Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 19°C

Landgericht Frankfurt: Schläger wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Eine Statue der Justitia. Foto: David Ebener/Archiv Eine Statue der Justitia. Foto: David Ebener/Archiv
Frankfurt. 

Während am nahe gelegenen Mainufer das Museumsuferfest Menschenmassen anlockte, entwickelte sich am späten Abend des 30. August 2014 an einem Kiosk am Frankensteiner Platz in Sachsenhausen eine wüste Schlägerei. Ein heute 48 Jahre alter Mann schlug einen etwas älteren Kontrahenten zusammen, versetzte dem bereits am Boden liegenden Opfer mehrere Tritte gegen den Kopf und schleuderte eine Weinflasche auf den erheblich verletzten Mann. Die Bilanz des Gewaltexzesses: Drei ausgeschlagene Zähne, eine Gehirnerschütterung und – seit gestern – ein Prozess gegen den Schläger wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Frankfurt.

In den gut zweieinhalb Jahren seit seiner Attacke hat sich beim Angeklagten die „Betriebstemperatur“ erheblich abgekühlt. Es tue ihm leid, sagte er vor der Schwurgerichtskammer, und diese Reue ließ er sich auch etwas kosten. 3000 Euro wurden bereits auf das Konto des Opfers überwiesen, weitere 3000 Euro sollen folgen.

Über den Hintergrund der Attacke erfuhr man am ersten Verhandlungstag indessen nur wenig. Angeblich soll das spätere Opfer den Streit mit abfälligen Bemerkungen über Ausländer und einem Rempler angezettelt haben. Jedenfalls war bei beiden Streithähnen auch kräftig Alkohol mit im Spiel. Der Angeklagte hatte damals mehr als ein Promille, sein Kontrahent 2,3 Promille Alkohol im Blut.

Wegen der massiven Tritte des Angeklagten gegen den Kopf seines Opfers geht die Staatsanwaltschaft von einem bedingten Tötungsvorsatz aus, auch wenn diese Taten keine lebensgefährlichen Verletzungen nach sich zogen. Aber wer mehrfach gegen ein lebenswichtiges Organ wie den Kopf trete, müsse gegebenenfalls auch den Tod des Gegners einkalkulieren, so die Auffassung der Anklagevertreterin.

Ob es am Ende allerdings dabei bleiben wird, ist mehr als zweifelhaft. Es sind in Frankfurt am Main so gut wie keine Fälle bekannt, bei denen ein Angeklagter tatsächlich wegen versuchten Totschlags verurteilt worden wäre. Stattdessen kommt bei entsprechenden Gerichtsverhandlungen meist nur eine Bestrafung wegen gefährlicher Körperverletzung heraus – die aber durchaus bis zu zehn Jahre Haft bedeuten kann. Hinzu kommt die Frage, ob der Schläger womöglich von sich aus mit der Gewalt aufgehört hatte und deshalb einen „strafbefreienden Rücktritt vom Totschlagsversuch“ für sich in Anspruch nehmen könnte. Alle diese Fragen will die Schwurgerichtskammer in vier Verhandlungstagen bis Anfang Juni klären.

(ge)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse