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In Bonames-Ost entstehen weniger Wohnungen: Schwerer Weg zu neuen Baugebieten

Von Die wachsende Stadt braucht zusätzliche Wohnungen. Gegen die Ausweisung neuer Baugebiete gibt es allerdings häufig Widerstand. In Bonames hat sich die schwarz-grüne Koalition jetzt zu einem Kompromiss durchgerungen. Proteste sind aber auch gegen andere Projekte zu erwarten.
Das geplante Baugebiet Bonames-Ost in einer symbolischen Darstellung von Süden aus gesehen: Die Gebäude werden nicht mehr als drei Stockwerke plus Dachgeschoss haben, es sind große Grünzüge vorgesehen. Östlich der Ortsrandstraße (rechts) wird nicht gebaut, das Areal wird dem Grüngürtel zugeschlagen und besonders geschützt. Foto: ingo.lachmann Das geplante Baugebiet Bonames-Ost in einer symbolischen Darstellung von Süden aus gesehen: Die Gebäude werden nicht mehr als drei Stockwerke plus Dachgeschoss haben, es sind große Grünzüge vorgesehen. Östlich der Ortsrandstraße (rechts) wird nicht gebaut, das Areal wird dem Grüngürtel zugeschlagen und besonders geschützt.
Frankfurt. 

Es ist eher ungewöhnlich, dass der Stadtkämmerer an einer Pressekonferenz zur Vorstellung eines neuen Baugebiets teilnimmt. Am Mittwoch aber saß der CDU-Politiker Uwe Becker an der Seite des grünen Planungsdezernenten Olaf Cunitz. Beide wollten zeigen: Schwarz-Grün treibt die Stadtentwicklung gemeinsam voran. Es ging um das umstrittene Baugebiet Bonames-Ost, das mittlerweile „Am Eschbachtal“ heißt.

Seit Jahren wird daran geplant. 1200 Wohnungen sollten auf dem 44 Hektar großen Areal einmal entstehen, vor zwei Jahren jedoch hatte Cunitz wegen des anhaltenden Bevölkerungswachstums ein Konzept mit 2000 Wohnungen vorgelegt. Das hatte erheblichen Protest bei den Anwohnern in Bonames ausgelöst, auch bei CDU und Grünen gab es Skepsis. Das Planungsdezernat suchte nach einer einvernehmlichen Lösung, lud die Kritiker zu Planungsgesprächen ein.

Grenzen des Wachstums

Nach vier Sitzungen ist ein Kompromiss herausgekommen: Das Gebiet wird weniger dicht bebaut, die Häuser werden kleiner und niedriger, die Grünflächen größer, eine Kleingartenanlage bleibt erhalten. Statt 2000 Wohnungen entstehen nur noch 1580. 30 Prozent davon werden mit öffentlichen Mitteln gefördert. Außerdem werden nicht nur eine Grundschule und vier Kindertagesstätten, sondern auch ein Gymnasium entstehen. Dafür ist ein Grundstück an der U-Bahn-Strecke vorgesehen.

Nur so wird die wachsende Stadt akzeptiert

Manchmal weiß man kaum noch, welche Rufe lauter sind: Die nach mehr Wohnungen oder die nach Schutz der Grünflächen. Klar ist: Angesichts des anhaltenden Bevölkerungswachstums müssen in Frankfurt

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Darüber hinaus definiert die schwarz-grüne Koalition „Grenzen des Wachstums“ im Frankfurter Norden, um die skeptischen Bürger zu beruhigen. „Es geht darum, Vertrauen wiederzugewinnen“, sagte Cunitz. Östlich des durch eine Umgehungsstraße begrenzten Neubaugebiets soll es keine weitere Bebauung geben. Eine insgesamt 240 Hektar große Fläche, die im Norden bis zum Bad Homburger Autobahnkreuz reicht, soll dem Grüngürtel zugeschlagen werden. Das Areal dient laut Cunitz zum Teil als Ausgleichsfläche für das Neubaugebiet und wird „ökologisch aufgewertet“. Streuobstwiesen bleiben ebenso erhalten wie die landwirtschaftliche Fläche.

Cunitz sprach von einem „tragfähigen Kompromiss“. Allerdings werde man damit diejenigen, die generell gegen eine Bebauung des Areals sind, nicht überzeugen können. Becker sieht in den Plänen ein „klares Signal dafür, dass Schwarz-Grün das Wachstum verträglich gestaltet“. Es werde nicht über die Köpfe der Bürger hinweg geplant.

Provisorisches Gymnasium

Bis die ersten Häuser fertig sind, werden aber noch einige Jahre vergehen. Cunitz rechnet damit, dass der Bebauungsplan erst 2017 beschlossen wird. Er hofft allerdings, dass das Gymnasium schon vorher in Angriff genommen wird. Möglicherweise könne man zunächst ein Grundstück für eine provisorische Container-Schule nutzen.

Mit fast 1600 Wohnungen und voraussichtlich doppelt so vielen Bewohnern wird das Neubaugebiet eines der größeren sein, das in nächster Zeit in Frankfurt entsteht. Umstritten sind aber auch andere: So gibt es parteiübergreifend Proteste gegen das sogenannte Innovationsquartier mit rund 1300 Wohnungen östlich der Friedberger Landstraße im Norden. Und in Sindlingen, wo westlich der Ferdinand-Hoffmann-Siedlung sogar 2000 Wohnungen ermöglicht werden sollen, wurde bereits die Gründung einer Bürgerinitiative angekündigt. Cunitz ist dennoch zuversichtlich, dass es mit dem neuen Wohnquartier klappt. Auch die Probleme wegen der Nähe zum Industriepark Höchst könnten gelöst werden. Der Planungsdezernent setzt auf Bürgerbeteiligung, um auch die Skeptiker zu überzeugen. Bei Bedarf werde er die in Bonames erprobten Instrumente auch bei anderen Baugebieten anwenden.

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