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Neue Gen-Analyse für Wildtiere: Senckenberg-Forscher sind den Wölfen auf heißer Spur

Wölfe legen weite Wege zurück. Um ihre Wanderungen nachvollziehen zu können, braucht man ihren genetischen Fingerabdruck. Senckenberg-Forscher haben nun eine exakte Methode entwickelt.
Canis lupus. © Susanne Carl Canis lupus. © Susanne Carl
Frankfurt. 

Der Wolf ist nach Deutschland zurückgekehrt – und mit ihm viele Ängste und Sorgen. Jäger, Landwirte und die Bevölkerung stehen der Rückkehr des scheuen Wildtieres häufig kritisch gegenüber. „Um so wichtiger ist ein gutes Wolfsmanagement“, erklärt Dr. Carsten Nowak, Leiter der Naturschutzgenetik am Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen. „Und hierzu brauchen wir Informationen über die Ausbreitung, Herkunft und genetische Diversität der Tiere.“

Die Gelnhäusern haben nun eine neue Methode entwickelt, um den „genetischen Fingerabdruck“ von Wölfen zu nehmen. Die Datenerhebung verspricht schneller, kostengünstiger und einfacher zu sein, als bei bisherigen Vorgehensweisen. Wolfs-DNA kann Auskunft über Abstammung, Ausbreitung und die genetische Vielfalt der Tiere geben, außerdem können die Verursacher von gerissenen Tieren identifiziert werden. Die Studie dient als Pilotprojekt, um diese Technik auch für weitere Tierarten zu etablieren, für die genetisches Monitoring unerlässlicher Bestandteil eines Schutzkonzeptes ist.

Seit 2009 fungiert Senckenberg als Referenzzentrum für Wolfsgenetik in Deutschland. „Wir erhalten Wolfs-DNA aus ganz Deutschland und darüber hinaus“, erzählt Nowak. Seine Kollegin, die Biologin Verena Harms, untersuchte das Erbgut der Raubtiere bisher mit Mikrosatelliten – kurzen, nichtcodierenden DNA-Sequenzen.

Nun hat das Team eine neue genetische Methode zur Erfassung von Wolfsspuren entwickelt. „Wir haben in einer ersten Testreihe sogenannte SNPs genutzt, um das Erbgut der Wölfe zu charakterisieren“, erläutert Dr. Robert Kraus, einst Leiter in Gelnhausen und aktuell an der Uni Konstanz beschäftigt. SNPs sind „Punktmutationen“, also Mutationen einzelner Basenpaare in einem DNA-Strang. Dadurch ergeben sich genetische Veränderungen, die sich im Genpool einer Population durchgesetzt haben und dadurch messbar sind. So können Populationen von anderen genetisch unterschieden werden. Die eindeutig identifizierbaren, kurzen DNA-Abschnitte lassen sich in besserer Qualität und zuverlässiger erheben.

Um die Vorgehensweise zu testen, haben die Genetiker 158 Wolfsproben untersucht und daraus DNA extrahiert. Von der neuen Methode versprechen sie sich letztlich ein internationales Wildtiermonitoring. „Das ist wichtig, weil sich Wölfe nicht an Staatsgrenzen halten“, sagt Nowak und ergänzt: „Der im Jahr 2012 erschossene Wolf aus dem Westerwald stammte beispielsweise aus dem Alpenraum. Genetische Analysen in Gelnhausen hatten gezeigt, dass er identisch mit einem Wolf aus Südeuropa war, der ein Jahr zuvor in Hessen angefahren worden war.“ Weite Wanderungen werden bei Wölfen regelmäßig dokumentiert.

Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, werden auch Wildkatzen, Biber, Fischotter und Braunbären aufgenommen.

(red)
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