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Mietvertrag gekündigt: "Schwarz Katz" : Älteste Kneipe Niederrads schließt

Schon Goethe soll sie besucht haben, jeder Niederräder kennt sie. Inhaber Rüdiger Prinz blickt nach 33 Jahren hinter dem Tresen zurück auf seine eigene Geschichte mit der „Schwarz Katz“.
Wo Gaststätteninhaber Rüdiger Prinz künftig sein Feierabendbier trinken wird, weiß er noch nicht. Foto: Michael Faust Wo Gaststätteninhaber Rüdiger Prinz künftig sein Feierabendbier trinken wird, weiß er noch nicht.
Niederrad. 

Zu Beginn des Jahres 1984, an einem Freitag den 13., übernahm Rüdiger Prinz unverhofft eine Kneipe in der Kelsterbacher Straße 28. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er noch nicht, dass er, der eigentlich nur stiller Teilhaber sein wollte, die nächsten 33 Jahre dort verbringen sollte. Doch die Niederräder Traditionskneipe „Schwarz Katz“ ließ ihn nicht mehr los, über drei Jahrzehnte stand er hinter dem Zapfhahn und ging erst, als der Letzte sein Bier ausgetrunken und den letzten Bissen seines nächtlichen Sandwiches heruntergeschluckt hatte. Doch ebenso unverhofft wird er diese Kneipe nun zum letzten Septembertag dieses Jahres schließen müssen. Denn das Grundstück, auf dem sie steht, hat eine neue Besitzerin. Und diese wolle, so Prinz, keine Kneipe in unmittelbarer Nähe haben. Höchstens ein Café dürfe es sein. Doch das kommt für den Kneipier nicht in Frage.

Die neue Besitzerin des Gebäudes will hier keinen Kneipenbetrieb mehr. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Die neue Besitzerin des Gebäudes will hier keinen Kneipenbetrieb mehr.

Sein halbes Leben hat er in der „Schwarz Katz“ gearbeitet, nahezu seine ganze Zeit hier verbracht. „Das erste Mal hier drin war ich mit 7. Mit einem Schulkameraden bin ich nach der Schule oft hergelaufen. Die alte Besitzerin war dann irgendwann so etwas wie meine Mutter“, erzählt der heute 63-Jährige. Auch als er älter wurde, und die Besitzerin inzwischen gewechselt hatte, blieb er treuer Besucher der kleinen Kneipe. „Selbst an Weihnachten war ich hier. Nach dem Fest mit der Familie wurde eben hier bis in die Puppen weiterbeschert“, sagt Prinz ein bisschen wehmütig lachend. Aber das seien noch andere Zeiten gewesen. Wann hier der Gaststättenbetrieb begann, weiß keiner mehr so genau. Doch bereits im 19. Jahrhundert gab es in dem Gebäude Tanzveranstaltungen.

Hochbetrieb

Noch in den 1950er Jahren habe die Kneipe einen skandalösen Ruf gehabt. „Die Amerikaner gingen hier ein und aus und es wurde mehr Geld verzockt als eingenommen wurde“, erzählt Prinz. In den 60er und 70er Jahren habe sich der Ruf dann verbessert, was aber nicht heiße, dass die Partys weniger wild gewesen seien. Als Rüdiger Prinz die Kneipe 1984 übernahm, lief der Betrieb immer noch auf Hochtouren, viele Vereine trafen sich hier und genossen nicht zuletzt den – eher halb legalen – Nachtbetrieb der Kneipe. Das ging morgens um 9 Uhr los bis open end. „Wir haben dann die Türen und Fenster verhängt, so dass von außen nichts zu sehen war. Wenn man aber die Klinke vom Tor noch durchdrücken konnte, wussten die Leute, es ist noch offen“, erinnert sich Prinz.

Doch schon in den nächsten Jahren sollte die wilde Zeit ihr Ende finden. Im Jahr 1984 habe es 35 Kneipen in der Umgebung gegeben, 1988 seien es schon 50 gewesen. Der Wettbewerb hat die „Schwarz Katz“ viel Kundschaft gekostet, Prinz aber hat weitergemacht.

Im Jahr 2008, als das Rauchverbot in ganz Deutschland durchgesetzt wurde, verabschiedeten sich noch viele weitere seiner treuen Gäste. Gemeinsam mit befreundeten Wirten demonstrierte Prinz jeden Montag gegen das Verbot und erkämpfte sich schließlich den Status der „Raucherkneipe“. Das Geschäft sollte zwar auch dann nie wieder so laufen, wie vor der Jahrtausendwende, doch Prinz wäre nie auf die Idee gekommen, seine geschichtsträchtige Kneipe zu schließen.

Bis zum 30. September

Nun, da eine Schließung der Kneipe nach langem Prozedere von der neuen Besitzerin des Grundstücks erzwungen wurde, kann Prinz nicht mehr „einfach weitermachen“, wie er es die vergangenen Jahrzehnte seines Lebens getan hat. Nur noch bis zum 30. September wird er für seine verbliebenen Stammtische und die Eintracht-Fans, die sich hier immer treffen, hinter dem Zapfhahn stehen.

Bleibt die Frage, wo er selbst nun sein Feierabendbier trinken wird. Abends daheim auf dem Sofa sitzen, das könne er nicht, nachdem er all die Jahre bis spät in die Nacht auf den Beinen war. „Tja, mal sehen, dann werde ich wohl Freunde in anderen Kneipen besuchen müssen“, sagt der Besitzer der „Schwarz Katz“, die bald Geschichte sein wird. In Niederrad wird das nicht einfach werden, denn die Kneipe war die letzte im Stadtteil, die auch noch nachts geöffnet war.

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