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Bahnhofsviertel: Schlafplatz für Drogenabhängige gesucht

Von Dutzende Drogenkonsumenten verbringen die Nacht in den Straßen des Bahnhofsviertels. Sie liegen auf dem Gehweg, rauchen Crack und stören die Ruhe der Anwohner. Braucht es eine niedrigschwellige Einrichtung, wo sie bis in die Morgenstunden bleiben können? Politik, Polizei und Drogenhilfe diskutieren.
Nachts in der Niddastraße: Rechts schlummert ein Mann, links unterhalten sich ein Mann und eine Frau aus der Drogenszene. Nachts in der Niddastraße: Rechts schlummert ein Mann, links unterhalten sich ein Mann und eine Frau aus der Drogenszene.
Frankfurt. 

Die Einrichtungen der Drogenhilfe im Bahnhofsviertel sind beliebte Treffpunkte für suchtkranke Menschen. Vor den Drogenkonsumräumen, in denen unter geschützten Bedingungen Heroin gespritzt und Crack geraucht werden kann, bilden sich tagsüber große Personengruppen. Spätabends, wenn die letzte Einrichtung schließt, zerstreut sich die Drogenszene etwas. Es gibt aber einen harten Kern, der auch dann noch im Bahnhofsgebiet bleibt, um die Nacht auf der Straße zu verbringen.

Anwohner beschweren sich immer wieder über Szenemitglieder, die auf dem Gehweg lagern, offen Rauschmittel konsumieren, bis tief in die frühen Morgenstunden reden, streiten oder raufen. Die Zahl der suchtkranken Menschen, die sich nachts im Bahnhofsviertel aufhalten, ist nach Angaben des Frankfurter Ordnungsamts vom Kontrolldruck, von der Witterung und Uhrzeit abhängig. Behördensprecher Michael Jenisch beziffert sie auf „zirka 20 bis 50“, ein Mitarbeiter der Frankfurter Drogenhilfe auf „40 bis 70“.

„Rustikale Einrichtung“

Bei einem Rundgang durch das Bahnhofsviertel mit der Frankfurter Rundschau (FR) hat sich Bernadette Weyland, CDU-Kandidatin für das Amt des Oberbürgermeisters, jetzt für einen Vorschlag stark gemacht, der schon länger herumgeistert und offenbar immer mehr Befürworter hat: „Was wir hier brauchen, ist ein warmer Raum, wo sich die Menschen nachts aufhalten können“, sagte Weyland der FR.

Eine „rustikale Einrichtung“, die die Cracksüchtigen nachts aufsuchen können, hatte Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill schon vor Monaten angeregt. „Rustikal“ bedeutet hierbei: einfach eingerichtet. Aus Behördenkreisen ist zu hören, dass über den Vorschlag auch in den Spitzengesprächen im Römer und Wiesbadener Innenministerium diskutiert wurde. Die Landespolizei sieht in einem Aufenthaltsraum, in dem Suchtkranke die Nacht verbringen können, offensichtlich eine Möglichkeit, die nächtliche Situation im Bahnhofsviertel zu entschärfen.

Ein langjähriger Mitarbeiter der Drogenhilfe betont aber, dass die Einrichtung „niedrigschwellig“ sein müsste. Für die Notschlafbetten, die die Drogenhilfe im Stadtteil bereithält, seien zum Beispiel ein Aufnahmegespräch und die Vorlage eines Ausweisdokuments erforderlich. Das reiche aus, um eine gewisse Klientel abzuschrecken, sagt der Drogenhilfe-Mitarbeiter. Registrierungen und Hausverbote, wie sie in den Konsumräumen mitunter verhängt würden, dürfte es in einer niedrigschwelligen Einrichtung seiner Ansicht nach nicht geben.

Geeignete Räume

Als Ort für eine „rustikale“ oder „niedrigschwellige Einrichtung“ werden in der Landespolizei und Drogenhilfe mitunter die Räume des früheren „Café Fix“ in der Moselstraße genannt. Der Kontaktladen für die Drogenszene wurde vor einiger Zeit geschlossen. Manuela Skotnik aus dem Sozialdezernat sagte gestern, dass das Objekt derzeit für „eine andere soziale Nutzung“ vorgesehen sei, wollte dazu aber keine näheren Angaben machen. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (CDU) hatte sich im Hinblick auf eine nächtliche Aufenthaltsstätte für die Drogenszene zunächst zurückgehalten. Er schickte für drei Monate Streetworker mit einem Nachtbus ins Bahnhofsviertel. Diese sollten die Suchtkranken auf der Straße nach ihren Bedürfnissen befragen und ihnen eine Fahrt in die Drogenhilfeeinrichtung „Eastside“ in Fechenheim anbieten, wo es Übernachtungs- und Wohnplätze gibt.

Obwohl die Bedarfsanalyse schon seit mehreren Wochen abgeschlossen ist, lassen die Ergebnisse noch auf sich warten. Nach Informationen dieser Zeitung wurde das Angebot eines Bustransfers zum „Eastside“ aber kaum angenommen. In einigen Nächten stiegen angeblich nur zwei Personen ein. Alles sieht danach aus, dass die Mitglieder der Drogenszene, die sich nachts im Bahnhofsgebiet aufhalten, genau dort sein wollen. Gesundheitsdezernent Majer war gestern übrigens in Termine verstrickt und bis zum Abend nicht für ein Gespräch über die „Bedarfsanalyse“ und eine „rustikale Einrichtung“ zu erreichen.

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