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Schmerzlicher Abschied von „Christa“

Auf den ersten Blick sieht Florian Heinke aus wie ein Rocker. Großflächige Tattoos blitzen unter seinen Hemdärmeln hervor, sogar die Fingerknöchel sind tätowiert.
Christa Näher und Kilian Bumiller vor einem der Bilder Nähers in Bumillers Haus in Bornheim. 	Foto: Kammerer Christa Näher und Kilian Bumiller vor einem der Bilder Nähers in Bumillers Haus in Bornheim. Foto: Kammerer
Frankfurt. 

Wie ein Kontrast wirkt es, als er beinahe liebevoll über seine ehemalige Professorin Christa Näher spricht: „Christa war immer sehr menschlich, sie hörte immer zu, wenn man Probleme hatte und nahm jeden ernst“, erzählt er. Von 2005 bis 2009 war er an der Städel Schule bei „Christa“ in der Klasse. In der Zeit lernte er bei ihr, wie man sich künstlerisch entfalten kann, wie man - wie er sagt - ehrliche Kunst schafft, ohne Effekthascherei.

Christa Näher war knapp 30 Jahre Professorin an der Städel Schule. Jetzt - mit 66 Jahren - ist es Zeit zu gehen. „Ich will jetzt endlich wieder mehr Zeit für meine Bilder haben, für meine Kunst“, sagt die ganz in schwarz gekleidete Künstlerin auf ihrer Abschiedsfeier. Ohnehin wollte sie eigentlich nie an eine Schule gehen und Kunst lehren, der Liebeskummer trieb sie damals: „Ich brauchte etwas, das mich so anstrengt, dass ich nicht zum Nachdenken komme“, sagt Christa Näher und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Aber es wurde an der Städel Schule ganz schnell richtig schön.“ Der damalige Städel Schuldirektor Kasper König holte die Malerin aus Köln nach Frankfurt. Geplant war ursprünglich nur ein Jahr. Doch aus dem einen Jahr wurden dann 30.

Die jung gebliebene Professorin war beliebt. Vor allem durch ihren antiautoritären Unterricht, bei dem sich jeder nach seiner Façon verwirklichen konnte. Ihre letzte Malerei-Klasse organisierte am vergangenen Wochenende eigens eine Abschiedsfeier in der Berger Straße 6. Die Räumlichkeiten stellte der Immobilien-Mogul Kilian Bumiller zur Verfügung. Unter dem Motto „Goldene Bombe“ hingen auf zwei Stockwerken Kunstwerke von ehemaligen Studenten und auch von Christa Näher selbst aus. Ihre Kunstwerke sind von mythisch-fantastischen Motiven, von Tieren und geheimnisvollen Wesen geprägt.

Auch von Florian Heinke hängt im ersten Stock ein Bild. Der 31-Jährige gehört zu den prominenten Studenten Nähers. Er hatte Ausstellungen in New York, Los Angeles und Hamilton (Neuseeland). Seine Malerei nennt sich Black Pop und ist düster. Totenköpfe oder ausgestreckte Mittelfinger prangen hervor, immer in schwarz-weiß. „Es geht bei mir um einen gesellschaftspolitischen Ansatz, den ich in meinen Werken verfolge“, erzählt der Künstler.

Vor einigen Jahren half er seiner Professorin, im baden-württembergischen Wolfegg einen Holzschuppen zu bauen. „Christa fragte mich und ein paar andere Studenten, ob wir nicht Lust hätten, ihr zu helfen“, erinnert sich der sanftmütige Rockertyp.

Nach Wolfegg wird die „Christa“ nun endgültig zurückkehren, um sich voll und ganz ihrer Kunst zu widmen. Ihre Studenten werden sie vermissen. „Sie war eine ganz besondere Professorin, ganz anders als die anderen“, sagen zwei Studenten aus ihrer letzten Malerei-Klasse und fügen hinzu: „Wir werden sie sehr vermissen.“

(trx)
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