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Schweizer Straßenfest: Sie arbeiten, wo andere feiern

Während sich rund 150 000 Besucher beim Schweizer Straßenfest amüsierten, hatten die 17 ehrenamtlichen Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz alle Hände voll zu tun. Vom Kind bis zum Polizisten wurde jedem geholfen.
Azra Reyal (links) und Samantha Raab sind am Samstag beim Schweizer Straßenfest mit schwerem Gepäck unterwegs. Foto: Michael Faust Azra Reyal (links) und Samantha Raab sind am Samstag beim Schweizer Straßenfest mit schwerem Gepäck unterwegs.
Sachsenhausen. 

„Heftig wird es spät abends“, sagt Bastian Bremser (28) voraus. Der Einsatzleiter und Mitglied der Rettungswagenbesatzung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Frankfurt auf dem 35. Schweizer Straßenfest sollte Recht behalten. 17 ehrenamtliche Frauen und Männer sind im Einsatz. Mit dabei sind eine Mini-Leitstelle im Funkwagen, zwei Rettungswagen, ein rotes Zelt mit drei Liegen und ein voll ausgestatteter klimatisierter Wagen mit zwei Liegen. Ob Verbandsmaterial oder EKG, Beatmungsgeräte, Schienen, Infusionen oder Spritzen – bis hin zu einer speziellen Amok- und Terror-Tasche mit Spezialverbänden aus dem Militär ist alles greifbar.

Um 17 Uhr sind es 31 Grad im Schatten, es ist schwül, die Stimmung auf dem Fest ausgelassen. Besucher tanzen vor der Binding-Bühne, als ein Mann zur Leitstelle kommt. „Da ist jemand umgefallen“, berichtet er. Die Sanitäterinnen Isabell Völker und Susanne Schmid nehmen den 15 Kilogramm schweren Rettungsrucksack mit, drängen sich durch die Menschenmenge. Platz macht kaum jemand, trotz der roten Jacken der Frauen. Die Patientin (73) sitzt blass auf einer Bank, übergibt sich. Sie habe ihre Beine nicht mehr gespürt, sagt sie leise. Völker spricht behutsam mit ihr, misst den Blutdruck und beruhigt sie. Der Rettungswagen holt sie ab, bringt sie zum Zelt. Es war ein Kreislaufkollaps, weil sie zu wenig getrunken hatte. Schon bald kann sie nach Hause gehen.

Drei Teams auf Streife

Drei Teams mit je zwei Personen gehen abwechselnd mit dem schweren Rucksack auf Streife. Die Sanitäter gucken in jeden Winkel, ob Hilfe gebraucht wird. Im Gedränge der Schweizer Straße werden sie nach Pflastern für Schnittwunden und Blasen gefragt. Geduldig helfen sie aus. Ein Funkruf schickt sie zu einem Mädchen (10), das weinend auf der Straße sitzt. Sie ist die Rolltreppe hoch gerannt und dabei gestürzt. Eine tiefe Wunde am Schienbein wird sofort desinfiziert und verbunden. Ein paar Meter weiter humpelt ein angetrunkener Mann, der Knöchel ist stark angeschwollen. Wieder kommt der Rettungswagen zum Einsatz. Gleichzeitig wird eine Asiatin, die ausgerutscht ist, im Zelt verarztet.

Bastian Bremser zeigt die Ausrüstung in der Unfallhilfsstelle. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Bastian Bremser zeigt die Ausrüstung in der Unfallhilfsstelle.

Während die Band auf der Bühne den Song „An Tagen wie diesen“ singt, können Bremser und sein Team ein bisschen verschnaufen. Die Atmosphäre ist locker, Wasser- und Cola-Flaschen werden geleert. „Ich bin seit 20 Jahren beim DRK und finde es immer noch spannend. Ich war schon als Bub dabei. Bei uns arbeiten Leute mit ganz verschiedenen Berufen. Jeder Einsatz ist anders, das macht Spaß und wir können helfen“, sagt Bremser.

Kurze Ruhe

Während das Team den Gas-Grill anwirft, werden zwei Frauen Glassplitter mit einer Pinzette aus dem Fuß gezogen. Sie sind mit Sandalen auf das Fest gegangen und in zerbrochene Flaschen getreten. Kurz vor Mitternacht laden die Sanitäter Polizisten zu Steak und Bratwürstchen ein. „Bald wird es heftig“, meint einer der Beamten.

Mit einer Platzwunde auf der Stirn spricht ein Mann (49) eine Sanitäter-Streife an. Er hatte mit dem Fahrrad abrupt gebremst und ist auf Kopf und Schulter gestürzt. Nach eingehender Untersuchung und Erstversorgung wird er mit einer Halskrause ins Krankenhaus gefahren. Sicherheitsleute holen Hilfe, weil ein 78-jähriger Mann angetrunken auf den Hinterkopf gefallen ist. Seine Platzwunde wird vor Ort behandelt. Da er sich weigert, zum Zelt zu kommen oder ins Krankenhaus zu fahren, begleiten ihn die Sanitäter ein paar Straßen weiter nach Hause. Gleichzeitig, um 1.15 Uhr, kommt es am Schweizer Platz zu einer Schlägerei. Drei Männer gehen auf einen anderen Mann los. Die Polizeibeamten rennen los, das Rettungsteam folgt. Als die Polizisten dazwischen gehen, stürzt einer von ihnen, schneidet sich die linke Hand tief auf. „Die lagen alle übereinander im Matsch neben der Bühne“, sagt ein Sanitäter. Zwei Männer werden verhaftet. Ein Dritter hat einen Zahn verloren, möchte nicht verarztet werden. Der Polizist ist voller Blut. Seine Hand wird desinfiziert und dick verbunden. „Ist nur ein kleiner Schnitt“, sagt er, während sich sein Verband rot färbt. In der Uniklinik kann seine Hand weiter untersucht werden. Er lässt sich von einem Kollegen fahren. Erst spät in der Nacht endet dann der Tag für die Rettungskräfte.

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