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Prozessin Frankfurt: Senior nach lebensgefährlicher Messerattacke im Bahnhofsviertel angeklagt

Von Um eine lebensgefährliche Messerattacke in einem Wettbüro im Bahnhofsviertel geht es seit gestern vor dem Landgericht. Angeklagt ist ein 69 Jahre alter Italiener wegen versuchten Totschlags.
(Symbolfoto) Foto: Brian Jackson; Fotolia (Symbolfoto)
Frankfurt. 

„Ich bin jetzt so alt geworden und habe noch nie jemandem etwas getan“, sagte der Angeklagte mit lauter Stimme im Sitzungssaal des Landgerichts. Er stützt sich auf seine Krücke. Im Alter von 69 Jahren hat der Italiener seinem vermeintlich unbescholtenen Leben eine böse Wende gegeben: Es war an einem Samstag im Juni vergangenen Jahres, als der Junggeselle aus dem Riederwald wieder einmal ins Wettbüro im Bahnhofsviertel kam, wo er so gerne Fußballspiele schaute.

Auf der Herrentoilette trafen der 69-Jährige und das spätere Opfer an diesem Tag zum ersten Mal aufeinander. Und es ging gleich zur Sache. „Er hat mir mit zwei Fingern zwischen die Augen gedrückt und mich an die Wand geschubst“, erklärte der Angeklagte über die Dolmetscherin. „Ich hatte sehr große Angst“.

Messer unterm Tisch

Wieder im Lokal angekommen, holte der Mann sein Messerchen (Klingenlänge acht Zentimeter) heraus, mit dem er eigentlich nur Panini aufschneidet und Äpfel schält. Er hielt es unter dem Tisch verborgen. Dann sei vom Kontrahenten aber wieder das Wort „Mafioso“ gefallen und darüber hinaus noch die Ankündigung, ihn irgendwann einmal zusammenzuschlagen. Der Beleidigte zog das Messer und stieß es dem 51-Jährigen in den Oberbauch. Lebensgefährlich an der Leber getroffen, ging der zu Boden. Jetzt erkannte der Mann offenbar, was er angerichtet hatte und wies einen Büroangestellten lautstark an, Polizei und Krankenwagen zu alarmieren. Er selbst kam noch in dieser Nacht für die nächsten drei Wochen in U-Haft.

Vor Gericht ließ der Italiener an dem Mann, den er verletzt hat, kein gutes Haar: „Ein Schauspieler ist er, der jetzt Krokodilstränen weint.“ Dass der 51-jährige bei der Verlesung der Anklageschrift in lautes Schluchzen ausgebrochen war, nannte der Angeklagte „eine perfekte Inszenierung“. Sein Kontrahent sei ein „böser Mensch“ von dem viel Ärger und Gewalt ausgehe. Und er, er wolle doch nur seine Ruhe und im Wettbüro seine Fußballspiele ansehen.

Während der Angeklagte mit großer Geste vor Gericht einen wie auch immer gearteten Tötungsvorsatz bestritt, geht die Staatsanwaltschaft nach wie vor von einem versuchten Tötungsdelikt aus. Staatsanwältin Monique Mugrauer hob hervor, dass auch ein einziger, gezielt in den Oberbauch platzierter Stich tödlich sein könne, weil genau dort die lebenswichtigen Organe liegen. Dies habe auch dem Angeklagten bewusst sein müssen, der deshalb den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen habe. Viel gefehlt hatte tatsächlich nicht, und der Verletzte hätte nicht überlebt. Die Leber war erheblich verletzt und der Notarzt musste den Mann noch in der Bar reanimieren. Eine Notoperation in der Klinik rettete schließlich sein Leben.

Urteil Ende Oktober

Sollte sich die Version des Angeklagten als wahr erweisen, wonach er selbst nach dem Notarzt gerufen habe, könnte der Vorwurf des versuchten Totschlags wegfallen. „Wenn ich ihn wirklich hätte töten wollen, hätte ich doch noch zehn Mal zustechen können“, sagte der 69-Jährige vor Gericht. In dem vorerst bis Ende Oktober terminierten Prozess sollen auch mehrere Sachverständige Stellung nehmen.

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