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Stadtteil-Serie (Teil 10): Schwanheim hat seinen dörflichen Charme bewahrt

Mit dem Frankfurter Westen werden oft weniger schöne Seiten der Mainmetropole verbunden: Großindustrie, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. In Schwanheim jedoch haben zuletzt eher Wildschweine, die sich zu weit vom Stadtwald in den Stadtteil wagen, für die meisten Schlagzeilen gesorgt.
Schwanheim Schwanheim
Schwanheim. 

Ansonsten haben die Menschen kaum Anlass zum Klagen – vor allem nicht über einen Mangel an Grün. Weite Teile Schwanheims sind umgeben vom Stadtwald, grünen Wiesen und dem Main. Bekannt gemacht hat den Stadtteil vor allem das Naturschutzgebiet Schwanheimer Düne. Dabei handelt es sich um eine 58,5 Hektar große Binnendüne, die vor etwa 10 000 Jahren nach der letzten Eiszeit entstand und heute ein beliebtes Naherholungsgebiet ist.

Die Nähe zur Natur geht aber nicht mit großen Entfernungen zum Rest der Welt einher. Vom Ortskern aus braucht man mit der richtigen Verbindung knapp 20 Minuten in die City. Noch schneller erreicht man von Schwanheim aus das Tor zur Welt, den Frankfurter Flughafen, sowie die Autobahn A5.

Auch wenn sich Schwanheim seinen dörflichen Charme bewahrt hat, haben die nicht weit entfernten Chemiebetriebe in Höchst und Griesheim den Stadtteil in den vergangenen Jahrzehnten am meisten geprägt. Sie verwandelten den Ort ab dem 19. Jahrhundert von einem Bauerndorf zu einer Arbeitersiedlung. Eingemeindet zu Frankfurt wurde das im Jahr 880 erstmals urkundlich erwähnte „Sueinheim“ 1928. Rund 21 000 Einwohner, von denen die meisten aber in der Siedlung Goldstein leben, der wir eine der nächsten Stadtteil-Bildserien widmen, gibt es im Stadtteil.

Während man heutzutage in Schwanheim den städtischen Trubel hinter sich lassen kann, hat der Stadtteil in seiner 1137-jährigen Historie viel erlebt: Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schwanheim fast vollständig zerstört. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Stadtteil bis 1930 von den Franzosen besetzt.

Im Jahr 1993 traten aus einem Werk der Hoechst AG 10 Tonnen eines gesundheitsschädlichen Stoffs aus, gingen über Schwanheim und Goldstein nieder und sorgten für Augenbrennen, Unwohlsein, Erbrechen und Hautveränderungen bei Anwohnern. Ansonsten aber herrscht in Schwanheim meist heile Welt – FNP-Reporter Ben Kilb hat sich umgeschaut.


Über den Dächern


Der Blick aus dem Kirchturm der Mauritiuskirche auf Alt-Schwanheim ist eigentlich nur dem Küster vorbehalten. Die Kirche im neugotischen Stil wurde im Jahr 1901 eingeweiht. Im Jahr 2001 wurde auf dem Kirchengrundstück eine vergrabene Deckplatte mit dem Christuskorpus, einer spätgotischen Grablegungsgruppe aus der Zeit kurz nach 1400 mit den zwei Köpfen umstehender Heiligenfiguren, entdeckt. Jene Fundstücke sind die ältesten Steinzeugen Schwanheims und sind in der Mauritiuskirche ausgestellt.

Schwanheim


Bahnhof als Museum


Schmuck sieht er aus der ehemalige Waldbahnhof in Schwanheim. Ab dem Jahr 1889 und bis ins vergangene Jahrhundert verkehrte zwischen Schwanheim und Neu-Isenburg eine Dampfstraßenbahn, die den Stadtteil besser mit dem Rest von Frankfurt verbinden sollte. Die ehemaligen Depots des Waldbahnhofs werden heute als Verkehrsmuseum sowie als Betriebsgebäude der Frankfurter Verkehrsgesellschaft genutzt.

Der ehemalige Waldbahnhof in Schwanheim.


Wasserspiele sind versiegt


Die Eulenspiegel-Figur räkelt sich nach wie vor lasziv im Schwanheimer Waldspielpark. Doch mit dem Wasserspiel der Figur ist es vorbei. Die Stadt lässt die einstige Attraktion im Waldspielpark nicht sanieren, weil die Figur dafür zu marode ist. Im Augenblick sucht die Stadt Frankfurt nach einer Notlösung, um die Besucher des Waldspielparks künftig abzukühlen.

Die Eulenspiegel-Figur


Hier geht es um die Wurst


Seit drei Jahrzehnten gibt es die Wurstbude in Alt-Schwanheim, Brigitte Schleicht verkauft seit sieben Jahren ihre Spezialitäten. Sie sieht keinen Anlass, Schwanheim den Rücken zu kehren. „Der Stadtteil bietet alles, was man will. Hier kennt sich jeder, die Kundennähe ist groß. Man kann oft ein Schwätzen miteinander halten. Schwanheim ist ein äußerst liebenswerter Stadtteil“, schwärmt sie.

Seit drei Jahrzehnten existiert die Wurstbude in Alt-Schwanheim bereits.
 

Zerstört und aufgebaut


Blick auf die Mauritiusstraße in Schwanheim. Der rund 21 000 Einwohner zählende Stadtteil hat in seiner über 1000-jährigen Geschichte viel erlebt: Er wurde vollkommen zerstört, von den Franzosen besetzt und von giftigen chemischen Wolken heimgesucht.

Blick auf die Mauritiusstraße in Schwanheim.


Komische Kunst


Der sogenannte Struwwelpeter-Baum steht auf den Schwanheimer Wiesen. Die Kopfweide ist dem Haupt des vom Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann erfundenen Struwwelpeters nachempfunden. Den Baum ließ die Stadt allerdings auf Anregung des Künstlers F. K. Waechter pflanzen, der im Jahr 1970 den „Antistruwwelpeter“ zeichnete. Dieser hat eine ganze Reihe ähnlich komischer Kunst entworfen, die nach und nach entlang des GrünGürtel-Rundwanderweges umgesetzt wird.

Der so genannte Struwwelpeter-Baum auf den Schwanheimer Wiesen. Bild-Zoom Foto: Ben Kilb
Der so genannte Struwwelpeter-Baum auf den Schwanheimer Wiesen.



















Naturschutzgebiet in Stadtnähe

Auf einem schmalen Steg müssen sich Besucher durch die Schwanheimer Düne bewegen. Entstanden ist die Düne vor etwa 10 000 Jahren nach der letzten Eiszeit. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war sie mit Kiefern bewachsen, doch ein Schädling sorgte dafür, dass große Teile gerodet werden mussten. Seit 1984 ist der Ort als Naturschutzgebiet ausgewiesen, weil sich dort seltene Flora und Fauna findet.

Auf diesem Steg müssen sich Besucher durch die Schwanheimer Düne bewegen, das übrige Naherholungsgebiet darf nicht betreten werden.

Geschnatter im Zoo

Der Kobelt Zoo ist ein kleines Reich für Tiere. Er wurde im Jahr 1916 eröffnet und nach dem Naturforscher Wilhelm Kobelt benannt. Der Zoo finanziert sich aus Spenden, der Eintritt ist kostenlos. Gänse, Hasen, Pferde, Esel und Ziegen lassen sich hier streicheln. Außerdem gibt es Affen, Schlangen, Papageien, Nasenbären, Frettchen und Präriehunde.

Schwanheimer Kobelt Zoo


Hoch zu Ross

Seit mittlerweile 14 Jahren leitet Anne Woelert gemeinsam mit Joao Mimoso eine Reitschule für klassisch barocke Reiterei auf dem Schwanenhof in Frankfurt Schwanheim. Die klassisch-barocke Reitweise orientiert sich an den Lehren des französischen Reitmeisters François Robichon de la Guérinière. Diese Tradition wird auch an der Wiener Hofreitschule gepflegt.

Reiterei auf dem Schwanenhof in Frankfurt Schwanheim
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