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Carlo-Mierendorff-Schüler gestalteten Preungesheim um: Sie haben ihren Stadtteil neu erfunden

Von Logogestaltung, ein Stadtteilplan für Mädchen, die Modellierung eines Schuleingangs und vieles mehr: In mehreren Workshops des Projekts „Künste öffnen Welten“ halfen Dutzende Schüler der Carlo-Mierendorff-Schule, Preungesheim nach ihren Vorstellungen zu gestalten.
Künstlerin Jin-Kyoung Huh, Vanessa (13) und Lucia (14) präsentieren ihr Logo für die Preungesheimer Jugend. Bilder > Künstlerin Jin-Kyoung Huh, Vanessa (13) und Lucia (14) präsentieren ihr Logo für die Preungesheimer Jugend.
Frankfurt. 

Preungesheim. „Unser Stadtteil hat zwei Seiten“, erzählt Sahra (12) — „eine helle und eine dunkle Seite“, fügt Celina (13) an: „Auf der hellen Seite fühle ich mich wohl. Auf der dunklen Seite kann man Angst bekommen“. Die helle Seite nennt Rojda (13) deswegen auch die „Schokoseite“. Dort gebe es viele Möglichkeiten, die Freizeit interessanter zu gestalten, wie etwa Spielplätze. Die drei Schülerinnen der Carlo-Mierendorff-Schule haben deswegen mit anderen Schülerinnen eine illustrierte Stadtteilkarte „für Girlies“ entwickelt. Darauf eingezeichnet haben sie ihre Lieblingsorte, eine Eisdiele etwa, einen besonders schönen Baum oder einen Bücherschrank. Hinzugefügt haben sie aber auch, was sie sich noch wünschen: Ein Riesentrampolin, ein XXL-Sofa, einen Schokobrunnen und buntere Häuser.

Außer fantastischen Orten fehlen den Mädchen allerdings auch ganz profane Orte. Viele öffentliche Plätze seien nämlich durch Jungs besetzt, was die Mädchen abschreckt, dorthin zu gehen. „Es gibt eindeutig zu wenige Plätze für Mädchen“, findet Rojda — und verweist wieder auf die „dunkle Seite“ von Preungesheim.

Ambivalenter Ruf

Was Mädchen damit ansprechen, ist das, was viele denken: Dass Preungesheim einen ambivalenten Ruf genießt. Dieser allerdings speist sich noch aus früheren Zeiten, als das Quartier als Problemviertel galt, denn inzwischen hat sich vieles geändert: Überall wird gebaut, zahlreiche Familien siedeln sich an, der Ruf wird besser. Und es werden Kulturprojekte wie „Künste öffnen Welten“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) durchgeführt, damit Kinder und Jugendliche dem wachsenden Quartier ihren Stempel aufdrücken können.

Eigenes Logo

Durch das Projekt standen Quartiersmanagerin Angela Freiberg vom Frankfurter Programm „Aktive Nachbarschaft“, Christine Winkler vom „Verein für Kultur und Bildung“ (KUBI) sowie der Carlo-Mierendorff-Schule rund 11 000 Euro zur Verfügung, mit denen Workshops in vielen kreativen Bereichen und mit professioneller Anleitung angeboten werden konnten: Grafik, Design, Architektur, Fotografie, ein Halloween-Parcours, ein Kurs in Event-Management und weiteres standen deswegen für mehr als 50 Kinder und Jugendliche der Klassen Fünf bis Zehn im letzten halben Jahr auf dem Programm. Vorausgegangen waren wiederholte Zerstörungen auf dem Schulgelände und ein Streit mit Nachbarn aus der Karl-Kirchner-Siedlung, weil diese sich wegen einer Sperrung des Schuleingangs während Renovierungsarbeiten ausgeschlossen fühlten. „Wir wollten den Stadtteil positiv erlebbar machen und ein Gemeinschaftsgefühl herstellen“, erläutert deswegen Christine Winkler. Und Angela Freiberg ergänzt: „Die jungen Leute sollen ihren Stadtteil gestalten und sich die Plätze schaffen, die sie sich wünschen“.

Beim Wort genommen haben dies einige Schüler, die mit den Architekten Alex Probst und Ralf Schlachter von „Unique Assemblage“ den Schuleingang gegenüber der Karl-Kirchner-Siedlung im Maßstab 1:50 neu modellierten. Bislang wirkt der Eingang mit einem grauen Toilettenhäuschen und den Mülltonnen nicht sehr einladend, doch wird sich dies bald ändern: Einen der Schülervorschläge, der einen Eingangsbereich aus roten Steinen vorsieht, nimmt laut Angela Freiberg das Stadtschulamt auf und setzt ihn „bis Ende des Winters“ um. Freiberg freut sich daher über den nachhaltigen Erfolg des Projekts: „So soll es sein“, meint sie und verweist auf die Gestaltung eines Stadtteillogos durch vier Schüler und die südkoreanische Grafik-Künstlerin Jin-Kyoung Huh. Dieses werde künftig für Jugendveranstaltungen im Quartier benutzt und „vielleicht eine Marke“. Das Logo zeigt den Schriftzug „Preungesheim“, der um eine Eicke läuft und von einem Dach als verbindendes Element zusammen gehalten wird. „Ich kam auf die Idee, als ich viele Jugendliche vor einem Kiosk stehen sah. Der Kiosk ist ihr Treffpunkt, dort kommen alle zusammen“, erzählt Huh. Weil das Projekt so gut ankam, will sich Angela Freiberg für weitere Förderung einsetzen: „Wir wollen auf den Kreativprojekten in Zukunft aufbauen“.

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