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Bildungspaten unterstützen beim Deutschlernen: Sie geben Kindern Starthilfe

Von Seit vier Jahren gibt es die Bildungspaten Fechenheim. Die Zahl der Patenschaften wächst stetig. Deshalb sucht die Gruppe neue Mitglieder, die Spaß daran haben, Kindern dabei zu helfen, die deutsche Sprache zu lernen.
Engagieren sich für Kinder, die noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben: Die Bildungspaten aus Fechenheim. Weil der Bedarf riesig ist, suchen sie noch Mitstreiter. Foto: Heike Lyding Engagieren sich für Kinder, die noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben: Die Bildungspaten aus Fechenheim. Weil der Bedarf riesig ist, suchen sie noch Mitstreiter.
Fechenheim. 

Wenn Gabriele Roth, die Organisatorin der Bildungspaten Fechenheim, von „ihren“ Kindern erzählt, leuchten ihre Augen. „Die Kinder kommen freiwillig. Sie haben sechs Stunden Unterricht – und 15 Minuten nach Ende der sechsten Stunde sind sie da und wollen Deutsch lernen.“ Aber wie einem Kind, das so gut wie kein Wort Deutsch kann, Begriffe wie „Bürgersteig“ erklären? Oder was eine Zucchini ist, die sie zuvor noch nie gesehen haben. „Da verständigt man sich mit Händen und Füßen.“ Oder sie bringt einfach Obst- und Gemüsesorten mit und erklärt sie.

Seit vier Jahren gibt es die Bildungspaten. Hervorgegangen aus dem Verein „Zukunft Fechenheim“, zu dem die Gründerin der Bildungspaten, Christine Kirchhoff, gehörte, organisiert sich die Gruppe längst eigenständig. „Und wir sind wieder gewachsen: Wir sind 32 Paten, die 40 Kindern helfen. Aber es gibt noch immer mehr, die unsere Hilfe benötigen, als wir betreuen können.“

Die Kinder, um die sich die Paten kümmern, kommen von der Konrad-Haenisch-Schule, jener Grund-, Haupt- und Realschule in der Lauterbacher Straße 2, und der Integrierten Gesamtschule in der Fachfeldstraße 32, der Heinrich-Kraft-Schule. In beiden Schulen gibt es Intensivklassen, in denen all jene Kinder Deutsch lernen, die die Sprache nicht sprechen – bis sie so viel gelernt haben, dass sie in die Regelklasse wechseln können. Doch dieser Unterricht alleine reicht oft nicht aus. „Die Lehrer teilen uns mit, welche Kinder zusätzlichen Bedarf haben – und wir suchen dann einen Paten für sie.“

Ein bis vier Kinder

Einige betreuen ein Kind, andere wie Helga Rautenberg bis zu vier Kinder. Die Vorbereitung auf die Treffen ist zeitaufwendig. „Auf meinen zweistündigen Kurs bereite ich mich den ganzen Freitag intensiv vor“, sagt etwa Gabriele Roths Ehemann, Peter Roth, der Pate eines Jungen ist.

Das Wissen, um den Kindern Sprechen, Schreiben, Lesen, aber auch die deutsche Grammatik zu vermitteln, haben sich die Paten selbst angeeignet. Über Lehrbuchverlage, aber vor allem im Internet, etwa bei der Stiftung Lesen.

1750 Seiten

Drei Ordner gab es anfangs, die im Café Jasmin stehen, Alt-Fechenheim 94. Dort treffen sich die Paten immer freitags um 16 Uhr zum Stammtisch. „Wer Interesse hat mitzumachen, ist stets willkommen.“ Weil immer mehr Material hinzukam, aus dem die Paten schöpfen können, ordnete Helga Rauthenberg alles neu: Nun sind es 1750 Seiten, verteilt auf sieben thematisch gegliederte Ordner.

Beim Sommerfest in der Kleingartenanlage „Möllers Wäldchen“ in Enkheim stellte Gabriele Roth ihren Mitstreitern nicht nur die neuen T-Shirts der Bildungspaten vor. Auch die neue Integrationsdezernentin Sylvia Weber und die Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti (beide SPD) schauten vorbei. „Sprachförderung ist wichtig für die Integration. Je größer der Wortschatz, desto besser sind die Chancen der Kinder später in Schule und Beruf“, lobt Weber das Engagement der Bildungspaten. „Wenn die Kinder dadurch einen besseren Schulabschluss bekommen, ist es jede Mühe wert.“ Dabei sei die ehrenamtliche Arbeit eine gute Ergänzung der hauptamtlichen Angebote. Weber erinnert daran, dass die Bildungspaten sich gründeten „lange bevor das Thema Flüchtlingsarbeit soviel Aufmerksamkeit erfuhr“ – und dass sie 2014 den Integrationspreis der Stadt Frankfurt erhielten.

Ein Erfolgsmodell also, das man auch auf andere Stadtteile ausweiten könnte, etwa Bergen-Enkheim? Bei der Idee zögert Gabriele Roth, denn die Koordination sei schon jetzt schwierig. „Schon an den beiden Fechenheimer Schulen könnten wir noch mehr Patenschaften übernehmen. Wir sind daher für jeden, der mitmachen möchte, dankbar.“ Eine Ausweitung auf andere Stadtteile könne die Gruppe nicht stemmen – auch wenn es dort sicher Bedarf gebe. Wer mitmachen möchte, erreicht Gabriele Roth entweder unter der E-Mail-Adresse bildungspaten@arcor.de oder telefonisch unter (0 61 09) 3 65 97.

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