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Experten proben Umgang mit hochansteckendem Erreger: Seuchen-Übung: Für den Ernstfall gerüstet

Von Mit einer länderübergreifenden Übung hat das Frankfurter Kompetenzzentrum für hochansteckende Erkrankungen gestern für den Ernstfall geprobt. Ein Spezialfahrzeug brachte eine junge Frau mit Verdacht auf Lassa-Fieber vom Klinikum Saarbrücken auf die Isolierstation der Frankfurter Uniklinik. Der Aufwand war beträchtlich.
Um eine Ansteckung zu vermeiden, müssen alle Rettungskräfte, die mit der vermeintlichen Lassa-Patientin Kontakt haben, Schutzanzüge tragen. Nach getaner Arbeit werden sie in einer Schleuse mit Essigsäure dekontaminiert. Foto: Rainer Rüffer Um eine Ansteckung zu vermeiden, müssen alle Rettungskräfte, die mit der vermeintlichen Lassa-Patientin Kontakt haben, Schutzanzüge tragen. Nach getaner Arbeit werden sie in einer Schleuse mit Essigsäure dekontaminiert.
Frankfurt. 

Ebola, Lassa, SARS – hochansteckende, lebensbedrohliche Krankheiten gibt es viele. Und sie treten längst nicht mehr nur an entfernten Flecken dieser Erde auf. Das hat die Ebola-Krise im Jahr 2014, aber auch der Lassa-Patient im vergangenen Jahr gezeigt. „Wir müssen auf diese Situationen vorbereitet sein“, sagt Professor René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes. Und das geht nur, wenn man dafür übt.

Das tun die Frankfurter Einsatzkräfte regelmäßig. Gestern probten sie erstmals gemeinsam mit Kollegen aus dem Saarland. Denn auch für dieses Bundesland ist das Frankfurter Kompetenzzentrum für hochansteckende Erkrankungen zuständig, neben Hessen und Rheinland-Pfalz. Kostenpunkt für diese Übung: rund 50 000 Euro.

Das Szenario: Eine junge Frau reist aus Westafrika mit dem Flieger nach Paris, steigt in den Schnellzug nach Saarbrücken, übernachtet im Hotel. Sie fühlt sich zunehmend unwohl. Frühmorgens bringt sie ihr Freund in die Notaufnahme. Sie klagt über Übelkeit, ist fiebrig, übergibt sich, hat Durchfall. Erste Untersuchungen ergeben: Verdacht auf Lassa-Fieber.

Die Erkrankung zählt zu den hämorrhagischen Fiebern, ist hochansteckend und lebensbedrohlich. Ein Fall für das Frankfurter Kompetenzzentrum und seinen Sonder-Rettungswagen. Das 350 000 Euro teure Spezialfahrzeug ist mit einem Unterdruck-System ausgestattet: Luft strömt nur hinein, nicht hinaus. Dies soll sicherstellen, dass aus dem Wagen keine Keime ins Freie gelangen.

Neuer Schutzanzug

Alle Rettungskräfte, die mit der Patientin in Kontakt kommen, müssen spezielle Schutzanzüge mit Hauben tragen. Diese sind mit einem Überdrucksystem ausgestattet – falls der Anzug reißt, strömt Luft nach außen, keine Erreger kommen in den Anzug. Zudem verfügen sie über eine eigene Beatmungseinheit, durch die nur gefilterte Luft in die Anzüge dringt. Gestern kam erstmals ein neuer Schutzanzug zum Einsatz, den Experten des Gesundheitsamtes nach den Erfahrungen mit Ebola gemeinsam mit dem Hersteller weiterentwickelt haben. Anders als das Vorgängermodell verfügt er über eine zusätzliche Not-Atemeinheit für den Fall, dass das integrierte Gebläse ausfällt.

Auf der Sonderisolierstation übernimmt das Team der Frankfurter Uniklinik die Patientin von den Rettungskräften, die sie aus Saarbrücken in die Mainmetropole gebracht haben. Auf den Rücken geschnallt tragen sie Beatmungsgeräte. Diese filtern die Luft um zu verhindern, dass sich Ärzte und Pflegekräfte mit den gefährlichen Lassa-Viren infizieren.
Viren-Experten aus der Mainmetropole sind gefragt Seuchen-Übung: „Frankfurt, bitte kommen!“

Wenn der Sonder-Rettungswagen der Frankfurter Feuerwache 3 sich auf den Weg macht, um einen Patienten auf die Sonderisolierstation der Uniklinik zu bringen, haben es die Einsatzkräfte mit hochansteckenden, lebensbedrohlichen Erkrankungen zu tun. Dann darf kein Fehler passieren. Das will geübt sein.

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„Gefährlich wird es dann, wenn man unbedacht handelt oder einen Fehler macht“, sagt Angela Wirtz von der Abteilung Gesundheitsschutz im Hessischen Sozialministerium. Etwa wenn man sich in der Hektik an einer Nadel sticht. Lassa überträgt sich über Körperflüssigkeiten. Der Rettungswagen bringt die Patientin zur Sonderisolierstation der Frankfurter Uniklinik. Mit hochansteckenden Erregern haben die Spezialisten dort Erfahrung. Erst im vergangenen Jahr behandelten sie einen Lassa-Patienten, 2014 einen Ebola-Kranken. Auch mit dem gefährlichen Atemwegsinfekt SARS hatten sie es bereits zu tun.

Sieben solcher Stationen gibt es in Deutschland. Träger des Frankfurter Kompetenzzentrums sind das Gesundheitsamt, die Uniklinik, die Branddirektion, das Hochsicherheitslabor in Marburg sowie die Sozialministerien Hessen und Rheinland-Pfalz.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, im Anzug herrsche Unterdruck. Das war falsch, im Schutzanzug herrscht Überdruck.

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