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Verkehrsplanung: Schienen entlang der Autobahn: Neue Trasse soll den Frankfurter Osten entlasten

Von Mit einer Schienenstrecke von Bad Vilbel bis Offenbach entlang der Autobahn A 661 will Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) langfristig eine neue Verbindung im Frankfurter Osten schaffen. Die „Regionaltangente Ost“ würde nach seiner Schätzung rund 500 Millionen Euro kosten.
Frankfurt. 

Schon heute ist Frankfurt Pendlerhauptstadt in Deutschland. Straßen und Bahnen sind überfüllt. Und die Einwohnerzahlen in der Rhein-Main-Region werden Prognosen zufolge in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen. Das bedeutet, dass täglich noch mehr Menschen unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz sind. „Auf der Straße werden wir das Problem nicht lösen können“, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) kürzlich in Frankfurt. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept für die Region.“ Das Schienennetz sei „auf Kante genäht“, könne kaum noch zusätzliche Fahrgäste aufnehmen.

Al-Wazir hält deshalb einen weiteren Ausbau der Infrastruktur für nötig – über die derzeit schon geplanten oder beschlossenen Maßnahmen hinaus. Da der Baubeginn für die „Regionaltangente West“ (RTW) in greifbare Nähe rücke, müsse man darüber nachdenken, auch im Osten nicht sämtliche Linien zum Hauptbahnhof zu führen. Al-Wazir stellt sich einen Schienenring um Frankfurt vor.

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Im vergangenen Jahr hatte bereits Bürgermeister Uwe Becker (CDU) eine „Regionaltangente Ost“ (RTO) vorgeschlagen, die von Bad Vilbel östlich an Bergen-Enkheim vorbei über Maintal nach Mühlheim führen würde. Doch diese Trasse liegt nach Ansicht von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) zu weit außerhalb der Stadt. Er hat eine andere Idee: Eine Schienenstrecke von Bad Vilbel bis Offenbach-Kaiserlei könnte weitgehend entlang der Autobahn A 661 geführt werden und so den Frankfurter Osten erschließen. Genügend Platz ist nach seiner Einschätzung vorhanden. „Nur ein kurzes Stück müsste im Tunnel geführt werden“, sagte Oesterling im Gespräch mit dieser Zeitung.

Neun Kilometer Neubau

Er schätzt die Baukosten für die etwa neun Kilometer lange Strecke auf rund 500 Millionen Euro. „Das erscheint viel. Die Summe relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass wir im Gewerbegebiet Gateway Gardens am Flughafen 250 Millionen Euro für eine einzige S-Bahn-Station ausgeben.“ Oesterling schlägt vor, die neue Verbindung nicht als klassische S-Bahn, sondern wie eine oberirdische U-Bahn-Strecke zu bauen. Das sei günstiger und biete Vorteile bei der Trassierung. Es müssten dann – wie bei der RTW – Zweisystem-Fahrzeuge eingesetzt werden, die sowohl auf der S-Bahn, als auch auf U-Bahn-Gleisen fahren können. Oesterling stellt sich folgende Trassenführung vor: Vom Bad Vilbeler Nordbahnhof aus nutzen die Züge zunächst die S-Bahn, um dann auf die Neubaustrecke einzuschwenken, die zunächst der B 3 und dann der A 661 folgt. An der Friedberger Landstraße könnte eine erste Verknüpfung mit dem innerstädtischen Netz hergestellt werden. Dort könnten Fahrgäste in die Straßenbahn umsteigen, auch ein Park & Ride-Platz ist denkbar. Weitere Verknüpfungspunkte sind an der Seckbacher Landstraße (U 4), am Erlenbruch (U 7), am Ratswegkreisel (Straßenbahn, S-Bahn) und am Kaiserlei (S-Bahn) möglich. Dort würde Oesterling die Strecke zunächst enden lassen. Die Fahrzeit von Bad Vilbel bis Kaiserlei würde sich gegenüber der heutigen Busverbindung von 45 auf 16 bis 18 Minuten verkürzen, schätzt Oesterling. Damit wäre die Bahn gegenüber dem Auto konkurrenzfähig.

Möglich wäre es auch, die Strecke mit der U 4 zu verbinden und einige Züge direkt in die Innenstadt zu führen, so Oesterling. Er kann sich außerdem eine Fortführung bis Neu-Isenburg und den Anschluss an die RTW vorstellen. Im Norden müsste man eine Trasse nach Bad Homburg finden, um den Schienenring um Frankfurt zu vollenden. Alternativ wäre eine Verlängerung über die Niddertalbahn nach Glauburg-Stockheim möglich.

Einhausung erweitern

Von der RTO verspricht sich Oesterling vor allem eine Entlastung des Frankfurter Ostens. Denn auch nach der Fertigstellung des Riederwaldtunnels, die immer weiter in die Ferne rückt, würden Prognosen zufolge kaum weniger Autos auf den innerstädtischen Straßen unterwegs sein. „Wir können das Straßennetz aber nicht mehr erweitern“, ist Oesterling überzeugt.

Sollten Land und Bund dennoch irgendwann einmal die A 661 von vier auf sechs Spuren erweitern wollen, stünde die RTO diesen Plänen nicht im Weg. Auch die geplanten Wohngebiete zwischen Nordend und Seckbach („Ernst-May-Viertel“) seien nicht gefährdet. Allerdings, so Oesterling, müsste man bei der geplanten Einhausung der Autobahn die Bahnstrecke gleich mit berücksichtigen. Oesterling will die RTO in den neuen Gesamtverkehrsplan aufnehmen, der in den kommenden Jahren erstellt wird.

Günter Murr
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