Seiten, Bildband, € 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), ISBN: 978-3-95542-147-2

Die Politik hingegen zeigt sich betont angetan von diesem bürgerlichen Bekenntnis zum europäischen Einheitsgedanken. Die Kanzlerin hat sich wohlwollend geäußert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bewegung in seiner Antrittsrede gewürdigt, Cem Özdemir von den Grünen wollte da in nichts nachstehen. Die Liste ließe sich lange fortführen und belegt die Bedeutung, die „Pulse of Europe“ mittlerweile beigemessen wird. Womöglich belegt sie auch die Harmlosigkeit, die Kritiker monieren. „Pulse of Europe“ tut niemandem weh, konkrete Forderungen stellen seine Macher bewusst nicht, ein politisches Programm gibt es nicht. Selbst die Frage, ob es „Pulse“ um den europäischen Gedanken allgemein oder besonders um den Erhalt des Konstrukts EU samt Euro geht, ist nicht klar. Zehn Grundthesen formulieren das Selbstverständnis gerade vage genug, damit sich möglichst viele damit identifizieren können. Freiheit ist darin das Schlüsselwort, Reformen werden darin allgemein gefordert, jeder ist darin aufgerufen mitzumachen.

„Wir demonstrieren für etwas, wir protestieren nicht gegen etwas“, sagt Daniel Röder. „Wir überlassen die konkreten Reformen denen, die dafür zuständig sind“, sagt Sabine Röder. Öffentliche Stellungnahmen dienen einzig dazu, der „Politik ein bisschen mehr auf die Finger zu klopfen“, sagt Daniel Röder. Unlängst hat „Pulse of Europe“ in einer Pressemitteilung die Jamaika-Parteien aufgefordert, bei den Sondierungsgesprächen Europa stärker in den Fokus zu nehmen. „Aber dabei bleiben wir unabhängig und überparteilich“, sagt Daniel Röder.

Bilderstrecke Pulse of Europe: 3000 Menschen auf dem Goetheplatz in Frankfurt
Etwa 3000 Menschen nahmen am Sonntag auf dem Goetheplatz in Frankfurt an der Kundgebung von "Pulse of Europe" teil.Etwa 3000 Menschen nahmen am Sonntag auf dem Goetheplatz in Frankfurt an der Kundgebung von "Pulse of Europe" teil.Etwa 3000 Menschen nahmen am Sonntag auf dem Goetheplatz in Frankfurt an der Kundgebung von "Pulse of Europe" teil.

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