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Weylchem-Werk in Höchst: Sicherheitscheck nach Störfall

Bei einem Unfall in einem Weylchem-Werk in Höchst trat im August gefährliche Salzsäure aus. Deshalb verbessert das Unternehmen nun nach und nach die Sicherheit all ihrer Frankfurter Anlagen.
Beim Störfall bei Weylchem im August rückte vorsichtshalber auch die Berufsfeuerwehr mit einem Großangebot aus. Foto: Maik Reuß Beim Störfall bei Weylchem im August rückte vorsichtshalber auch die Berufsfeuerwehr mit einem Großangebot aus.
Höchst. 

Als am 2. August um 12.45 Uhr ein Salzsäurenebel aus einer Anlage der Firma Weylchem im Höchster Industriepark entwich, gab es Sirenenalarm – denn der Wind trieb die Säure in Richtung Höchster Innenstadt. Nun ist klar: Ein Riss in einem Bauteil der Anlage war schuld, alle identischen Teile wurden untersucht. Zurzeit werde noch überprüft, wie ein derartiger Vorfall künftig verhindert werden kann, sagt Geschäftsführer Wolfgang Böhm. Doch damit nicht genug: In den kommenden Jahren wird Weylchem nach und nach die Sicherheitsprozesse an allen Anlagen seiner drei Frankfurter Standorte in Höchst, Griesheim und Fechenheim überprüfen.

Ein Gutachten habe gezeigt, dass durch einen kleinen Riss in einem aus Teflon bestehenden Rohrleitungskompensator rund 200 Liter Flüssigkeit austraten, die mit der Feuchtigkeit in der Luft reagierten und teilweise zu Salzsäure wurden, erklärt Joachim Christian, Weylchem-Betriebsleiter in Höchst. Nach drei Minuten sei die Anlage abgeschaltet gewesen, nach 15 Minuten hatten „zwei Mitarbeiter in Schutzanzügen“ die Flüssigkeit gebunden so dass keine weitere Salzsäure entstand.

Empfindliche Pumpen

In der Anlage gibt es 15 Rohrleitungskompensatoren. Sie sind elastisch und sollen verhindern, dass die Schwingung von Pumpen an die Rohre weitergegeben wird, sagt Christian. Auch sollen sie verhindern, dass die aus stoßempfindlicher Keramik bestehenden Pumpen kaputt gehen. Wieso das Bauteil defekt war, werde noch untersucht. „Es wurde routinemäßig im Frühjahr 2016 überprüft.“ Den Prüfern sei aber nichts aufgefallen. „Gesetzlich vorgeschrieben ist, das alle fünf Jahre zu tun.“

Zwar hätten die Berufsfeuerwehr und der Industrieparkbetreiber Infraserv außerhalb des Geländes keine erhöhten Salzsäurewerte gemessen, sagt Böhm. Trotzdem sei der Vorfall für Weylchem der Anlass gewesen, sein Sicherheitsmanagement durch einen externen Experten überprüfen zu lassen. „Ablagen und Sicherheitsmanagement erfüllen alle gesetzlichen Auflagen, wie uns soeben Gutachten bestätigt haben. Aber wir wollen noch besser werden.“ Ein Spezialist, der von außen alles gründlich hinterfrage, bemerke dabei mehr als die eigenen Mitarbeiter, die an bestimmte Abläufe gewohnt seien. „Es gibt immer Dinge die man besser machen kann.“ Etwa weil die Technik oder das Sicherheitsverständnis sich verbessert habe.

Eine Maßnahme sei, die Keramikpumpen gegen moderne, weniger störanfällige Pumpen zu ersetzen, sagt Christian. Dadurch würden die Kompensatoren nicht mehr benötigt. Außerdem habe der Gutachter empfohlen, sich nicht nur Gedanken darüber zu machen, wie man einen Unfall verhindert und wie man mit den Stoffen umgeht, die bei einem Unfall austreten können. „Wir müssen auch bedenken, was aus einem Stoff werden kann. In der Anlage selbst entsteht keine Salzsäure bei der Produktion. Sie entsteht aber, wenn bei einem Leck die Flüssigkeit mit Luft in Kontakt kommt.“

Alles wird hinterfragt

Zwar bescheinige ein Gutachten, „dass unsere Organisation und Abläufe in Höchst einen sicheren Betrieb der Anlagen gewährleisten“, sagt Böhm. Trotzdem werde „komplett alles“ von einem Experten aus Sicherheitsaspekten auf den Kopf gestellt. „Wir wollen wissen: Wo könnte noch ein Problem entstehen, an dass wir bislang nicht gedacht haben?“ Das sei ein Vorhaben, das „uns die kommenden Jahre gut beschäftigen wird.“

(hau)
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