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Denkmalschutz: Schäden am Berger Rathaus ermittelt: Nun wird ein Planer gesucht

Von Nach und nach entdeckten Experten immer mehr Schäden am denkmalgeschützten Berger Rathaus. Die Bestandsaufnahme ist abgeschlossen. Die Stadt beginnt jetzt die Suche nach einem Experten, der die Sanierung plant.
Lorena Pethig betrachtet kritisch einen Teil der freigelegten Fachwerkfassade am ersten Stock das Berger Rathauses. Bilder > Foto: Salome Roessler Lorena Pethig betrachtet kritisch einen Teil der freigelegten Fachwerkfassade am ersten Stock das Berger Rathauses.
Bergen-Enkheim. 

Mit kritischem Blick betrachtet Lorena Pethig, Konservatorin des Denkmalamts, vom Gerüst aus das freigelegte Fachwerk des alten Berger Rathauses. Eine „Katastrophe“ sei der Versuch einer Restaurierung in den 1930er Jahren gewesen. Damals wurde das Sichtfachwerk des Rathauses, das irgendwann im 18. Jahrhundert, in der Zeit des Barock, verputzt worden war, wieder freigelegt. „Damals war offenbar die Holzkonstruktion geschädigt, und man hat einfach die äußere Schicht der Balken entfernt und Bohlen darauf gesetzt und angemalt.“ Die Balken sind dadurch dünner, nicht mehr so tragfähig, und Wasser konnte sich zwischen den Balken und den einfach darauf genagelten Bohlen sammeln. Dadurch zersetzte sich das Holz.

Doch das ist nur eine von vielen Baustellen des Berger Rathauses, bei dem nun endlich feststeht, was alles kaputt ist. Zumindest, so weit das möglich sei, sagt Christine Hammel, Architektin im Hochbauamt. „Alles kann man nicht untersuchen. Die ein oder andere Überraschung kann es immer noch geben.“ Im kommenden Jahr wird endlich auch die Sanierung geplant, im Jahr 2018 soll sie dann beginnen.

Komplett eingerüstet

Immerhin sei das Gebäude, dessen Dachstuhl aus dem Jahr 1507 stammt und der somit einer der ältesten im Rhein-Main-Gebiet ist, nicht mehr einsturzgefährdet, sagt Hammel. Seit Dezember 2015 ist das Haus eingerüstet, komplett verborgen unter einem grünen Netz, ein hoher Holzzaun umgibt das Gebäude. Auf der Marktstraße fließt der Verkehr nur einspurig, eine Ampel regelt den Verkehr.

„Damals begann ein Statiker, die Fassade zu untersuchen, und entdeckte sofort schwere Schäden“, sagt Christine Hammel. Der Erker auf der Ostseite drohte herunterzufallen und wurde abgestützt. Holz und Fachwerk rings ums Rathaus sind morsch. „An einer Stelle steckte der Statiker seine Hand in die Wand. Sie verschwand komplett im Innern“, erinnert sich Pethig.

„Was inzwischen zu einem denkmalschützerischen Großprojekt angewachsen ist, begann 2007 noch recht harmlos“, sagt Hammel. Damals ging es vor allem um das Treppenhaus. Das diente dem Museum als Fluchtweg, das der Heimatverein im Rathaus betreibt. „Doch schon 2009 war klar, dass es dabei nicht bleibt, sondern dass wir uns auch um das Dach kümmern müssen.“

Pethig und Hammel zeigen einen Plan, in dem farbig markiert ist, welcher Teil des Daches wie alt ist. Der Dachstuhl selbst stammt, wie erwähnt, von 1507. Zwei Jahrhunderte später wurde ein schwerer Balken, der die Decke des früheren Ratssaals im ersten Stock trägt, am Dachstuhl aufgehängt. Und bald darauf setzten die Bergen-Enkheimer 1740 ihrem Rathaus einer Mode folgend ein kleines Türmchen, einen barocken Dachreiter, auf.

Verfaulte Deckenbalken

Um das komplette Gebälk zu untersuchen, musste 2012 zunächst das Heimatmuseum mitsamt seinem im Dachgeschoss befindlichen Archiv ausziehen. Dabei stellte sich heraus, dass im ersten Stock die Enden einiger Deckenbalken stark verfault sind. An einigen Stellen sind sie bereits so weit geschädigt, dass sie nicht einmal mehr auf dem Rähm aufliegen, also jenem Balken, der den oberen Abschluss der Außenwand bildet. Der Dachreiter selbst sei zwar stabil gebaut, erklärt Pethig, seine Verbindungen zum Dachstuhl hingegen „funktionieren nicht“. Immerhin: Das massiv gemauerte Erdgeschoss weist keine Schäden auf.

Mit einer europaweiten Ausschreibung sucht die Stadt nun einen Experten, der die Sanierung plant. Im kommenden Frühjahr soll er mit der Arbeit beginnen. Kümmern müsse er sich nicht nur um technische Fragen, sondern auch um denkmalschützerische, sagt Lorena Pethig. „Es geht auch darum, ob wir das Gebäude im ursprünglichen Zustand wieder herstellen und wie wir mit späteren Änderungen umgehen.“ So gibt es im ersten Stock vieles aus der Barockzeit, aber auch Türblätter aus den 1950er Jahren, in denen das Haus zum Museum wurde. Eine restauratorische Befunduntersuchung – etwa der verschiedenen Anstriche, die das Haus binnen 500 Jahren erhielt – gibt es schon.

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