Schlagabtausch bei der FNP

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters steigt die Spannung. Rund 200 Zuhörer wollten sich gestern Abend in den Räumen der FNP davon überzeugen, wer der bessere Kandidat ist: Boris Rhein (CDU) oder Peter Feldmann (SPD).
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Frankfurt. 

Die beiden Politiker sehen müde aus, als sie sich auf dem Podium neben FNP-Chefredakteur Rainer M. Gefeller stellen. Der Wahlkampf, der jetzt schon seit Wochen läuft, ist ein Knochenjob. Trotz der Anspannung schlafen sie aber gut, versichern Rhein und Feldmann. Kein Wunder: Wohnen beide doch im Frankfurter Norden und nicht im fluglärmgeplagten Süden.

Womit die Diskussion beim Top-Thema dieses Wahlkampfs ist: dem Fluglärm. Für Lärmobergrenzen plädieren beide. Feldmann sieht das Limit bei einer Belastung von 55 Dezibel ("Ich vertraue da auf das Umweltbundesamt") – was für Rhein aber völlig unrealistisch ist ("Das ist so laut wie eine Kaffeemaschine"). Der CDU-Kandidat will die Flugbewegungen begrenzen, nennt aber keine Zahl. "Wer kein Ziel definiert, macht sich auch nicht überprüfbar", schimpft Feldmann.

Die Kontrahenten reden sich langsam warm. Wenn Feldmann spricht, schüttelt Rhein häufig den Kopf, zieht die Augenbrauen hoch, schmunzelt ironisch, zweifelt die Kompetenz des SPD-Politikers an. Einmal haut er sogar mit der Faust auf den Tisch. Feldmann bleibt ruhig, lächelt, lässt sich nicht provozieren, greift Rhein aber gelegentlich mit einer scharfen Bemerkung an. Im Publikum wächst die Unruhe. Beide Kandidaten haben Anhänger mitgebracht, die ihren Favoriten mit Applaus anfeuern.

Sie erleben zum Beispiel, wie Rhein und Feldmann beim Thema Kinderbetreuung aneinandergeraten. Der CDU-Politiker will hier von Sparbeschlüssen, wie sie die schwarz-grüne Koalition ins Auge gefasst hat, nichts mehr wissen. "Wir müssen da noch eine Schippe drauflegen, ich habe mit dem Kämmerer gesprochen." Er wolle sich bemühen, mehr Erzieherinnen zu bekommen. Für Feldmann reicht das nicht. "Er hat sich bemüht": Das sei das Schlimmste, was man in ein Zeugnis schreiben könne . . .

Kontrovers wird auch die Wohnungspolitik diskutiert. Feldmann wiederholt seine Forderung, 100 Millionen Euro in den Bau preiswerter Wohnungen zu investieren. "Das brauchen wir nicht", kontert Rhein. "Wohnungsbau ist in Frankfurt noch nie am Geld gescheitert." Feldmanns Folgerung: "Das Thema Wohnen interessiert Sie einen feuchten Kehricht."

Unterschiedlich präsentieren sich die Bewerber um den Chefposten im Römer bei ihrem Amtsverständnis. Feldmann bekräftigt, dass er als Oberbürgermeister das Wirtschaftsdezernat übernehmen wolle. Ein "arbeitender OB" werde er sein. Rhein hingegen will die Zuständigkeiten so belassen, wie sie die amtierende OB Petra Roth verteilt hat. "Von einem jungen Mann hätte ich mir mehr erwartet", zeigt sich Feldmann enttäuscht. Er sichert den Dezernenten der Grünen zu, ihre Kompetenzen nicht anzutasten. "Ich bin ein kooperativer Mensch." Rhein hingegen hält Feldmann vor, er habe keine Mehrheit, könne gegen die schwarz-grüne Koalition nichts von seinen Vorstellungen durchsetzen.

Am Ende wird es noch ein klein wenig peinlich für die Kandidaten. Moderator Rainer M. Gefeller fragt sie nach dem Preis für ein S-Bahn-Ticket im Stadtgebiet – sie wissen es nicht. Und auch bei Zahlen zum städtischen Haushalt kommen sie ins Schwimmen, wobei Rhein bei den Kulturausgaben (171 Mio. Euro) immerhin die richtige Größenordnung trifft. Aber fürs Geld hat der künftige Oberbürgermeister – ganz egal, wer es wird – ja den Kämmerer...mu

Im Video: Die Kandidaten zur Familienpolitik




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