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Moschee im Ladenlokal: Salafisten im Schlecker-Markt

Von Aufregung in Ginnheim: Ein mutmaßlich salafistischer Verein will in einem Mehrfamilienhaus eine Moschee einrichten. Der Verein soll mit dem verbotenen islamistischen Missionsnetzwerk DawaFfm in Verbindung stehen. Außerdem mit Predigern, die für den „Heiligen Krieg“ werben.
Im Erdgeschoss dieses Hauses wollen die Muslime künftig beten.	Fotos: rüf Bilder > Im Erdgeschoss dieses Hauses wollen die Muslime künftig beten. Fotos: rüf
Frankfurt. 

Die Schaufenster sind schmutzig, die Schlecker-Aufkleber abgezogen. Im Inneren des Ladenlokals stehen noch ein paar Überbleibsel der früheren Drogerie: Einkaufswagen und Teile des Kassenmobiliars. Die Gewerbeflächen im Erdgeschoss des Hauses Ginnheimer Hohl 32-34 werden schon seit dem Schlecker-Aus nicht mehr genutzt. Der Kultur- und Wohltätigkeitsverein „Al-Ihsan“ will das bald ändern: Er hat den Laden, zu dem auch Kellerräume und Garagen gehören, im Dezember ersteigert. Ziel des im Mai 2013 gegründeten Vereins ist laut Satzung „die Errichtung, Ausstattung und Unterhaltung einer Moschee des sunnitischen Glaubenszweiges“. Viele Bewohner des Hauses mit 24 Eigentumswohnungen sind wegen des Vorhabens in heller Aufregung: Der Staatsschutz der Frankfurter Polizei und das Integrationsdezernat haben der Hausverwaltung mitgeteilt, dass es sich bei „Al-Ihsan“ um einen salafistischen Verein handelt. Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung des Islams, die auf Errichtung eines muslimischen Gottesstaats abzielt. Einige Mitglieder des Vereins „Al-Ihsan“ – der Name bedeutet übersetzt: „Die Barmherzigkeit“ – stehen nach Einschätzung der Behörden mit dem Missionsnetzwerk „DawaFfm“ in Verbindung, das im März 2013 vom damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verboten wurde.

 

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Bei einer Razzia gegen „DawaFfm“ war im Juni 2012 auch die Falah-Moschee in der Raimundstraße durchsucht worden, die nur wenige Gehminuten von der ehemaligen Schlecker-Filiale entfernt liegt. Wie zu hören ist, soll das Haus, in dem sich der Moscheeverein eingemietet hat, verkauft werden. Der Verein „Al-Ihsan“ hat unter anderem im Internetnetzwerk Facebook um Spenden gebeten, um die Schlecker-Räume als neues Domizil für die Gläubigen erwerben zu können. In der Falah-Moschee hatte in der Vergangenheit auch Abdellatif Rouali, Galionsfigur von „DawaFfm“, gepredigt. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sollen dort außerdem dschihadistische Prediger aufgetreten sein, die für den Heiligen Krieg werben.

Die Sicherheitsbehörden interessieren sich auch deshalb für den Verein „Al-Ishan“ und seinen Immobilienkauf, weil Salafisten im Rhein-Main-Gebet zuletzt verstärkt Schüler für den bewaffneten Kampf in Syrien angeworben haben. Um über die Rekrutierungen zu informieren, wurden im November die Leiter weiterführender Schulen ins Polizeipräsidium eingeladen. Zwei Männer, die im Ausland ums Leben kamen, sollen Gerüchten zufolge mit der Falah-Moschee in Verbindung gestanden haben.

Scharafutdin Gadschiew vom Vorstand des Vereins „Al-Ihsan“ bestreitet das auf Nachfrage dieser Zeitung: In der Falah-Moschee sei nie zu Gewalt aufgerufen oder für den bewaffneten Kampf geworben worden. Auch Sheikh Abdellatif habe das in seinen Predigten nicht getan. Er, Gadschiew, habe auch nichts über Muslime im Umfeld der Moschee gehört, die in den „Heiligen Krieg“ gezogen seien. Die Moschee ist Gadschiews Einschätzung nach nur deshalb ins Visier der Sicherheitsbehörden gerückt, weil ein Afghane aus ihrem Umfeld im Ausland von US-Soldaten verhaftet und unter Terrorverdacht gestellt worden sei. „Der junge Mann hatte aber nur seine kranke Mutter besuchen wollen.“

In Behördenkreisen begegnet man solchen Äußerungen mit Misstrauen: Eine friedliche Fassade vorzuschieben sei eine Strategie der Salafisten. Auch für den Kauf der ehemaligen Schlecker-Räume seien „zwei völlig unbescholtene Männer“ ausgewählt worden. Die Verbindungen in gewaltbereite Kreise seien meist informell und deshalb schwer nachzuweisen. Die Falah-Moschee und der Verein „Al-Ihsan“ stünden wegen ihrer salafistischen Ausrichtung unter der Beobachtung des Verfassungs- und Staatsschutzes.

 

Alarmierte Hausverwaltung

 

Die Frankfurter Verwaltung des Hauses Ginnheimer Hohl 32-34 will den Einzug des mutmaßlich salafistischen Vereins mit Hilfe eines Rechtsanwalts verhindern. In ein paar Tagen können die Eigentümer in einer außerordentlichen Versammlung über die Eintragung der Käufer ins Grundbuch abstimmen. „Der Kaufvertrag muss gegebenenfalls rückabgewickelt werden“, sagt die Chefin der Hausverwaltung. Die Einrichtung einer Moschee im Erdgeschoss des Gebäudes sei schon deshalb unmöglich, weil die Teilungserklärung nur eine Ladennutzung zulasse. Einer Änderung der Teilungserklärung, die sozusagen die Verfassung des Hauses ist, müsste eine Mehrheit der Wohnungseigentümer zustimmen.

Eine der Hausbewohnerinnen weiß schon jetzt, dass sie gegen den Verein „Al-Ihsan“ stimmen wird. Sie wendet sich – ganz unabhängig von der Ausrichtung der geplanten Moschee – gegen den Publikumsverkehr, den ein Versammlungsraum mit sich brächte: „Es gab auch schon den Plan, hier eine Kindertagesstätte einzurichten; den haben wir aus demselben Grund abgelehnt.“ Wohnungen oder ein Laden wären ihr und den meisten anderen Hausbewohnern am liebsten, sagt die Eigentümerin.

Eine salafistische Moschee könnte ihrer Einschätzung nach das ganze Viertel verändern: „Ein solche Einrichtung würde natürlich eine entsprechende Klientel anlocken.“

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