E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 26°C

Stadtteil-Serie (Teil 24): Sachsenhausen: Die ganz andere Seite von Frankfurt

In unserer Stadtteil-Serie haben wir diese Woche Sachsenhausen unter die Lupe genommen. Der Stadtteil zeigt eine ganz andere Seite von Frankfurt.
Foto: Michael Faust
Frankfurt. 

Frühe Hinweise auf eine Besiedlung an der Südseite des Mains lassen sich auf das 6. Jahrhundert datieren. Die eigentlichen Anfänge Sachsenhausens liegen im Dunklen – wie auch die Herkunft des Namens. Einer Legende nach siedelte der in den Sachsenkriegen siegreiche Karl der Große nach dem Blutgericht von Verden im Jahr 782 befriedete Sachsen am Main gegenüber der von ihm gegründeten Königspfalz Frankfurt an.

Andere Theorien sehen die Wortherkunft bei einem königlichen Gefolgsmann namens „Saxo“, der den ersten Adelshof bewirtschaftete, oder in dem Wort „Sassen“ für Gefolgsleute ohne Bürgerrechte. Auch wenn sich die Wortherkunft nicht zweifelsfrei belegen lässt, ist der Name weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Durch Goethes „Götz von Berlichingen“ hat Sachsenhausen sogar Einzug in die Weltliteratur genommen. Dort heißt es: „Gegen Frankfurt liegt ein Ding über, heißt Sachsenhausen.“ Allerdings nahm es der Dichterfürst, der es besser wissen müsste, bei dieser Beschreibung nicht allzu genau: Sachsenhausen hat Frankfurt nie gegenüber gelegen, sondern hat schon immer dazugehört. Der Stadtteil mit seinen derzeit knapp 60 000 Einwohnern war zu keinem Zeitpunkt ein eigenständiger Ort – anders als etwa Höchst.

Dennoch ließen es sich die Sachsenhäuser nicht nehmen, stets ihre besondere Stellung zu betonen. Deutlich wird das durch die Bezeichnung „Dribbdebach“, während alles andere auf der anderen Mainseite „Hibbdebach“ heißt. Oder aber mit dem Brunnenfest: Weil die Sachsenhäuser nicht wie andere die Reinigung der Brunnen der Frankfurter Obrigkeit überließen, sondern selbst Hand anlegten, sparten sie eine Menge Geld, das sie bei einem Fest verprassten – dem Brunnenfest.

Heute ist von der mittelalterlichen Gemütlichkeit kaum noch etwas übrig. In der Nachkriegszeit etablierte sich Sachsenhausen durch seine Ansammlung von Apfelwein-Wirtschaften, Bierlokalen und Nachtbars auch als Vergnügungsviertel. Wegen seiner zentralen Lage und der hohen Lebensqualität gehört der Stadtteil zu den beliebtesten in der Mainmetropole – ein Umstand, der die Immobilienpreise jüngst hat enorm ansteigen lassen. FNP-Reporter Michael Faust hat mit seiner Kamera den Stadtteil erkundet.

Das ist unser Bier

In Sachsenhausen gibt es nicht nur Apfelwein – auch die Freunde des Gerstensaftes kommen auf ihre Kosten. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
In Sachsenhausen gibt es nicht nur Apfelwein – auch die Freunde des Gerstensaftes kommen auf ihre Kosten.

In Sachsenhausen gibt es nicht nur Apfelwein – auch die Freunde des Gerstensaftes kommen auf ihre Kosten. Wegen der zur Kühlung bestens geeigneten Felsenkeller am Sachsenhäuser Berg ließen sich Ende des 19. Jahrhunderts große Brauereien unweit der Darmstädter Landstraße und des Hainer Wegs nieder. 2001 übernahm Binding – heute ein Teil der Radeberger Gruppe – die benachbarte Henninger-Brauerei. Obwohl die Konzernspitze 2009 eine Standortverlegung nach Bad Vilbel ernsthaft in Erwägung gezogen hatte, fiel die Entscheidung letztlich zugunsten des traditionellen Sitzes.

Auf dem Markt gibt es Obst, Gemüse und immer den neuesten Klatsch

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Der Südbahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Viele Pendler, aber auch Anwohner, kommen am nördlich gelegenen Diesterwegplatz vorbei – insbesondere dienstags und freitags, wenn die Beschicker des Wochenmarkts allerlei Obst, Gemüse und den neuesten Tages-Klatsch anbieten. Seit 1985 ist der Markt mit seinen mehr als 20 Ständen bereits eine feste Institution.

Eine Lebensader durch die Jahrhunderte

Die Alte Brücke besitzt eine wechselvolle Geschichte: Im Jahr 1222 erstmals erwähnt, wurde das ursprünglich aus Holz konstruierte Nadelöhr mindestens 18 Mal im Laufe der Jahrhunderte zerstört – und wieder aufgebaut. Für lange Zeit war sie die Lebensader Frankfurts, welche die Sachsenhäuser Brückenstraße mit der Fahrgasse in der Altstadt verband. Auch heute noch besitzt sie als Fußgänger- und Straßenbrücke eine große Bedeutung. Nach einer Jahre andauernden Restaurierung ziert seit Mitte November 2017 der „Brickegickel“ wieder das Brückenkreuz.

Tradition im Bembel

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Seit dem frühen 17. Jahrhundert ist der Apfelwein in Frankfurt bekannt, aber in kaum einem anderen Stadtteil hat er so tiefe Spuren hinterlassen wie in Sachsenhausen. „Fraa Rauscher“ und der Ebbelwei sind nicht wegzudenken. Ganz in dieser Tradition steht die Wirtschaft „Zur Buchscheer“, die in fünfter Generation von Robert Theobald geleitet wird.

In die Bausubstanz wurde nicht investiert

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Schmale Gassen, Fachwerkhäuser, und viele kleine urige Apfelweinkneipen machten Alt-Sachsenhausen zum beliebten Treffpunkt für Nachtschwärmer und Partygänger. Insbesondere zu Zeiten der US-amerikanischen Besatzung erlebte das Amüsierviertel eine Blütezeit. Mit Abzug der Truppen gingen auch erhebliche Umsatzeinbußen der Läden und ein zunehmender Verfall einher. Bei einem Blick über die Dächer wird die ganze Misere deutlich: In die historische Bausubstanz wurde seit Jahrzehnten kaum investiert. Innovative Projekte, das Quartier aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken, sind bislang die Ausnahme. Positiv hervorzuheben sind insbesondere das Atelierhaus „Der kleine Mann mit dem Blitz“ in der Kleinen Rittergasse 11 und der Markt auf dem Paradiesplatz.

Wo eine Oper entstand

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Ende des 14. Jahrhunderts erhielt Sachsenhausen eine Stadtbefestigung, die durch Türme und Tore gesichert war. Der Kuhhirtenturm ist das einzig noch erhaltene Relikt dieser Zeit. Als im 19. Jahrhunderts die Frankfurter Befestigungsanlagen geschleift wurden, blieb der Kuhhirtenturm, eingefügt in die enge Bebauung der Sachsenhäuser Altstadt, vom Abriss verschont und diente als Wohngebäude. Kulturelle Bedeutung erlangte er, als sein wohl bekanntester Bewohner Paul Hindemith in den frühen 1920ern die Oper „Cardillac“ dort schrieb.

Ein Ort des Lichts

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Die St.-Bonifatius-Kirche nimmt eine Sonderstellung unter Frankfurts Kirchen ein: Das Gotteshaus gilt als erster katholischer Kirchenbau der Moderne in Frankfurt und ist direkt mit dem Städtebauprogramm „Neues Frankfurt“ verbunden. Die architektonischen Besonderheiten des anno 1927 im Stil des Backsteinexpressionismus errichteten Gebäudes offenbaren sich eindrucksvoll bei entsprechender Beleuchtung – wie etwa zur Luminale.

Hort der Kultur

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Die Idee zu der Ansammlung unterschiedlicher Museen („Museumsufer Frankfurt“) geht auf den damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann im Kommunalwahlkampf 1977 zurück. Innerhalb weniger Jahre wurden bestehende Museen ausgebaut, neue errichtet und teilweise wurden sogar ehemalige Patriziervillen umgebaut. 2008 sanierte und erweiterte die Stadt einige ihrer Museen, darunter auch das Städel, das einen Erweiterungsbau erhielt. Das Städel Museum ist mit seinen mehr als 4000 Gemälden, 100 000 Zeichnungen, über 4000 Fotografien, 600 Skulpturen sowie einer Präsenzbibliothek mit 115 000 Bänden eines der bedeutendsten deutschen Kunstmuseen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen