Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Doppelmord am Gerichtsgebäude: Schießerei in Frankfurt – Ein Anwalt in Todesangst

Elard Biskamp war der Verteidiger einer der beiden Männer, die im Januar vor einem Frankfurter Gerichtsgebäude getötet wurden. Im Prozess sagte er nun aus.
Eines der beiden Opfer wird vor dem Landgericht in einen Krankenwagen gebracht. Geholfen werden konnte ihm nicht mehr.	Foto: kam Eines der beiden Opfer wird vor dem Landgericht in einen Krankenwagen gebracht. Geholfen werden konnte ihm nicht mehr. Foto: kam
Frankfurt. 

Für drei, vier Sekunden hatte Rechtsanwalt Elard Biskamp mit seinem Leben abgeschlossen. Er schaute an jenem frühen Vormittag des 24. Januar in den Lauf der Pistole, die ihm vor dem Gerichtsgebäude E vor das Gesicht gehalten wurde. Biskamp war der Verteidiger einer der Männer, die an diesem Morgen vor dem Justizgebäude getötet wurden und deshalb auch dem Todesschützen bekannt. „Ich wusste, dass er mich auch für den Freispruch der Männer im ersten Prozess verantwortlich machen würde“, sagte Biskamp gestern als Zeuge im Doppelmord-Prozess gegen den 48-Jährigen vor der Schwurgerichtskammer. Die Opfer waren 2008 wegen Notwehr nicht für den Tod des Bruders des Schützen verantwortlich gemacht worden.

 

Bilderstrecke Blutbad vor dem Frankfurter Amtsgericht
Blutbad an Frankfurter Gericht: Ein 47 Jahre alter Mann hat am 24. Januar 2014 vor dem Amtsgericht zwei Männer getötet. Mit Fotos von dpa, Gerhard Rhode (5) und Salome Roessler (3).Bestatter laden die Leiche eines Opfers in einen Leichenwagen.Vor einem gemeinsamen Prozesstermin trafen die drei Männer vor dem Gerichtsgebäude «E» aufeinander. In Gebäude «E» befindet sich das Frankfurter Amtsgericht.

Am 24. Januar sollte Biskamp wieder bei Gericht einen der Männer verteidigen. Wie so oft, traf er sich zunächst aber zur traditionellen Kaffeerunde mit Richtern, Rechtsanwälten und Dolmetschern in der Justizkantine. „Ich geh noch eine rauchen“, sagte er dann und stellte sich vor den Haupteingang, während sein Anwaltskollege mit den beiden Angeklagten näher kam. „Plötzlich fiel ein Schuss und einer der Männer sackte zusammen“, sagte Biskamp gestern. Noch ehe er die Lage richtig begreifen konnte, fielen weitere Schüsse. Während der Schütze im Gebäude verschwand, hielt der Anwalt den Kopf des röchelnden Mannes auf seinem rechten Oberschenkel. Dann kam der Schütze plötzlich wieder mit einem großen Messer und der Pistole und stach auf den Sterbenden ein. Und plötzlich wurde auch der Verteidiger ins Visier des Angreifers genommen.

„Er stach mit dem imposanten Messer massivst auf sein Opfer ein. Ich erkannte bei ihm einen ganz zweifelsfreien Tötungswillen“, sagte Biskamp: „Das war nicht nur ein Stechen, das war ein Hacken.“ Kurze Zeit später sah der Verteidiger, dass es auch seinen Mandanten getroffen hatte. Er lag leblos am Fuß der Treppe in einer Blutlache, ebenfalls von mehreren Schüssen und Stichen getroffen.

Während Biskamp und auch sein Kollege Joachim Bremer, der Verteidiger des anderen Opfers, anschaulich die Szenerie vor dem belebten Eingang des Gebäudes schilderten, saß der Angeklagte schweigend neben seinem Verteidiger. Die von dem Rechtsanwalt bereits in der vergangenen Woche angekündigte Erklärung seines Mandanten gab es auch gestern nicht und wird es voraussichtlich auch morgen, am vierten Verhandlungstag, nicht geben. Das Gericht wird stattdessen weitere Tatzeugen vernehmen – viele von ihnen sitzen auf Abruf in ihren Dienstzimmern oder in der Kantine.

(ge)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse