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4,5 Millionen Briefsendungen pro Tag: Seit 20 Jahren existiert das größte Briefzentrum Deutschlands

In dieser Halle steht nichts still. Niemals. Vor 20 Jahren wurde das Briefzentrum im Frankfurter Gutleutviertel gegründet. Es entwickelt sich immer weiter.
Viel Handarbeit: Mitarbeiterinnen sortieren Briefe im Briefzentrum. Bilder > Foto: Boris Roessler (dpa) Viel Handarbeit: Mitarbeiterinnen sortieren Briefe im Briefzentrum.
Frankfurt. 

Drohnen in der Luft, E-Autos auf der Straße – die Revolution des Postwesens findet im Freien statt. Losgetreten wurde sie aber dort, wo sie keiner sieht – in einer Halle in Frankfurt. Vor 20 Jahren startete hier das Briefzentrum der Deutschen Post in der Gutleutstraße, das mit 4,5 Millionen bearbeiteten Briefsendungen pro Tag das größte seiner Art in Deutschland ist.

Seit dem 27. November 1996 sortieren dort Arbeiter Briefe. Postlastwagen aus der ganzen Republik docken nachts an. Die Fahrer laden Postkisten mit Briefen und Paketen um, damit die Empfänger am nächsten Tag etwas in ihren Händen halten können. Damit das funktioniert, darf die Halle nie stillstehen.

Der Schichtleiter für die Nacht, Andreas Hagebusch, läuft durch die Halle. Der 1,90-Meter-Mann kennt alle Mitarbeiter, war von Anfang an dabei. „Das Teuerste als solches ist die Briefzustellung draußen, deswegen bereiten wir in der Halle so viel wie möglich vor“, sagt er. Mit „wir“ sind auch die Maschinen gemeint, ohne die nichts geht.

Das Briefzentrum Frankfurt in Zahlen

Das Briefzentrum ist ein zentraler Knotenpunkt der Post in Deutschland. Das machen auch die Zahlen deutlich: ⋅ Die Halle ist 10 Meter hoch, 78 Meter breit und 282 Meter lang.

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Besonders wichtig sind dabei die Großbriefsortieranlagen, genannt GSA. Sie sortieren stündlich bis zu 40 000 Briefe. Dafür benötigen sie keinen Strichcode mehr. Die Maschine fotografiert die Adresse, egal in welcher Handschrift – eine Gesichtserkennung für Briefe sozusagen. Auf jeder Abfertigungsstation bis zur Zustellung erkennt das System dann den Brief. Erst dann werden die Fotos gelöscht.

Konkurrenz wächst

An der Maschine steht Nader Afshari, seit 26 Jahren bei der Post. Frisch rasiert und im blauen Hemd steht er an der Stirnseite der Anlage und ordnet Briefe in Postkisten ein. „Die größte Veränderung seit 20 Jahren ist die Modernisierung“, sagt Afshari. „Früher standen an einer Stelle 20 Leute, heute sind es drei.“

Er sagt das lächelnd, denn er weiß um den Wert der Maschine. Schichtleiter Hagebusch fügt hinzu: „Wir sind kein Staatsunternehmen mehr wie früher, sondern ein DAX-Unternehmen.“ Es gelte, Konzernen wie dem US-Versandriesen Amazon etwas entgegenzuhalten. Denn Amazon plant den eigenen Vertrieb mit Drohnen.

Beim Bundesverband Paket & Expresslogistik mit Mitgliedern wie Hermes und UPS steht man dem potenziellen Mitbewerber skeptisch gegenüber: „Es wird sich zeigen, ob ein Unternehmen wie Amazon, das nicht aus der Kurier-, Express- und Paket-Branche kommt und somit nicht auf das profunde Know-how in diesem Bereich zurückgreifen kann, die gleiche hochwertige Dienstleistung erbringen kann, wie es die Kurier-, Express- und Paketdienstleister tun“, sagt eine Sprecherin.

Beim Start des Briefzentrums 1996 existierte Amazon zwar schon, aber das Unternehmen war lange nicht so bekannt wie heute. Das Briefzentrum hingegen galt als Gipfel moderner Logistik. Pressesprecher Stefan Heß erinnert sich, dass zur Eröffnung Gäste und Pressevertreter aus Amerika, Mali und dem fernen Asien kamen: „Die Japaner haben von unten bis oben alles fotografiert.“

Dem logistischen Konzept „Brief 2000“ von damals ist die Post treu geblieben. Dazu gehörten die Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen und die Gründung eines Netzes von Briefzentren. Insgesamt 82 gibt es in Deutschland, Frankfurt ist der zentrale Knotenpunkt.

Stetige Veränderung

Doch das Innere der Hallen veränderte sich stetig. Fast alle Maschinen führen heute eine Gangfolgesortierung durch. Der Briefzusteller erhält die Post am Morgen idealerweise in der Reihenfolge, in der er sie austrägt. Das spart Zeit und Geld.

In der Weihnachtszeit verdreifacht sich naturgemäß die Zahl der Pakete, auch die Briefsendungen verdoppeln sich zu diesem Zeitpunkt. Selbst das traditionelle Briefgeschäft schrumpft in Deutschland nur langsam, wie Schmitt weiß: „Bei uns werden jährlich zwei bis drei Prozent weniger Briefe verschickt, international stehen dem Zahlen im hohen zweistelligen Bereich gegenüber.“

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