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Halten die Europafahne hoch: Sabine und Daniel Röder. Foto: Salome Roessler Halten die Europafahne hoch: Sabine und Daniel Röder.

Die Kritik am eigenen Neutralitätsgebot nehmen die Röders gelassen zur Kenntnis. Auch wenn sie es damals im November 2016 nicht auf Massenwirksamkeit ausgelegt haben, ist die Massentauglichkeit eben qua Neutralität längst zur Schlüsselqualität von „Pulse of Europe“ geworden. An die „Stimmung wie bei Kirchentagen“ fühlen sich manche Reporter denn auch erinnert. Von einem Kaffeekränzchen der durch die EU privilegierten Schichten, sprach die Politologin und Europa-Aktivistin Ulrike Guérot im März in einem Interview. Damals standen die Wahlen in den Niederlanden vor der Tür, die Wahlen in Frankreich. Die Ein-Mann-Partei des Rechtspopulisten Geert Wilders machte zwischen Amsterdam und Maastricht Stimmung gegen die Europäische Union. In Paris drohte gar Marine LePen vom Front National in den Elysee Palast einzuziehen. Und in Österreich brachte sich die FPÖ mit ihrer brachialen Anti-Flüchtlings-Offensive in Stellung und damit – gewollt oder nicht – den jungen ÖVP-Außenminister und Kanzlerkandidaten Sebastian Kurz auf Kurs.

In jenen Wochen war „Pulse of Europe“ auf dem Höhepunkt angelangt und an einem Etappenziel: „Die Themen in den Nachbarländern müssen zu den eigenen Themen werden“, sagt Daniel Röder, „eine europäische Zivilgesellschaft muss durch sich selbst entstehen.“ Er sagt auch: „Es war uns klar, dass es nach diesen Wahlen abebben würde. Ein normaler Effekt.“ Mittlerweile steht nur noch eine Kundgebung pro Monat auf dem Terminplan, jeweils am ersten Sonntag im Monat, Anfang November kamen noch etwa 600 Menschen auf den Goetheplatz, von Dezember bis Februar ist Pause.

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Zu tun gibt es aber auch sonst genug. Bis zu sechs Stunden täglich ist das Ehepaar Röder im Einsatz. Daniel Röder ist Vorsitzender des für „Pulse“ gegründeten Vereins, in der Wolfsgangstraße im Westend liegt die Geschäftsstelle, zwei Hauptamtliche sind dort mittlerweile tätig, finanziert durch Spenden. Sabine Röder arbeitet zurzeit auf Sparflamme, die Familie verzichtet fast auf ein komplettes Gehalt. „Wir schaffen das aber“, schickt sie gleich hinterher, um erst gar nicht den Gedanken aufkommen zu lassen, ihr Ehrenamt als Opfer zu verstehen. Ihre Wertekoordinaten haben sich ohnehin verschoben, seit sie an sich diese neue Seite kennengelernt haben. „Pulse gibt uns unheimlich viel zurück“, sagt Sabine Röder.

Jahrgang 1972 ist sie, so wie ihr Mann. Sie stammt aus Lüdenscheid in Westfalen, ihre Eltern diskutierten über Politik nicht mehr und nicht weniger als viele wertkonservative Bildungsbürger in den 70er und 80er Jahren. Daniel Röder ist in einem Dorf nahe Fulda aufgewachsen, der Vater war Ortsvorsteher. Mehr, sagen beide, gäbe es da eigentlich nicht zu erzählen. Selbst haben sie nie für etwas demonstriert, nie wogegen protestiert. Das „Ende der Geschichte“ riefen kurz nach der Wende die Historiker aus und läuteten damit vorerst das Ende der Proteste ein. Eine ganze Generation blieb unpolitisiert und optimierte sich selbst für die Neuen Märkte.

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