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Chance: Sachsenhausen: Investor glaubt an die vergessene Altstadt

Zwei historische Altstädte hat Frankfurt. Die Höchster Altstadt ist wunderschön saniert. Doch gegen den Ballermann-Tourismus in Alt-Sachsenhausen ist die Politik untätig. Dafür gibt es Gründe. Doch Unternehmer wollen die Probleme lösen. Der Investor Steen Rothenberger machte den Anfang.
Samstagabend: Am Zugang zur Kleinen Rittergasse trudeln langsam die ersten Partygäste ein. Foto: Rainer Rüffer Samstagabend: Am Zugang zur Kleinen Rittergasse trudeln langsam die ersten Partygäste ein.
Sachsenhausen. 

In Alt-Sachsenhausen ticken die Uhren anders. 24 Stunden und 7 Tage die Woche gibt es hier nicht. Während in anderen Stadtteilen die Frankfurter einkaufen, in Cafés sitzen und durch Straßen flanieren ist Alt-Sachsenhausen tot, ausgestorben, Hund begraben. Einen Bäcker gibt es nicht. Dafür Sperrmüll und Glasscherben. Das Dorf zwischen Brückenstraße und Dreieichstraße lebt nur am Freitag- und Samstagabend auf. Dann werde die einzige erhaltene und zentrumsnahen Altstadt mit ihren barocken kleinen Häuschen zum Ballermann, sagt Steen Rothenberger.

Ein Investor für Alt-Sachs

Der Unternehmer gehört zu den wenigen, die in das Viertel investieren, um diese Zustände zu ändern. In den vergangenen drei Jahren eröffnete er ein Atelier- und Wohnhaus in der Kleinen Rittergasse, ein Hotel an der Großen Rittergasse und in diesem Jahr folgte das „Bonechina“ auf der anderen Straßenseite. Die Bar ist ein Gegenentwurf zu Shisha-Bar und Billigschnaps. Sie hat nur dienstags bis donnerstags geöffnet, dann wenn Alt-Sachsenhausen eigentlich tot ist.

Unternehmer Steen Rothenberger will das Viertel auch für Familien attraktiv machen. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Unternehmer Steen Rothenberger will das Viertel auch für Familien attraktiv machen.

Rothenberger wolle das „Alt-Sachs“ ein Vergnügungsviertel bleibe, nur eben für Familien, die dort lebten und nicht für Junggesellenabschiede. Die Initiative dazu müsse von Bürgern und Unternehmern ausgehen, sagt er. „Es ist Alt-Sachsenhausens einzige Chance sich selbst aus dem Dreck zu ziehen, weil die Politik den Ballermann-Tourismus durch aktives Unterlassen unterstützt.“ Die Stadt könne etwas gegen Dreck und den nächtlichen Lärm unternehmen.

Mit tiefergreifenden Initiativen hat es die Politik allerdings schwer im Viertel. Ein Vorstoß der Ortsbeiratsfraktionen von CDU und FDP im Herbst 2016 zeigt wieso: Eine Planungswerkstatt sollte damals die Probleme angehen. Der Magistrat lehnte ab. Eigentümer und Kneipenbetreiber seien weder bereit Alt-Sachsenhausen ein neues Image zu geben, hieß es in der Begründung, noch wollten sie dem Verfall der historischen Gebäude etwas entgegensetzen.

Gerade wegen des Lärms wohnten so wenige Menschen im Viertel, sagt Rothenberger. Darum seien Unternehmer gefragt, das Viertel zu entwickeln. Dazu wolle er mit Leuchtturmprojekten Künstler und Kreative nach Alt-Sachsenhausen holen, die dann eigene Ideen entwickelten und realisierte.

Ist das Gentrifizierung? Rothenberger überlegt kurz, bevor er antwortet. Die Frage müsse man sich stellen, wenn Leute ihre Wohnungen räumen müssten, weil ihre Miete zu teuer geworden sei. In Alt-Sachsenhausen wohne aber kaum einer. „Weichen muss nur, wer mit betrunkenem Gegröle das Viertel für Familien und andere versaut.“

Skeptische Nachbarn

Angesprochen auf die Idee des Investors für ein neues Alt-Sachsenhausen, verzieht Heidrun Frank das Gesicht. Gegenüber von Rothenbergers Hotel betreibt die Wirtin seit 22 Jahren das „Hoppla“ und ist Türsteherin in ihrer eigenen Bar. Viel Kontakt gebe es nicht mit dem Nachbarn. Sie sei jedoch skeptisch. Auch dürfe man Alt-Sachsenhausen nicht so schlecht machen. „Die meisten meiner Gäste sind alles liebe Jungs.“ Auch Frank Winkler, Geschäftsführer des „Lorsbacher Thals“, sagt, dass das Viertel besser sei als sein Ruf. Dass man hier etwa nicht mehr sicher sei, wie es manchmal heißt, sei Unsinn. Auch sei es hier unter der Woche nicht ausgestorben, nur eben ruhig. Sein Restaurant sei zumindest gut besucht.

Probleme sieht aber auch Winkler, vor allem den Müll, den Lärm und die Junggesellenabschiede. Gemeinsam mit anderen Unternehmern wie Jürgen Vieth, Betreiber des „Oberbayern“, dem Veranstalter Uli Schlepper oder der Agentur „Bembel“ wolle man Initiativen starten, um das anzugehen, sagt Winkler. Auch Rothenberger gehöre bei der Initiative-Alt-Sachsenhausen wieder zum festen Kern.

Vortrag am Mittwoch

Am morgigen Mittwoch spricht Steen Rothenberger im Deutschen Architekturmuseum über bürgerinitiierte Stadtteilentwicklung. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr. Eintritt: 7,50 Euro/ erm. 5 Euro.

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