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Oxfam: Sex-Skandal interessiert Frankfurter nicht

Von Die Kunden der fünf Frankfurter Oxfam-Boutiquen kümmert der Skandal der britischen Hilfsorganisation um Sexorgien mit Prostituierten kaum: Wenige fragen bei Mitarbeitern nach. Es mag an der aufgeklärten Klientel liegen.
Auch diesen Buchladen in der Töngesgasse betreibt Oxfam in Frankfurt. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Auch diesen Buchladen in der Töngesgasse betreibt Oxfam in Frankfurt.
Frankfurt. 

„Ach, im Endeffekt ist es doch immer dasselbe: Die Männer machen Mist und wir Frauen räumen ihn weg“, wird eine Mitarbeiterin der Oxfam-Boutique in der Schweizer Straße in Sachsenhausen deutlich, als sie nach Reaktionen auf den Sex-Skandal von Oxfam gefragt wird. Doch nur „vereinzelt“ hätten Kundinnen nachgefragt. Das bestätigen Kolleginnen, die wie sie ehrenamtlich meist nur einen Tag pro Woche hier tätig sind. Ähnlich äußert sich Cornelia Dillenburger, Schichtleiterin in der Bockenheimer Filiale: „Unsere Kundenkontakte sind normal, es gibt höchstens mal ein Kopfschütteln.“ Die Leute wüssten offenbar, den Skandal richtig zu verorten und einzuordnen.

Derweil nimmt die Deutschland-Zentrale in Berlin endlich Stellung auf ihrer Homepage. Hintergrund: Das in Oxford gegründete Hilfswerk Oxfam steht seit Tagen in der Kritik, weil Mitarbeiter 2006 im Tschad und 2011 in Haiti Sex-Partys mit Prostituierten gefeiert haben. Zugleich gab es Vorwürfe, dass es mehr als hundert Fälle sexueller Belästigung in britischen Oxfam-Shops in neun Jahren gegeben habe, ohne dass das Hilfswerk angemessen reagierte. Am Montag trat die Vizechefin von Oxfam Großbritannien, Penny Lawrence, zurück.

Matthias Scholl, als Regionalleiter von 28 Oxfam-Shops im Süden und Westen und in Frankfurt tätig, erklärt, er sei „stolz“ auf die 300 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in seinem Bereich (von deutschlandweit etwa 3200 Mitarbeitern sind rund 3000 weiblich). Dass es nur „relativ wenig Kundenproteste“ gebe, überrascht ihn aber. Mittlerweile hat die Zentrale einige Seiten zum Thema in alle Filialen gemailt. Diese enthielten Informationen, seien weder Argumentationshilfen noch Maulkörbe. „Nein, wir sind doch alle geschockt und bestürzt, gerade weil Oxfam doch für Frauenrechte eintritt“.

Auch Annika Zieske, Pressesprecherin der Deutschland-Zentrale in Berlin, ist „bestürzt“ über den Skandal und überrascht vom „relativ schwachen Protest“ deutscher Kunden. Es gebe sogar Fälle, in denen Anrufer Mitarbeitern Mut zusprächen. Sie erklärt sich das so: „Die Kundschaft fühlt sich uns verbunden“. Die versandten Unterlagen an alle 52 Oxfam-Shops in Deutschland enthielten vor allem zusammengefasste Informationen über die aktuelle Berichterstattung. Mitarbeiter sollten jederzeit offen ihre Meinung kundtun, müssten aber nicht im „Kreuzfeuer stehen“ und könnten auf die Zentrale verweisen. „Für alle Sachfragen stehen wir oder die Regionalleiter zur Verfügung“, so Zieske.

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