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Nachwuchsproblem: Schwierige und teure Ausbildung: Darum fehlen Fahrlehrer in Frankfurt

Von Fahrlehrer ist ein Mangelberuf. Zu wenige Interessenten melden sich zur Ausbildung an, zu wenige beenden sie – zuletzt waren es nur 51 in ganz Südhessen.
Symbolbild Foto: Bjoern Wylezich (105227414) Symbolbild
Frankfurt. 

Ingo Kirsch, Inhaber der Fahrschule Kirsch, würde „sofort fünf Fahrlehrer anstellen“, sagt er. Wenn er denn könnte – doch es gibt nicht genügend. Kirsch hat 16 Lehrer unter Vertrag; viele sind jung, aber einige bereits über 50, so wie er selbst. „Wir sind zu wenige und das Durchschnittsalter ist zu hoch.“ Das hat Auswirkungen: So ärgern sich Fahrschüler, wenn sie lange auf einen Termin für eine Fahrstunde warten müssen. Ein Nachfrageproblem sei es also nicht.

Was immer auch über die Demografie zu lesen sei - „Frankfurt ist jung“, findet Kirsch. „In die Ballungsräume drängen viele Menschen und so gibt es viele Fahrschüler“, sagt er. „Auch wenn das Auto heutzutage kaum noch ein Statussymbol ist für junge Leute und sie den Führerschein nicht gleich mit 18 machen, dann machen sie ihn mit 20 oder 22. Sie bleiben ja nicht weg“.

Info: Änderungen sollen Besserung bringen

So kann man Fahrlehrer werden: Voraussetzung ist ein Mindestalter von 22 Jahren, Hauptschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung, egal welches Fach.

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Grund für den Fahrlehrer-Mangel: Die Bundeswehr bildet fast keine Fahrlehrer mehr aus, so dass diese nicht mehr auf den Markt drängen. Und auch auf dem „zivilen“ Markt sinken die Zahlen: 2967 Fahrlehrer waren am 1. Januar 2016 in Hessen registriert. Am 1. Januar 2011 waren es 3372, also rund zehn Prozent mehr.

Mehr Fahrschüler

Während 2016 in Hessen 116 000 Fahrprüfungen absolviert wurden, waren es 2011 nur 109 000, meldet das Kraftfahrtbundesamt. Die Zahl der Fahrschüler steigt, die Zahl der Fahrstunden auch. Unter 50 Stunden erhält kaum noch jemand seine Lizenz. Die Fahrlehrer werden zunehmend älter. Gut zwei Drittel der Fahrlehrer sind 45 und älter, so das Kraftfahrtbundesamt.

Im Regierungsbezirk Darmstadt arbeiteten im vergangenen Jahr 1400 Fahrlehrer in 510 Fahrschulen. 51 neue Fahrlehrer sind im vergangenen Jahr hinzugekommen, nachdem sie alle Prüfungen bestanden hatten. 2011 lag diese Zahl noch bei 86. Die Fahrlehrer kommen aus dem gesamten Regierungsbezirk, also aus Darmstadt und Frankfurt, Offenbach, dem Odenwald, dem Taunus, der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis.

Unattraktiver Beruf?

Fahrlehrer müssen ihre Ausbildung selbst bezahlen. 8000 Euro kosten fünf Monate etwa an der privaten Fachschule für Fahrlehrer in Frankfurt-Griesheim, hinzu kommen 1000 Euro Prüfungsgebühr. Der Jurist Bernd Brenner leitet die Schule. Rund 80 Fahrlehrer bildet er derzeit aus. „2013 waren es noch 60, doch in den Jahren 2000 bis 2010 nur jeweils rund 90 pro Jahr.“ Der Tiefpunkt scheint jedoch überwunden; Brenner hofft, dass die Gesetzesänderung, die den Zugang zur Fachschule erleichtert (siehe Beistück) mehr Schüler bringt. Fahrschulen aus dem gesamten Einzugsgebiet der Schule von Mannheim über Franken bis nach Gießen und Rheinland-Pfalz fragen bei Brenner an. Fast alle seine Schüler hätten bereits Stellen sicher.

Bruno Glasl, im hessischen Fahrlehrerverband für Frankfurt zuständig, sieht zu viele Fahrschulen am Markt. „Früher“, sagt er, „hieß es, man brauche eine Fahrschule für 10 000 Einwohner. Inzwischen sind es vier oder fünf, die sich gegenseitig die Kunden abspenstig machen.“ Fahrlehrer sei zudem kein Traumjob. Auf 20 bis 21 Euro pro Stunde komme man brutto, netto blieben 1700 oder 1800 Euro im Monat übrig. „Dann muss man die Schule zahlen“, so Glasl, „und auch nachts und am Wochenende arbeiten.“ Kein Wunder, dass Fahrlehrer Mangelware sind. Bei der Fahrschule Hegemann in Sachsenhausen könnte ebenfalls noch jemand anfangen. „Wir haben drei Lehrer in Vollzeit, sie sind 50 plus“, sagt Beate Hegemann zum Problem der Überalterung. Zwei Fahrlehrer arbeiten auf 450-Euro-Basis, zwei sind gerade in Ausbildung. „Sie absolvieren bei uns das Praktikum und gehen ansonsten auf die Fahrlehrerschule.“ Dies werde manchmal auch durch die Arbeitsagentur gefördert.

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