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Sodexo: Schüler der IGS demonstrieren gegen den Wechsel des Caterers

Am Montag wanderte fast die komplette Schülerschaft der IGS Nordend nach Rüsselsheim zur Sodexo Zentrale. Joaquin Rio Antas gelang es schließlich, die etwa 400 Briefe seiner Mitschüler abzugeben. Einen verantwortlichen Mitarbeiter bekam er dabei jedoch nicht zu sehen.
Die Schüler Kian (links) und Mika demonstrieren vor dem Sitz des Verpflegungskonzerns Sodexo. Foto: Fabian Sommer (dpa) Die Schüler Kian (links) und Mika demonstrieren vor dem Sitz des Verpflegungskonzerns Sodexo.
Nordend. 

Schon von weitem sind die Trillerpfeifen, die Trommeln und das laute Gejohle von etwa 500 Schülern der IGS Nordend in Frankfurt in der Eisenstraße in Rüsselsheim zu hören. Es ist kurz vor 11 Uhr, als der Demonstrationszug, mit Unterstützung der Polizei, vor der Firmenzentrale des Großcaterers Sodexo eintrifft. Eine halbe Stunde vorher waren die Schüler in mehreren S-Bahnen mit ihren Lehrern, einigen Eltern und Schulleiter Uwe Gehrmann am Bahnhof von Rüsselsheim eingetroffen.

Die ganze Aktion steht unter der Überschrift „Wandertag der Demokratie und Teilhabe“. Doch in Wirklichkeit möchten sich die Schüler bei dem Unternehmen Gehör verschaffen, das sie in Zukunft nicht als Betreiber ihrer Schulmensa sehen wollen. Seit einem Monat kämpfen Schülerschaft, Eltern und Lehrerkollegium gegen die Entscheidung des Schulamts der Stadt, Sodexo den Zuschlag für das Catering der Mensa zu erteilen. Durch einige Formfehler im Wettbewerb um die Ausschreibung – sie findet alle fünf Jahre statt – hat der aktuelle Caterer Cantina Buen Barrio nach zwei gewonnenen Angeboten dieses Mal verloren (wir berichteten).

Joaquin Rio Antas, Neuntklässler der IGS Nordend, hat die Stadt verklagt, weil ihre Köchin durch einen Großcaterer ersetzt werden soll.
Caterer-Wechsel Dieser Schüler der IGS Nordend verklagt die Stadt

Joaquin Rio Antas ist Schüler der IGS Nordend. Wegen des bevorstehenden Caterer-Wechsels hat der 15 Jahre alte Schüler jetzt eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Angeklagt ist dabei die Stadt Frankfurt.

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Nachdem alle Schüler vor dem eher unscheinbaren Gebäude, in dem Sodexo residiert, eingetroffen sind, wird es schlagartig noch einige Dezibel lauter. Die Jugendlichen holen aus ihren Rasseln, Trommeln und Pfeifen alles heraus, was geht. Dazwischen rufen die Vorsitzende des Schulelternbeirats, Stephanie Dietmann, der Schulleiter, der Schulsprecher, Ruben Cappelluti, und die Mutter von Joaquin Rio Antas, der wegen des bevorstehenden Caterer-Wechsels eine Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht hat, ihr Forderungen ins Megaphone. „Mit Sodexo wird das Essen schlechter. Jetzt gehen sogar die Zehntklässler gerne in der Mensa essen. Wenn Sodexo kommt, werden sie das nicht mehr tun. Es gibt aktuell eine tolle Auswahl und eine flexible Essensgestaltung in unserer Schulmensa. Sodexo wird das nicht mehr bieten können“, ist sich Ruben Cappelluti sicher.

„Mensa retten“

Jeder Redebeitrag endet mit dem kollektiven Ruf „Mensa retten, Mensa retten.“ Dabei halten die Schüler, die ein Protestschild dabeihaben, ihre Banner und Poster in die Höhe. Andere Jugendliche filmen mit der Handy-Kamera mit oder beobachten, ob sich im Gebäude etwas tut. Tatsächlich sind nach wenigen Minuten im Obergeschoss immer wieder Gesichter zu erkennen, die durch die Fensterscheiben nach unten blicken. Vor die Tür kommt allerdings niemand.

Die Schüler und Lehrer der IGS Nordend in Frankfurt demonstrieren in Rüsselsheim gegen Sodexo, den neuen Betreiber ihrer Mensa. Der derzeitige Betreiber Cantina Buen Barrio hatte in der Ausschreibung der Stadt Frankfurt gegenüber Sodexo verloren.
IGS Nordend Streit ums Essen: Schüler protestieren beim Groß-Caterer

Mit Sprechchören wie „Mensa retten” haben rund 500 Frankfurter Schüler vor dem Sitz des Verpflegungskonzerns Sodexo in Rüsselsheim demonstriert.

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Schließlich führen der Schulsprecher und Joaquin Rio Antas den Demonstrationszug zum Haupteingang des Großcaterers. In der Hand halten sie dabei etwa 400 Briefe als Paket geschnürt, die die Schüler der IGS verfasst haben. Darin steht zum Beispiel: „Unser jetziges Mensateam gehört meiner Meinung nach zur Schule“ oder „mache Schüler aus meiner Klasse haben schlechte Erfahrungen mit Sodexo gemacht.“

Ruben Cappelluti und Joaquin Rio Antas stehen mehrere Minuten vor der Eingangstür. Dabei wird das Rufen, Pfeifen und Trommeln wieder lauter. Fast haben sie aufgegeben, als sich doch endlich die erste von zwei Doppeltüren öffnet. Sie stehen nun in der Schleuse vor dem Eingang und überlegen, ob sie das Briefpaket einfach hier ablegen sollen. Doch plötzlich kommt ein Sicherheitsmitarbeiter und teilt mit, dass er eine Person in das Gebäude lassen werde. Es ist Joaquin Rio Antas, der die Briefe am Empfang abgeben darf.

Abgespeist wie ein Bote

Als er nach einer Minute wieder herauskommt, stellt er fest: „Ich finde es gut, dass ich hineindurfte. Allerdings wurde ich abgespeist wie ein Bote. Ich habe keine verantwortliche Person aus dem Unternehmen gesprochen.“ Genau das bemängelt auch die Schulelternbeiratsvorsitzende Stephanie Dietmann, als sich die Schüler nach der Übergabe der Briefe wieder auf den Weg nach Hause machen. Es habe niemand von Sodexo sein Gesicht gezeigt, so Dietmann und weiter: „Das war eine schwache Leistung des Großcaterers.“

Der Protest soll nun ausgeweitet werden. „Wir wollen unser Netzwerk ausbauen. Es geht auch an anderen Schulen nicht, dass das Thema Verpflegung über die Köpfe der Schüler hinweg entschieden wird. Das ist eine Frage, die weit über Hessen hinausgeht.“

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