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Stadtteil-Ansichten: Schlagfertige Politiker

Beim „Politiker-Slam“ auf der Berger Straße bleiben Stadtteilpolitikern anderthalb Minuten, um Stellung zu beziehen zu Themen, die Bürger bewegen. Das Format könnte Zukunft haben, zeigt es rasch, wer Ahnung hat oder auch nicht.
Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen stellt sich beim „Politiker-Slam“ auf der Berger Straße den Anliegen von Bürgern. Weil er und den anderen Ortsbeiratskandidaten nur 90 Sekunden Redezeit pro Thema bleiben, müssen die Politiker auf den Punkt kommen, um zu überzeugen. Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greiffenhagen stellt sich beim „Politiker-Slam“ auf der Berger Straße den Anliegen von Bürgern. Weil er und den anderen Ortsbeiratskandidaten nur 90 Sekunden Redezeit pro Thema bleiben, müssen die Politiker auf den Punkt kommen, um zu überzeugen.
Bornheim. 

Eine Ortsbeiratssitzung ersetzt die Bühne auf dem Fünffingerplätzchen in Bornheim freilich nicht. Doch es ließe sich was abkupfern vom sogenannten „Politiker-Slam“, der an einem heiteren Samstagmittag einige Bürger auf den Platz auf der Berger-Straße lockt: 90 Sekunden Redezeit bleiben den einzelnen Ortsbeiratskandidaten, um ihre Meinung zu vorgegeben Themen zu äußern, die die Bürger im „lustigen Dorf“ berühren.

Es lässt sich daher nicht um den heißen Brei herum reden und es fällt auf, wenn ein Stadtteilpolitiker nicht wirklich im Bilde ist. Fünf Runden stehen an, im ersten Durchgang geht es um den Wunsch nach einer autofreien Fußgängerzone in der Berger Straße, den Bürger im Rahmen einer Internetumfrage geäußert haben.

Martin Ried von den Grünen stellt sich dem Thema als erstes und sieht keinen Anlass für eine neue Ordnung auf Bornheims Hauptschlagader: „Es funktioniert gut, so wie es ist. Vor und nach Fussballspielen wird die Berger Straße ohnehin meist zur Fußgängerzone.“

Darius Shafiei-Mehryar, Fraktionsvorsitzender der SPD, sieht dies anders und kann sich eine Fußgängerzone zumindest im Bereich zwischen der Höhenstraße und der Wiesenstraße vorstellen. „Immer mehr Menschen ziehen nach Bornheim. Es wird eng“, findet Shafiei-Mehryar.

Die Piraten würden die Fußgängerzone am liebsten gleich verwirklichen. „Denn wir machen lieber, als dass wir reden“, behauptet Alexander Schnapper, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei in Hessen. Ein Herz für Autofahrer hat hingegen Melanie Fischer von der FDP – auch wenn sie nach eigenen Aussagen selbst nie auf die Idee kommen würde, mit dem Auto über die Berger Straße zu fahren. „Aber warum verbieten“, fragt sie, „die Berger ist schließlich keine riesige Verkehrsstraße.“

Zweite Runde

Um Forderungen nach mehr Bäumen und übrigem Grün, nach mehr Sitzgelegenheiten auf der Berger Straße, aber auch um Kritik von Bürgern an zu vielen Festen im Stadtteil geht es in der zweiten Runde. Als Ortsvorsteher möchte Bodo Pfaff-Greiffenhagen die Bornheimer auf keinen Fall beim Feiern einschränken. „Schließlich dienen die Feste hier stets auch einem guten Zweck“, findet er. Und genug Platz für mehr Bäume und Bänke sei auf der Berger Straße noch immer.

„Wir Grünen unterstützen die Forderung nach mehr Grün schon alleine wegen unseres Namens“, verspricht das Bornheimer Fraktionsmitglied Herrmann Steib. Alexander Schnapper macht zwar klar, dass er als Neu-Frankfurter noch nicht wirklich Ahnung hat von den Gegebenheiten im „lustigen Dorf“. „Aber Frankfurt ist ja eine tolle Bankenstadt. Warum nicht mehr Sitzgelegenheiten.“

Kontroverser geht es in der dritten Runde zu. Bezahlbarer Wohnraum lautet das Thema, bei dem sich Melanie Fischer von der FDP in Allgemeinplätzen verliert und Bornheim von den Problemen anderer Stadtteile noch verschont sieht. Dass sie darüber noch mal nachdenken sollte vermittelt ihr das Publikum. „Du hast keine Ahnung, lass stecken“, brüllt jemand dazwischen.

Mehr Sauberkeit

Auf die Rufe nach mehr Sauberkeit in Bornheim nimmt Martin Ried von den Grünen nicht nur sich und seine Politiker-Kollegen in die Pflicht: „Jeder einzelne muss was dagegen tun und vielleicht auch mal rücksichtslose Mitbürger ansprechen.“ Kein spezifisches Berger-Straßen-Problem sind aus Sicht von Pearl Hahn von der Linken die Bettler: „Denn gibt es mehr Bettler, ist dies auch ein Zeichen für größere soziale Ungerechtigkeit.“

Der große Schlagabtausch zwischen den Stadtteilpolitikern bleibt auf der Bühne auf dem Fünffingerplätzchen zwar noch aus. Heißer hergehen dürfte es aber am 5. März, wenn einen Tag vor der Kommunalwahl der nächste „Politiker-Slam“ auf der Berger Straße steigt.

Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim-Mitte, ist zufrieden. Der Gewerbeverein hatte seine Agentur Kultpour beauftragt, eine Imagekampagne zur Belebung der mittleren Berger Straße zu entwickelt. Ein Ergebnis war die Initiative mit dem Titel „Lust auf Leben – Willkommen im Stadtteil“, die auch den „Politiker-Slam“ ins Leben rief.

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