Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 20°C

Kammermusikverein tritt künftig im Historischen Museum auf: Saskia Schneider: Die Flötistin und die blaue Blume

Die Querflötistin Saskia Schneider hat stets nach Perfektion gestrebt. Vor 15 Jahren gründete sie den Kammermusikverein „Blaue Blume“, dessen Programm klassische Musik mit Malerei und Literatur verbindet. Ab Sonntag zieht der Verein von der Loge der Einigkeit in den Saalhof des Historischen Museums.
Die Querflöte gibt im Leben von Saskia Schneider den Ton an. Nach internationalem Erfolg spielt sie nun seit 15 Jahren für die „Blaue Blume“. Bilder > Foto: Heike Lyding Die Querflöte gibt im Leben von Saskia Schneider den Ton an. Nach internationalem Erfolg spielt sie nun seit 15 Jahren für die „Blaue Blume“.
Innenstadt. 

Als Querflötistin und Vorsitzende des Kunstvereins „Blaue Blume“ lebt Saskia Schneider in zwei Welten. Im Frankfurter Kulturbetrieb organisiert, verwaltet und akquiriert sie. Das war nicht immer so. Ursprünglich entstammt die Musikerin der Welt der schönen Künste. Auch hier dreht sich ihr Leben um die blaue Blume; um jenes romantische Symbol der Sehnsucht nach Perfektion. So erscheint Joseph von Eichendorffs Gedicht „Die blaue Blume“ wie eine Blaupause für Schneiders künstlerisches Streben:

Erste Strophe: „Ich suche die blaue Blume,/ Ich suche und finde sie nie,/ Mir träumt, dass in der Blume / Mein gutes Glück mir blüh.

Nie ist man gut genug

Ein Instrument zu erlernen, sagt Schneider, ist vor allem ein Kampf gegen sich selbst und gegen die eigenen Unzulänglichkeiten: gegen die tatsächlichen und wie die eingebildeten. Gut genug ist man nie.

Wie alt Schneider ist, verrät sie nicht. „Weil Frauen auf der Bühne stets auch nach Oberflächlichkeiten bewertet werden.“ Sie erzählt aber, dass sie aus Neuwied bei Koblenz kommt. Mit zwölf Jahren beginnt sie Querflöte zu spielen. Zwei Jahre hatte es gedauert, ihre Eltern – die Mutter war Lehrerin, der Vater Steuerberater – davon zu überzeugen, ihr das Instrument und den Unterricht zu bezahlen. „Es ist gut, wenn man als Kind darum kämpfen muss“, sagt Schneider. „Dann gibt man nicht so schnell auf, wenn es einmal schwer wird.“ Schneider hielt durch.

Querflöte lernen, hieß täglich drei Stunden üben. Während des Studiums – erst in Freiburg, dann in Karlsruhe – waren es dann vier bis fünf Stunden. Der Konkurrenzdruck ist enorm. Gehört man nicht zu den Besten, stirbt der Traum von der Solistenkarriere. Nie habe man das Gefühl, genug zu üben, sagt sie. Dank ihres Ehrgeizes schafft sie es 1983 in die Meisterklasse von Maxence Larrieu, einem bekannten Flötisten am Genfer Konservatorium für Musik.

Über einen Freund lernt sie hier James Galway kennen, der sie privat unterrichtet. Ihn nennt Schneider den „David Garrett unter den Flötisten.“ Er sei der erste gewesen, der das Flötenspiel populärer interpretierte.

Entgegen der engen Vorstellungen der Akademie, die versuchte etwa Bach so zu spielen, wie er in seiner Zeit geklungen habe, schaue Galway darauf, was dem Publikum gefällt. Die Trennung zwischen „ernsthafter Musik“ und Unterhaltung gebe es für ihn nicht. Das gefällt Schneider.

Noch gehört die Querflötistin ganz in die Welt der schönen Künste. „All meine Freunde waren Musiker.“ Auch das Studium finanziert sie sich, in dem sie an Musikschulen unterrichtet.

Zweite Strophe: „Ich wandre mit meiner Harfe/ Durch Länder, Städt und Au’n,/ Ob nirgends in der Runde/ Die blaue Blume zu schaun.“

Nach ihrem Examen folgen Auftritte in Indonesien und den USA. Mehr Auftritte führen zu mehr Kontakten und diese wieder zu mehr Auftritten. Ab 1987 ist sie vor allem in Polen unterwegs. Sie und der Pianisten Marek Mizera werden als deutsch-polnisches Duo bekannt, touren durch Botschaften und Vereinshäuser in großen wie kleinen Städten. Mit Hilfe der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit entsteht ihre erste CD.

Während sie durch die Welt reiste fällt ihr langsam auf: Da ist eine Diskrepanz zwischen Künstlern und denen, die die Kunst finanzieren. „Die sprechen nicht die gleiche Sprache.“ 1994 geht sie darum wieder an die Universität. Kulturmanagement schlägt eine Brücke zwischen den beiden Welten – und bereitet Schneider auf die Arbeit in der für sie neuen Welt vor. Als 1996 ihre Tochter geboren wird, möchte sie nicht mehr herumreisen. Sie lässt sich in Frankfurt nieder und gründet 2002 den Verein „Blaue Blume“.

Kammermusik erneuern

„Damit erneuern wir das verstaubte Image der Kammermusik“, sagt Schneider. Unbekannte Komponisten schreckten stets alle ab, außer ein paar eingefleischten Musikexperten. Schneider will aber, dass auch Laien einen Zugang zu ihrer Kunst finden. Darum verknüpft der Verein „Blauen Blume“ Musik mit Malerei und Literatur. Beim nächsten Abend etwa, am Sonntag um 19 Uhr im Saalhof des Historischen Museums, steht der Bildhauer Auguste Rodin im Zentrum. Anlässlich seines 100. Todestages verbindet Schneider literarische Texte und klassische Kompositionen aus seiner Zeit mit persönlichen Zitaten des Künstlers, harmonisiert sie. „Wer es schwer mit den Kompositionen von Debussy hat, dem helfen die anderen Kunstformen.“

Die Texte liest der Schauspieler Helmut Winkelmann. Die Musik spielen die Pianistin Susanne Pentek und eben Saskia Schneider an der Querflöte. Für sie heißt die Arbeit jedoch auch, sich alle vier Wochen in einen neuen Künstler einlesen zu müssen: seine Biografie und seine Zeit. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen muss sie zudem die Räume organisieren, Vereinsmitglieder verwalten und Sponsoren aquirieren.

Die Querflötistin Saskia Schneider steht fest in beiden Welten. Ihre Gedanken rasen fast pausenlos im Kopf herum. Nur wenn sie Querflöte spielt, sagt Schneider, kommt Ruhe über sie.

Dritte Strophe: „Ich wandre schon seit lange,/ Hab lang gehofft, vertraut,/ Doch ach, noch nirgends hab ich/ Die blaue Blum geschaut.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse