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Eltern geht die Geduld aus: Schulen überfüllt, marode, viel zu weit weg: Die Liste der Klagen bleibt beschämend lang

Von Schüler und Eltern demonstrierten gestern vor dem Römer dafür, Schulen dort anzusiedeln, wo auch die Kinder wohnen. Deren Not wird von Jahr zu Jahr größer.
Trotz großer Hitze kamen gestern Kinder, Mütter und Väter, um für eine bessere Versorgung mit Schulplätzen zu demonstrieren. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Trotz großer Hitze kamen gestern Kinder, Mütter und Väter, um für eine bessere Versorgung mit Schulplätzen zu demonstrieren.
Frankfurt. 

Wer sich an einem Tag wie gestern zur Demo auf dem Römerberg statt ins Schwimmbad aufmacht, dessen Sorgen müssen schwer wiegen. So schwer, wie die Schulwege einiger Kinder lang sind, die das Schicksal getroffen hat, dass ihnen ein Platz an einer weiterführenden Schule zugewiesen wurde. Mit Bussen und Bahnen brauchen sie teilweise eine Stunde je Richtung. Das macht ihre Tage so lang, dass für Freizeit kaum Zeit bleibt. Das berichteten gestern knapp 150 Eltern und Kinder, die vor dem Rathaus für wohnortnahe Schulplätze demonstrierten. Sie forderten die Stadt auf, neue Schulen schnell und vor allem dort zu bauen, wo ein Großteil der Frankfurter Kinder wohnt.

Drei Jungs, drei mal Bangen: Henry (v.l.), Carlo, Tom, Kerstin Kort-Schelm. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Drei Jungs, drei mal Bangen: Henry (v.l.), Carlo, Tom, Kerstin Kort-Schelm.

„Jedes Mal müssen wir bangen: Erst um den Kita-, dann um den Hortplatz und nun auch noch um die weiterführende Schule. Das ist zu viel“, sagte Kerstin Kort-Schelm, Mutter von drei Söhnen. Erst in einem Jahr steht für ihren Mittleren der Schulwechsel an, mit dem Großen hat sie die Zitterpartie schon durch. „Wir hatten Glück, wurden an der Wunschschule genommen. Aber wer weiß denn, was uns beim nächsten Versuch blüht?“

Keine Zeit für Chor und Co.

Kobé (10) und drei seiner Mitschüler aus der Schwarzburgschule im Nordend haben das gerade erlebt: Gymnasium Nied steht in ihren Zuweisungsbescheiden, keiner hatte die noch junge Schule als Wunsch angegeben. Eine Stunde dauert die Fahrt mit Bus und Bahn, vielleicht könnte es nach den Herbstferien einen Schulbus geben. „Dabei ist die Schule cool, wir waren schon da. Aber der Weg ist schlimm“, sagt Selin. Morgens früh raus, abends früher ins Bett, keine Zeit mehr zum Spielen. Spanisch, das sie so gerne lernen wollte, gibt es in Nied nicht. Und was soll mit ihrem Tennis- und Gesangsunterricht werden, die nachmittags um 17 Uhr beginnen?

Oder mit der Lernförderung, in die die Tochter nachmittags geht? Von diesem Fall berichtet eine andere Mutter, deren Tochter nun von Preungesheim nach Fechenheim pendeln soll. Vorbei an nähergelegenen Schulen, die sie nicht aufnehmen wollen. . .

Kobé und Silke Hannah zeigen anschaulich, was sie ratlos macht. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Kobé und Silke Hannah zeigen anschaulich, was sie ratlos macht.

Eltern und Kinder trugen ihre Kritik auch im Bildungsausschuss vor. Dort offenbarte sich wieder, wie groß die Misere in den Schulen ist. Denn auch die Vertreter der Holzhausenschule sprachen wieder vor: Dort stinken die Toiletten zum Himmel und eine benutzbare Sporthalle gibt es gar nicht. Ein Toilettenwagen auf dem Hof der Grundschule im Westend und Sportunterricht in Hallen in Rödelheim und Nied – mehr kann Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) nicht bieten. Auch die Vertreter der Paul-Hindemith-Schule vertröstet sie: Ja, das pädagogische Konzept der Gesamtschule sei auf vier parallele Züge ausgelegt, aber die Schule müsse sechs neue Klassen aufnehmen. „Eine Übergangs- und Notlösung.“ Von der Dahlmannschule ist zu hören, dass sich inzwischen die Eltern darum kümmern, dass das Schulgebäude abgeschlossen wird. . .

Schlechte Noten

Die Mitglieder im Bildungsausschuss hören vor allem zu. Sabine Fischer, bildungspolitische Sprecherin der CDU, betonte, dass die Probleme erkannt seien. Die Wahl der weiterführenden Schule dürfe aber kein taktisches Abwägen, sondern eine Auswahl zwischen pädagogischen Angeboten sein. Birgit Ross (Grüne) lobte Fortschritte bei der Inklusion: Jedes Kind, für das es gewünscht wurde, wird auch in Klasse fünf inklusiv beschult, die Ressourcen dafür stünden bereit. Das ist aber eher Verdienst des Landes, ebenso wie der Zuspruch für die neuen Schulen, denen Weber Lob aussprach: „Die Konzepte sind gut, sie werden angewählt.“ Die Konzepte entstehen mit dem Staatlichen Schulamt. Die Stadt, so fasste es FDP-Mann Stefan von Wangenheim zusammen, verdiene schlechtere Noten. „Wir dürften die Stadt vor lauter Baukränen kaum sehen können. Aber es passiert nichts!“

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