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Kindern mit Internat eine Perspektive bieten: Sachsenhäuser engagiert sich für ein Heim in Nepal

Von Das Herz am rechten Fleck, das hat der Sachsenhäuser Andreas Wolter. Seit einem Jahr setzt sich der 52-Jährige für ein Kinderheim in Nepal ein – und das ist nicht das einzige Ehrenamt, das er inne hat.
Daumen hoch: Die Mädchen und Jungen sind froh, dass sie in dem Kinderheim ein Zuhause bekommen. Ihre Eltern kennen viele von ihnen überhaupt nicht. Bilder > Daumen hoch: Die Mädchen und Jungen sind froh, dass sie in dem Kinderheim ein Zuhause bekommen. Ihre Eltern kennen viele von ihnen überhaupt nicht.
Sachsenhausen. 

Wenn Andreas Wolter von seinen Erlebnissen in Nepal erzählt, merkt man ihm schnell an, wie wichtig ihm diese Sache ist. „Die Kinder dort wissen, dass es ihnen schlecht geht, gehen aber toll mit ihrem Schicksal um: lachen, tanzen, spielen“, sagt der Sachsenhäuser, während er seinen Milchkaffee im „Maison du Pain“ an der Schweizer Straße trinkt, umgeben von lauten Gesprächen am Nachbartisch und duftenden Croissants, die serviert werden.

Spenden sammeln

Andreas Wolter engagiert sich gemeinsam mit seinem Freund Reiner Meierbeck aus München für die kleine Hilfsorganisation „Future Citizen“, die in dem Bergdorf Jiri ein Heim für 25 Waisenkinder betreibt. Die beiden Männer sind sozusagen deren deutsche Repräsentanten, generieren Spenden (30 000 Euro haben sie seit vergangenem Jahr schon gesammelt), machen die Buchhaltung für die Hilfsorganisation, suchen Paten im Freundes- und Bekanntenkreis und organisieren Charity-Events, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Sie haben sogar schon eine Solaranlage gekauft, um die Energieversorgung in dem Heim zu gewährleisten. „Zuvor ist der Strom dort mehrmals am Tag zusammengebrochen“, sagt Wolter.

Das vergangene Jahr war ein dramatisches für Nepal. Gleich mehrere Erdbeben erschütterten das kleine Land zwischen China und Indien. 9000 Menschen starben, 600 000 Häuser stürzten ein – darunter war auch das Kinderheim von „Future Citizen“.

Alles zerstört

„Alles war zerstört“, sagt Andreas Wolter. Im Oktober vor einem Jahr hat er sich gemeinsam mit Reiner Meierbeck selbst ein Bild vor Ort gemacht. 100 Kilogramm gespendete Hilfsgüter, unter anderem Kleidung, Laptops und Spielsachen, haben die beiden in das Kinderheim gebracht. Das war auch der Start für Wolter, sich dauerhaft für die Waisenkinder zu engagieren. Die vielen Schicksale der Knirpse, die zwischen fünf und 14 Jahre alt sind, haben ihn berührt. Da war etwa ein kleines Mädchen, das ihm mit ihren neun Jahren schon erzählte, sie wolle Frauenärztin werden. „Als ich nachfragte warum, erzählte sie, dass ihre Mama an Krebs gestorben ist.“ Ihren Vater habe sie auch seit Jahren nicht mehr gesehen, da er in Katar lebt, um dort Geld zu verdienen. „Das ist bewegend. Da hat man Tränen in den Augen.“

Das Kinderheim und die Hilfsorganisation wurden im Jahr 2010 von Birbahadur Funyal, kurz Bibi genannt, gegründet. Er selbst ist in dem kleinen Bergdorf – etwa eine Tagesfahrt westlich der Hauptstadt Kathmandu entfernt – aufgewachsen. „Er kennt die schwierige Situation dort, will den Kindern einen besseren Start ins Leben ermöglichen, als er es selbst hatte“, erzählt Wolter. Er selbst kennt den Nepalesen über Meierbeck, der ihn wiederum bei einer Tour durch das Himalaya-Gebirge kennengelernt hat.

Projektstart im Jahr 2018

„Die Kinder in Jiri leben in ärmlichsten Verhältnissen, haben kaum Zugang zu Lebensmitteln, medizinischer Versorgung, Kleidung oder Bildung“, sagt Wolter. „Das alles wollen wir ihnen aber ermöglichen.“ Seit dem Erdbeben sind die Kinder in gemieteten Häusern untergebracht. Das soll aber nur eine Übergangslösung sein. „Wir wollen eine Schule mit angeschlossenem Internat aufbauen.“ Das passende Grundstück gibt es schon. Ein Neubau soll darauf entstehen. 200 Kinder sollen die Schule besuchen können, 50 könnten im Internat untergebracht werden. „2018 wollen wir dieses Projekt realisiert haben“, erzählt der studierte Betriebswirt, der jahrelang in der Autobranche gearbeitet hat, nun aber selbstständig ist. „Sonst könnte ich mich auch nicht so intensiv ehrenamtlich engagieren“, sagt Wolter.

Die Kinder in Nepal sind nicht die einzigen, um die sich der 52-Jährige kümmert. Seit sechs Jahren ist er der Mentor eines Jungen, „an den nie jemand geglaubt hat“. Wolter sagt: „Jetzt hat er Abitur gemacht und mit dem Jurastudium angefangen.“ Das macht ihn stolz. Zudem ist Wolter der Vormund eines syrischen Flüchtlings. „Mit ihm gehe ich in den Zoo, ins Museum, spreche mit ihm Deutsch. Nur so kann Integration funktionieren“, sagt Wolter und nippt an seinem Milchkaffee.

Die Hilfsorganisation freut sich über Spenden auf das Treuhandkonto „Nepal-Hilfe“: IBAN: DE 29 7215 0000 0053 6342 18, BIC: BYLADEM1ING. Wer gerne eine Patenschaft übernehmen möchte, der soll eine E-Mail an andreas.wolter@gmx.com schicken.

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