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ABG würde neu bauen, wenn Stadtverordnete zustimmen: Seniorenwohnanlage in Niederrad droht Abriss

Von Seit Jahren wird darüber diskutiert, was mit der Seniorenwohnanlage Im Mainfeld 16 passieren soll – Sanierung oder Neubau? Tatsächlich werden die Wohnungen bereits sukzessive erneuert. Ein Ersatzbau wird aber noch nicht endgültig ausgeschlossen.
<span></span> Foto: Leonhard Hamerski
Niederrad. 

Zwei der sechs unansehnlichen Hochhäuser Im Mainfeld hat das städtische Wohnungsbauunternehmen ABG Frankfurt Holding GmbH einen neuen Anstrich verpasst, ein drittes versteckt sich derzeit noch hinter einem Baugerüst. Von Westen aus wird das Quartier am Niederräder Mainufer Turm für Turm saniert und aufgehübscht. Nur die deutlich niedrigere Seniorenwohnanlage verkommt immer mehr, sieht im Vergleich besonders mausgrau und trist aus. Bereits seit Jahren wird darüber debattiert, ob der heruntergekommene Bau aus den 70er Jahren abgerissen oder lediglich saniert werden sollte.

Im Jahr 2009 wurde erstmalig über die Zukunft der gesamten Siedlung diskutiert. Als Ende 2015 eine Magistratsvorlage zur Entwicklung vorgelegt wurde, blieb die Seniorenwohnanlage unberücksichtigt. Selbst heute, Jahre später, erklärt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernenten: „Ich kann noch keine Angabe dazu machen, was mit dem Gebäude passieren wird.“ Auch die Bewohner wissen nicht, ob sie langfristig in dem Gebäude bleiben können: „Man lässt uns darüber gänzlich im Unklaren“, kritisiert der 67-jährige Abid Haskovic. Er fühlt sich Im Mainfeld 16 wohl und würde gerne dort bleiben. Doch selbst Andrea Lehr von der Geschäftsleitung der ABG Holding kann ihm das nicht versprechen: „Wir sind noch immer in der Schwebe“, sagt sie.

Es gibt Ersatzareale

Tatsächlich habe die ABG der Stadt gegenüber längst deutlich gemacht, dass sie einem Abriss der Wohnanlage zustimmen würde – „wenn das so gewollt ist“, erläutert Lehr. Voraussetzung allerdings sei, „dass zuvor ein Ersatzgrundstück in relativer Nähe gefunden wird“. Schließlich sollten die Bewohner nicht aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen werden. Die Festlegung auf ein Ersatzgrundstück aber scheint die Stadt Frankfurt zu scheuen.

Dabei gibt es laut Gellert in unmittelbarer Nähe zwei bebauungsfähige Areale. Beide würden die Seniorenwohnanlage näher ans Niederräder Ufer rücken. Besagte Flächen werden jedoch durch die Mainfeldstraße getrennt. „Fiele die Wahl auf das eine Areal, müsste die Straße wohl verlegt werden“, erklärt Gellert. Würde das andere Grundstück auserwählt, fiele dem Neubau ein erst kürzlich neu gebauter Bolzplatz zum Opfer.

„Außerdem müsste der Jugendtreff weichen“, ergänzt Quartiersmanager Friedrich Berndt. „Die Kinder im Viertel brauchen aber Bewegung, das wäre nicht gut.“ Dennoch rechnet er mit einem Neubau: Eine Sanierung der Seniorenwohnanlage sei „extrem kostenintensiv“, erklärt er und äußert die Vermutung, dass die Stadt entsprechende Überlegungen „längst beerdigt“ habe.

Tatsächlich aber werden in der Wohnanlage derzeit Sanierungsarbeiten durchgeführt: „Was sollen wir tun, wir können ja nicht ewig warten“, erklärt Lehr. So werde derzeit jeder Mieterwechsel genutzt, um die 217 Wohneinheiten sukzessive zu erneuern. Allein eine Badsanierung – dabei werden unter anderem alle Wannen durch bodentiefe Duschen ersetzt – koste je nach Zustand zwischen 8000 und 10 000 Euro.

„Sollte die Seniorenwohnanlage doch noch abgerissen werden, wäre es möglich, dass in den umliegenden Hochhäusern barrierefreie Wohnungen entstehen, auf die alle Bewohner verteilt werden könnten“, sagt Berndt. Gellert schließt diese Möglichkeit nicht aus: „Gemischtes Wohnen wird immer populärer.“ Lehr indes erklärt, dass die meisten Bewohner auf die Unterstützung der zwei rund um die Uhr im Gebäude anwesenden Betreuer angewiesen seien: „Sie können nicht eigenständig wohnen.“

180 Senioren sind derzeit in dem Wohnheim untergebracht. Doch sie machen nur 80 Prozent aller Bewohner aus. Denn auch Studenten leben in dem Komplex. „Dabei handelt es sich vor allem um angehende Mediziner“, erklärt Lehr. „Sie profitieren von der Nähe zur Uniklinik.“ Tatsächlich hätten ältere Menschen lange kein großes Interesse an den Wohnungen gezeigt. „Vor allem liegt das an der offenen Küche und daran, dass es keine abgetrennten Schlafzimmer gibt – das gefiel den meisten nicht.“

Hohe Auslastung

Inzwischen aber sei die Nachfrage der älteren Zielgruppe wieder gestiegen. „Die Auslastung liegt nahezu bei 100 Prozent“, erklärt Lehr. „Ältere Menschen werden nach wie vor bevorzugt, wir wollen die Anzahl an Studenten nicht steigern.“

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